LitPop

Von Elektro über Country bis hin zu Pop

Seit sieben Jahren findet im Rahmen der Leipziger Buchmesse die LitPop statt. Wie der Name schon sagt, ist die Veranstaltung eine Kombination aus Lektüre, Musik und Party, die das Neue Rathaus in außergewöhnliches Licht taucht.
Die LitPop verwandelt das Neue Rathaus zur Partylocation

Das Neue Rathaus war an diesem Abend kaum wieder zu erkennen. Die Plenarsäle, in denen sonst die Stadtverordneten tagen und beraten, hatten sich in eine beeindruckende Partylocation verwandelt: die Hallen erstrahlten im pinken Neonlicht, Bildinstallationen waren an den Wänden zu entdecken und dort, wo sonst über Leipzigs Politik entschieden wird, standen Bars, Bühnen und sogar eine Popcornmaschine. Auf die musik- und literaturbegeisterten Gäste wartete auch in diesem Jahr wieder ein buntes Programm aus Lesungen, Poetry Slam und Konzerten. 

Verschiedenste Künstler begeisterten mit ihren Auftritten das feierlustige Publikum. Darunter war zum Beispiel Poetry-Slammerin Giulia Enders, die mit viel Witz ihr Debütwerk „Darm mit Charme“ vorstellte. Die 24-jährige Medizinstudentin erklärt in ihrem Buch wie Verdauung funktioniert, und zwar für jederman verständlich. Außerdem präsentierten Yvonne Barth und Sebastian Leber ihr neues Buch "Dick gegen Doof plus 99 neue Duelle" vor – eine Lektüre, in der ein Schlagabtausch dem nächsten folgt: das A-Team gegen Knight Rider, Döner gegen Bratwurst, Bushido gegen Alice Schwarzer. Auch musikalisch wurde für beste Unterhaltung gesorgt. Die drei Geschwister der Band Heinrich spielten ihre poppigen, tanzbaren Songs und Rapper Alligatoah begeisterte das Publikum. Abgerundet wurde der Abend mit den DJs Markus Kavka und Preller, die nach den Lesungen für eine volle Tanzfläche sorgten.

 

Die legendäre Senfkanone

Unter den Autoren war auch Jonnie Schulz, der aus seinem Buch „Kein Zutritt für Hinterwäldler“ las. In seinem Erstlingswerk erzählt der ehemalige Drummer der Butch Meier Band von den vielen skurrilen Erfahrungen, die er mit seinen Kollegen in der Zeit von 2000 bis zur Trennung im Jahre 2008 machte. Viele werden die Countrymusiker nicht kennen, doch in Insiderkreisen ist die Band für ihre bizarren Fleischshows mit Live-Grillen, Fleischinstrumenten und der legendären Senfkanone berühmt.

Das Buch strotzt nur so vor Kuriositäten: vom Shooting für einen eigenen Fotokalender in der Westernkneipe „Rattlesnake“ über einen selbst organisierten Country-Gottesdienst zur Rettung einer Bauwagensiedlung bis hin zu einem Konzert im besetzten Haus mit einigen Hindernissen. An Selbstironie mangelt es dem Buch jedenfalls nicht. Mit viel Witz und Zynismus hält Schulz seine Erlebnisse mit der Band fest. Und obwohl inzwischen 8 Jahre vergangenen sind, seitdem man zuletzt von Jonnie, Ted, Digger und Butch hörte, erinnert sich Schulz an beinahe jedes kleine Detail aus Bandzeiten. „Mir wird ’n Elefantengedächtnis nachgesagt“, erklärt er.

Das Geheimnis um das sagenumwobenen Mysterium „Axels Bürste“, das im ganzen Buch immer wieder aufgegriffen, jedoch nie aufgeklärt wird, ist übrigens endlich gelüftet. Wie Jonnie Schulz nebenbei verriet, handelt es sich dabei um eine Autowaschanlage in Hamburg. Dort ist im Sommer auch das offizielle Abschiedskonzert der selbst ernannten Outlaw-Countrystars aus St. Pauli, Tennessee geplant. Dann heißt es zum letzten Mal: „My name is Butch Meier and I bring you: Fire“.

Jonnie Schulz, Autor und Drummer der Butch Meier Band, im Gespräch mit Pauline Bombeck über die wilde Zeit der Country-Musiker.
 

Zu viele Möglichkeiten

Generation Y, Generation Praktikum, Generation Facebook – Die Twenty- und Thirtysomethings wurden schon oft in Schubladen gesteckt. Auch Oliver Jeges hat sich mit genau dieser Zielgruppe beschäftigt und ein Buch darüber geschrieben, welches er auf der LitPop vorstellte. Als Generation Maybe bezeichnet er Menschen, die 1980 oder danach geboren wurden. Diese Generation ist in der heutigen Zeit mit so vielen Möglichkeiten konfrontiert, dass sie damit auch schon wieder überfordert ist. Entscheidungen zu treffen, fällt einfach schwer, wenn es vielleicht doch noch etwas Besseres gibt. 

Oliver Jeges geht in den einzelnen Kapiteln auf verschiedene Lebensbereiche wie Politik, Musik und Ernährung ein. Dabei versucht er für die jeweiligen Bereiche festzustellen, was für die Maybes exemplarisch ist. Die Bedeutung der Musik hat sich beispielsweise extrem verändert. Früher war man Punk, Rock'n'Roller oder Hip-Hopper – und das mit Leib und Seele. Da ging es nicht nur um die Musik – das war ein Statement. Die politischen Ansichten, die Klamotten und die Lebenseinstellung richteten sich nach der Musik, die man hörte. Heute mag man von allem ein bisschen. Musikgeschmack "eigentlich alles" ist das Motto – ein bisschen Indie, ein wenig Elektro, ab und zu Hip-Hop. Das zeigt wieder, wie entscheidungsschwach diese Generation ist. 

Dass man eine ganze Generation nicht in Schubladen stecken kann, ist Oliver Jeges bewusst. Trotzdem hat er versucht das Lebensgefühl der Generation Maybe einzufangen. Ebenso erfindet er das Rad nicht neu, alles wurde irgendwie schon mal gesagt, es ist nichts Neues. Doch jeder Maybe, der das Buch liest, wird an der ein oder anderen Stelle schmunzeln, da er sich ziemlich genau wieder erkennen wird. 

Oliver Jeges im Gespräch mit Peggy Strauchmann über die Generation Maybe
 

"Hamma wieder was gelernt"

Diese Worte sind jedem bekannt – zumindest denjenigen, die MTV noch als kostenlosen Fernsehsender kennen, auf dem Musikvideos liefen. Doch dass diese Zeiten vorbei sind, das weiß auch Markus Kavka, der in den Hochzeiten des Musikfernsehens einer der bekanntesten und wichtigsten VJs (Videojockeys – ja, so nannte man die früher) war. Traurig darüber ist er aber nicht, dafür hat er viel zu viele andere Dinge zu tun. Neben dem Moderieren ist Markus Kavka auch als Journalist und Autor tätig. Im Interview verriet er, dass er momentan an einem neuen Buch arbeitet, mit der er möglicherweise schon im nächsten Jahr die Buchmesse besuchen wird. Außerdem ist Markus Kavka auch als DJ nicht unbekannt – und genau deshalb war er dieses Mal zu Gast bei der LitPop. Mit elektronischer Musik brachte er das Publikum bis spät in die Nacht zum Feiern und Tanzen. 

Markus Kavka im Gespräch mit Peggy Strauchmann
 
 

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Peggy Strauchmann, Pauline Bombeck
17.03.2014 - 15:54
  Kultur