Musikalische Komödie

Liebeschaos im Dreivierteltakt

Am Samstag ging die erste Premiere der neuen Spielzeit über die Bühne: "Wiener Blut" von Johann Strauss, unter der Leitung des neuen Musikdirektors und Chefdirigenten der Musikalischen Komödie Lindenau, Stefan Klingele.
Ensemble: Michael Raschle, Mirjam Neururer, Lilli Wünscher, Radoslaw Rydlewski, Iva Schell und Andreas Rainer

Wien zur verklärten guten alten Zeit. Anstatt sich den Kongressgeschäften zu widmen, konzentriert sich Balduin Graf Zedlau, Abgesandter des Zwergenstaates Reuß-Schleiz-Greiz, lieber auf seine amourösen Abenteuer. Von denen gibt es gleich drei zu bestreiten: seine Ehefrau Gabriele, seine Geliebte Franziska Cagliari und seine neueste Flamme, die Probiermamsell Pepi.

Dieses pikante Gespann hat sich mephisto 97.6-Redakteurin Eva Hauk genauer angesehen: 

Eva Hauk zur Premiere von "Wiener Blut".
 

Wie in jeder Operette kommt es zu zahlreichen Verwechslungen und Missverständnissen. Da wird die Frau Gräfin für die Geliebte des Grafen gehalten und umgekehrt. Oder der Diener schreibt der neuesten Angebeteten seines Herrn Liebesbriefe, nicht ahnend, dass es sich um seine eigene "Gspusi" handelt. Doch die Damen kommen dem umtriebigen Grafen auf die Schliche und verbünden sich gegen ihn. Zum Schluss versöhnen sich alle wieder, denn Schuld an allem war (nein diesmal nicht der Champagner!) nur das "Wiener Blut". Ob die Versöhnung von langer Dauer ist, bleibt die Frage.

Graf Zedlau umwirbt seine Geliebte
Herr Graf (Radoslaw Rydlewski) in Flirtlaune mit der Tänzerin Franziska Cagliari (Mirjam Neururer)

K. und k. Nostalgie mit wenig Kitsch

Erfreulicherweise inszeniert Volker Vogel Johann Strauss' Spätwerk, das eigentlich nur ein autorisierter Zusammenschnitt seiner größten Hits ist, angenehm kitschfrei: Er treibt das Ganze nicht mit zuckersüßen Wien-Klischees auf die Spitze, sondern zeigt eine heitere Verwechslungskomödie mit einer Prise k.u.k.-Nostalgie. Den Rahmen für den Liebesreigen bilden ein elegantes Stadtpalais und zum Finale ein großes Riesenrad. Die Herrschaften tragen je nach Szene elegante Abendkleider oder zünftige österreichische Trachten. Bühnen- und Kostümbildnerin Beate Zoff serviert optisch also genau das, was der Zuschauer von einer richtigen Operetteninszenierung erwartet.

"Du süßes Zuckertäuberl mein, o komm o komm zum Stelldichein!"

Spritzig leicht und mit viel Schwung und Augenzwinkern dirigiert Stefan Klingele das Orchester und widersteht der Versuchung, ein allzu breites, walzerseliges Tempo anzuschlagen. Die Sänger stehen dem in nichts nach: Darstellerisch schießen hier Milko Milev als leutseliger, leicht angeschickerter Karusselbesitzer Kagler und Andreas Rainer als pfiffiger Kammerdiener Josef den Vogel ab. Michael Raschle als leicht vertrottelter, sächselnder Fürst Ypsheim-Gindelbach, ist da fast schon zu viel des Guten. Vor allem sängerisch erlesen ist das Damentrio: Lilli Wünscher als elegante Gräfin, die mit ironischem Lächeln über den Dingen steht, Mirjam Neururer als verführerische Tänzerin Franziska Cagliari und Iva Schell als quirlig-überdrehte Probiermamsell Pepi. Den Grafen gibt Radoslaw Rydlewski, dem man zwar schauspielerisch und optisch den Hallodri im perfekt sitzenden Frack abnimmt, dem aber der gewisse durchschlagende stimmliche Schmelz für diese Rolle fehlt.

Fazit: Das Stück bringt nicht nur das (Wiener) Blut zum Kochen, sondern ist auch ein herrlich ausgelassenes Vergnügen. Wer sich bei allzu trübem Wetter gerne in Walzerstimmung bringen lassen will, dem sei ein Besuch dringend angeraten!  

Fürst Ypsheim-Gindelbach & Kagler
Haben sich was zu erzählen: Fürst Ypsheim-Gindelbach (Michael Raschle), Josef (Andreas Rainer) & Kagler (Milko Milev)

 

 

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Weitere Vorstellungen:

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