CD der Woche

Liebe in 11 Akten

Grob geschätzt haben sich schon unzählige Künstler mit Liebe beschäftigt. Dass Get Well Soon sich an einen Definitionsversuch wagt, überrascht trotzdem. Mit einem Konzeptalbum beleuchtet Konstantin Gropper das Thema aus verschiedensten Blickwinkeln.
Konstantin Gropper, der Kopf hinter Get Well Soon.
Konstantin Gropper, der Kopf hinter Get Well Soon.

Konstantin Gropper lebt in Mannheim und macht seit 2003 unter seinem Künstlernamen Get Well Soon Musik. Als schwermütig und melancholisch, sowie klassisch und opulent lassen sich seine bisherigen Platten beschreiben. Sein letztes Album "The Scarlet Beast O' Seven Heads" erschien 2012. In der Zwischenzeit brachte er drei EP's raus, alle im November 2014. Für den Film "Oh Boy" steuerte Gropper 2012 den gleichnamigen Titelsong bei und zusammen mit Kat Frankie produzierte er den Soundtrack für das neue Talkformat "Schulz und Böhmermann".

Und jetzt? Ein Konzeptalbum – über Liebe  – von Get Well Soon – mit dem Titel "Love" – und dann soll es auch noch Popmusik sein. Skepsis macht sich breit. Doch Konstantin Gropper findet mit seinem neuen Album einen Weg, das schon so oft besungene Thema Liebe aus ganz vielseitigen Perspektiven zu beleuchten.

Was ist denn nun Liebe?

In elf Songs versucht Gropper, die Liebe zu definieren. Ob aus der Sicht eines Vaters, der bedingungslos das eigene Kind liebt, wie in „It’s An Airlift“, oder einer Mittdreißigerin, die Liebe als Druck empfindet, worüber er in dem Song „33“ singt. Elf verschiedene Zugänge zeigen die Vielfalt, die das Thema Liebe bietet. Songs wie „It’s A Mess“ oder „It’s A Fog“ lassen aber erkennen, dass auch Konstantin Gropper keine allgemeingültige Antwort findet. 

Im Song „It’s A Catalogue“ geht es darum, wie schnell sich wertlose Gegenstände ansammeln weil sie mit Emotionen besetzt sind. Einer Konzertkarte oder einem Kuscheltier vom Jahrmarkt wird ein extrem hoher Wert zugeschrieben. Erst beim nächsten Umzug macht sich der Überfluss an nutzlosem Kram bemerkbar.

Im Video zu "It's Love" lotet der Sänger das vielfältige Verständnis von Liebe in einer extremen Form aus. Schauspieler Udo Kier gibt hier den Mann, der hingebungsvoll das Essen zubereitet – für die Frau, die er im Keller gefangen hält. Und so absurd es klingt, aus seiner Sicht tut er das aus Liebe.

Trotz der vielen Definitionsversuche und Blickwinkel findet Konstantin Groppe auf "Love" keine klare Antwort auf die Frage "Was ist eigentlich Liebe?". Im Song "Marienbad" vergleicht Groppe die Liebe mit dem französischen Film "Letztes Jahr in Marienbad", der schon unzählige Male analysiert und interpretiert wurde. Trotz aller Interpretation ist der Inhalt nicht greifbar und es bleibt Ratlosigkeit - wie auch in der Liebe.

Eine gute Kombi

Mit Get Well Soon verband man bisher man düstere Klänge und Melancholie. Diese Basis ist auf "Love" noch immer zu hören. Hinzu kommt jedoch ein leichter Opportunismus. Die Inspiration nimmt Gropper hörbar aus klassischer Popmusik. So lässt sich "Love" auch eher in die Pop-Schublade einordnen, als die vorherigen Alben. Diese Entwicklung steht Gropper gut. Die Mischung aus Melancholie und poppigem Optimismus funktioniert. Auf "Love" finden sich neben alt bewährt ruhigeren Stücken wie "33", auch einige Up-Tempo Songs.

In "Young Count Falls For Nurse" gesellt sich Groppers halliger Gesang zu treibenden Schlagzeug-Beats. Das erzeugt einen Sound der Stark an die 80er erinnert und der gut ins Ohr geht. "It's A Mess" geht tempomäßig noch etwas weiter, wirkt aber nicht automatisch positiver. Zu einem treibenden kommt zweistimmiger Gesang. Groppers eindringliche Stimme wird gepaart mit einer beinahe zerbrechlichen Frauenstimme, die der ganzen Atmosphäre schwermütig werden lässt.

Fazit 

Die anfängliche Skepsis war unbegründet und vielleicht auch Kalkül. Konstantin Gropper hat es geschafft, mit der Inszenierung des ersten Eindrucks für Verwirrung zu sorgen und überzeugt dann wieder in alter Manier. Das Album zeigt nur noch mal mehr, wie vielseitig Get Well Soon ist. Dabei bleibt sich Konstanin Gropper immernoch treu. „Love“ ist Popmusik mit Tiefgang. Gropper schafft es tatsächlich, das abgenutzte Thema Liebe aus neuen Blickwinkeln zu hinterfragen und es damit wieder spannend zu machen.

 

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Get Well Soon: Love

Tracklist:

1. It's A Tender Maze
2. It's A Catalogue
3. Eulogy*
4. It's An Airlift
5. It's Love
6. Marienbad*
7. 33*
8. Young Count Falls For Nurse
9. I'm Painting Money
10. It's A Mess*
11. It's A Fog

* Anspieltipps

Erscheinungsdatum: 29.01.2016
Caroline International

Kein Jahr ist es her, da erschien das rote Album von Tocotronic – ein weiteres Konzeptalbum über die Liebe. Da war "Love" von Get Well Soon gerade fertig geschrieben.

Konzerte:

Get Well Soon ist am 05.03. im Leipziger Täubchenthal zu sehen.