Welt-Braille-Tag

Lesen durch Fühlen

Egal ob im Job oder im Privatleben – jeden Tag liest man tausende Wörter. Wie helfen sich Menschen, die nicht lesen können, weil sie blind sind? Vor knapp 200 Jahren fand Louis Braille eine Lösung: Er entwickelte eine Schrift zum Anfassen.
Lesende Hände
Brailleschrift: Eine Schrift zum Anfassen.

Eigentlich sind es nur kleine Punkte. Bis zu sechs Stück, fühlbar auf einer Oberfläche. Schlicht, aber unverzichtbar: Denn in unterschiedlichen Kombinationen ergeben sie alle Buchstaben des Alphabets, alle Zahlen und viele Symbole. So ermöglichen sie auch blinden Menschen, zu lesen – mit ihren Händen.

Der Erfinder der Blindenschrift

Der Franzose Louis Braille ist drei Jahre alt, als er sich im Jahr 1812 am Auge verletzt. Wenig später erblindet er völlig. Damit will sich der wissbegierige Junge nicht abfinden – er beginnt einen Weg zu suchen, wie blinden Menschen einen Zugang zu Literatur, und somit zu Bildung und Kultur, ermöglicht werden kann. Und er findet ihn: Mit 16 Jahren gelingt es ihm, ein Punktschriftsystem für Blinde zu entwickeln.

Louis Braille wurde am 4. Januar 1809 geboren – deshalb wird heute der Welt-Braille-Tag gefeiert.

Brailleschrift
Jeder Buchstabe der Brailleschrift setzt sich aus bis zu sechs Punkten zusammen.

Die Bedeutung der Brailleschrift

Mit der Entwicklung seiner Sechs-Punktschrift half Louis Braille unzähligen Menschen weltweit. Die Schrift ermöglicht blinden Menschen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, schafft ihnen einen Zugang zu Kultur und Bildung – und macht sie so unabhängiger.

Die taubblinde amerikanische Schriftstellerin Helen Keller dankte Braille 1952 in einer Rede anlässlich seines 100. Todestages für seine Erfindung:

Wir Blinden verdanken Louis Braille ebenso viel, wie die gesamte Menschheit Gutenberg.

Helen Keller

Trotzdem ist es auch durch sie nicht möglich, die Barrieren vollkommen zu überwinden: Nur etwa fünf Prozent aller gegenwärtig publizierten Literatur ist in Brailleschrift erhältlich.

Der Stadt Leipzig kommt bei diesem Thema eine besondere Bedeutung zu: Hier befindet sich nämlich nicht nur die Deutsche Nationalbibliothek, sondern auch die Deutsche Zentralbücherei für Blinde. Seit 1894 haben blinde und sehbinderte Menschen hier Zugang zu mittlerweile über 55.000 Braille- und Hörbüchern, Zeitschriften und Noten in Brailleschrift.

 

 

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