Gegenproteste

Lichter für Leipzigs Willkommenskultur

Zum ersten Geburtstag von Legida zündet auch der Oberbürgermeister Kerzen an. Und fordert die Bürgerinnen und Bürger dazu auf, das gleiche zu tun. Derweil mobilisieren die Bündnisse für den kommenden Montag.
Anfang letzten Jahres mobilisierten Legida und die Gegenproteste bis zu 35000 Menschen.
Anfang 2015 mobilisierten Legida und die Gegenproteste bis zu 35.000 Menschen

Vor ungefähr einem Jahr ist Legida das erste Mal durch die Leipziger Innenstadt spaziert. Nun feiert das fremdenfeindliche Bündnis am nächsten Montag sein einjähriges Bestehen. Anlässlich dieses "Geburtstags" rufen Oberbürgermeister Burkard Jung und ehemaliger Thomaskirchen Pfarrer Christian Wolff zum Gegenprotest auf.

mephisto 97.6-Redakteurin Marisa Becker mit Stimmen und Details zu den geplanten Protesten: 

Marissa Becker zu den Protesten.
 

Eine Lichterkette aus Menschen

Unter dem Motto "Leipzig bleibt helle" findet am kommenden Montag die Veranstaltung "Lichterkette um den Ring" statt. Nach dem Friedensgebet in der Nikolaikirche um 17 Uhr soll sich an fünf verschiedenen Plätzen auf dem Leipziger Cityring gesammelt werden. Dazu zählen der Augustusplatz, der Burgplatz, die Thomaskirche, der Hauptbahnhof und der Richard-Wagner-Platz. Vor Ort werden dann kostenlos Kerzen verteilt und die Plätze werden durch eine Kette von Menschen miteinander verbunden. Um 18:45 Uhr sollte die Kette dann geschlossen sein und bis 19 Uhr formiert bleiben. Im Anschluss wird es eine Abschlusskundgebung am Mendelssohn-Portal der Thomaskirche geben.

Initiiert wurde die Veranstaltung neben Wolff und Jung auch von Frank Kimmerle vom Erich-Zeigner-Haus, Netzwerken wie "Leipzig.Courage.zeigen" und den Leipziger Werken von BMW und Porsche.

Vielfältiges, weltoffenes Leipzig

Wolff betont, dass es darum ginge, ein Zeichen zu setzen für Toleranz und Weltoffenheit. Man wolle die Stadtgesellschaft versammeln, um Ziele wie eine weltanschauliche und religiöse Vielfalt, die menschenwürdige Aufnahme von Flüchtlingen und die Achtung unterschiedlicher Lebenesentwürfe. Der Oberbürgermeister ist ähnlicher Meinung. Er sieht es als Aufgabe der Stadt an, Geflüchteten und Menschen in Not zu helfen.

Dem pflichtet Vertreter von BMW Leipzig bei. Respekt und Toleranz seien Grundüberzeugungen eines international agierenden Konzerns wie BMW. Die kulturelle Freiheit in Leipzig sei nicht zuletzt der Grund gewesen, weshalb die Stadt als Standort gewählt wurde. 

"Keine Gewalt für niemanden"

Burkard Jung verweist vor allem auf die Tradition der Stadt als Platz der friedlichen Revolution. Ihm ist es wichtig in einer Stadt zu leben, in der Konflikte nicht einfach "zugekleistert" werden, sondern gestritten wird. Er dankt den Bürgern, die sich klar und deutlich positionieren. Aber man solle  friedliche Wege finden, um seine Meinung auszudrücken. Das gelte für beide Seiten und ist auch ein wichtiger Bestandteil seines Aufrufs an die Bürger:

Ich bitte alle Leipzigerinnen und Leipziger zu kommen, die das Herz am rechten Fleck haben und die vernünftig sind. Wir dürfen nicht den Gewalttätern die Straße überlassen. Das ist die Botschaft. Sondern wir möchten zeigen: Wir sind für eine weltoffene Stadt und wir sind für die Hilfe für Menschen in Not aber wir setzen darauf keine Gewalt!

 

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Legida wird sich am Montag am Naturkundemuseum formieren und dann durch das Waldstraßenviertel ziehen. Angemeldet sind 1000-2000 Demonstranten. Im vergangenen Jahr haben sich die Bewohner des Waldstraßenviertels mit Beschallungen gegen die Proteste von Legida gewehrt. In diesem Jahr werden in dem Viertel 19 Mahnwachen an Stolpersteinen stattfinden. Das Waldstraßenviertel hatte früher den größten Anteil an jüdischen Bürgern.