Konzertbericht

In Liebe vereint

Weg von Weltuntergangsliedern, hin zu eingängigem Indiepop. Get Well Soon haben mit ihrem letzten Album "Love" eine neue Richtung eingeschlagen. Auf ihrer Tour d'Amour haben sie auch im Täubchenthal halt gemacht. Wir waren vor Ort und berichten.
Get Well Soon vor Love
Präsentieren sich auf der Bühne als Einheit: Get Well Soon

Erwartungen

Wie kann man Get Well Soon überhaupt beschreiben? Ist es eine Band, ist es ein Projekt oder gar ein Solo-Act? An der Spitze von Get Well Soon steht der Mannheimer Konstantin Gropper, der seit zehn Jahren unter diesem Namen Musik macht. Seine Alben spielt der Anfang 30-jährige größtenteils allein ein – kaum zu glauben bei der Fülle von verschiedenen Instrumenten, die der Sound von Get Well Soon bietet. Eine Geige da, ein Glockenspiel hier – aber immer verspielt und meist auch recht komplex. Wenn man die Musik von Konstantin Gropper labeln möchte, dann ist sie wohl am ehesten Indie-Pop der sehr anspruchsvollen Art. Mit dem vierten Album „Love“ hat sich Get Well Soon jedoch in eine etwas andere Richtung bewegt. Weg von der pompösen Weltuntergangsstimmung, und hin zu fast schon eingängigen Popsongs. Diese stehen Get Well Soon erstaunlich gut. Mit seiner „Live-Band“ (Ist damit jetzt die Frage beantwortet? Eher nicht.) ist Konstantin Gropper nun auf der "Tour d’Amour". Die große Frage: Wie gelingt der Spagat zwischen Love und Songs von Vexations oder The Scarlet Beast O‘ Seven Heads?

Erster Eindruck

Samstag ist und bleibt der perfekte Ausgehtag – dementsprechend voll ist auch der Ballsaal im Täubchenthal. Auch die Bühne platzt fast aus allen Nähten, viel mehr Platz ist hier nicht. Kurz vor Beginn enthüllt der Roadie das Bühnenbild von Get Well Soon. Ein großes L, ein großes O, ein großes V und ein großes E – LOVE. Fast schon ein bisschen kitschig, aber gut: Konsequenz ist hier das A und O und man ist ja schließlich auf "Tour d’Amour“. Kurz danach werden die Kronleuchter gedimmt und es startet ein gesprochenes Intro. Überraschend: Kein Geklatsche oder Gejubel als es dunkel wird. Komische Reaktion, wenn man doch eigentlich wegen der Band da ist. Auf Tour sind Get Well Soon zu sechst. Nach und nach entern sie unter dezentem Applaus (immerhin!) die Bühne und steigen in It’s Love ein. Die erste Single wird ebenso wie der zweite Song Eulogy vom Publikum dankend hingenommen. Wirkliche Euphorie sieht aber anders aus. Funktionieren die neuen Songs auf der Bühne etwa nicht so gut?

Musik

Es geht doch. Der dritte Song The Last Days Of Rome scheint den Funken überspringen zu lassen. Get Well Soon trommeln sich ordentlich durch den etwas älteren Song – und erzeugen damit mehr Dynamik. Vor allem das Schlagzeug klingt sehr satt und sorgt für das gewisse Etwas einer Live-Performance. Die Band scheint sich so langsam einzugrooven. Roland, I Feel You wird mit überraschendem Lichteinsatz dargeboten und auch die neuen Lieder wie Young Count Falls For Nurse oder It’s An Airlift können überzeugen. Trotz dauerhaftem „Love“-Bühnenbild wird es erst mit dem George Michael Cover Careless Whisper richtig romantisch. Das Lied wird von Get Well Soon ähnlich facettenreich wie in der Studioversion dargeboten – und passt ganz großartig zu Groppers Stimme. Eine sichere Bank im Set, die sich nahtlos in Hits wie Angry Young Man einreiht. Mit It’s A Fog, dem letzten Lied von Love, beenden Get Well Soon das Hauptset. Eine gute Entscheidung, da es im Vergleich zur Studioversion durch Dynamikwechsel stark gewinnt.

Band

Ja, dieser Absatz heißt wirklich „Band“. Selbst wenn in Kritiken und Pressetexten immer von dem Projekt Get Well Soon zu lesen ist, präsentieren sie sich auf der Bühne definitiv als Band. Das meint auch Konstantin Gropper nach ein paar Liedern: „WIR sind Get Well Soon“. Am Anfang gewinnt man aber trotzdem den Eindruck, es würde sich eher um Studiomusiker handeln. Dabei ist die Live-Besetzung seit vielen Jahren die Selbe. Die Band gibt sich aber vor allem Mühe perfekt zu spielen. Alle sechs Mitglieder sind keine Rampensäue. Groppers Schwester an Geige und den Backing-Vocals verliert sich wie alle in der Musik. So lässt sich vermutlich die anfängliche Lethargie des Publikums erklären. Gropper versucht in den Ansagen gar nicht erst Stimmung zu machen. Mit trockener Stimme und Humor stellt er kurz und knapp die Songs vor. Und dann gibt es auch gleich wieder Musik. Mit der Zeit merkt man, dass die Band Spaß an der Sache hat. Die Dramaturgie des Konzertes sieht man auch den sechs Gesichtern an. Es wird stärker in die Trommeln gehauen, was das Live-Erlebnis intensiver macht. Zwei Mal kommen Get Well Soon für zwei Lieder wieder auf die Bühne und bieten insgesamt über 100 Minuten Musik.

Was in Erinnerung bleibt

Die Zweifel, die zu Beginn des Konzertes aufkamen, sind am Ende verfolgen. Get Well Soon bieten keine seelenlose Darstellung, der man „nur“ zuhören kann. Sie ziehen das Leipziger Publikum letztendlich in ihren Bann. Dadurch wird es – nicht nur aufgrund des Love-Bühnenbildes – teilweise auch wirklich emotional. Der rockige Mittelteil des neues Songs Marienbad ist live ein noch größeres Highlight als auf Love. Das liegt auch daran, dass Get Well Soon auf der Bühne einfach als Band funktioniert. Für diesen einen Moment verlieren sich alle sechs Musiker und dreschen voller Energie auf ihre Instrumente ein. Auch die erste Zugabe 33, die Gropper komplett alleine spielt, ist sehr schön. Getoppt wird die Nummer dann nur vom folgenden, epischen You Cannot Cast Out The Demons (You Might As Well Dance). Voller Power, Dynamik und Emotionen spielen sich Get Well Soon durch das sechs Minuten lange Stück. Selbst wenn die Musik größtenteils von einer Person geschrieben wurde: hier steht eine Band auf der Bühne.

 

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Till Bärwaldt
06.03.2016 - 19:57
  Kultur