Pressefreiheit

Leipziger Preis für Deniz Yücel

In der Türkei ist Pressefreiheit leider nicht selbstverständlich. Die Medienstiftung der Sparkasse Leipzig hat nun Deniz Yücel und Asli Erdoğan mit dem Preis für Freiheit und Zukunft der Medien ausgezeichnet.
Pressefreiheit ist in der Türkei nicht selbstverständlich.

Die Situation für die freie Presse in der Türkei verschlechtert sich seit Jahren immer weiter. Türkische Journalisten müssen mit Bedrohung und Inhaftierung rechnen, wenn sie sich kritisch gegenüber der Regierung äußern. Mehr als 150 von ihnen sind bereits inhaftiert. Nun ehrt der Preis für Freiheit und Zukunft der Medien von der Sparkasse Leipzig die Arbeit von Deniz Yücel und Asli Erdoğan, die sich kritisch mit Erdogans Politik auseinandersetzen. Seit Februar dieses Jahres sitzt Yücel in der Türkei in Untersuchungshaft. Asli Erdoğan ist es verboten, das Land zu verlassen.

Den Finger in die Wunde legen

Die Stiftung hat sich zum wiederholten Mal dafür entschieden, kritische Journalisten aus der Türkei mit dem Preis zu würdigen. Martin Fiedler, Leiter der Presse und Öffentlichkeitsarbeit der Stiftung begründet die Entscheidung folgendermaßen:

Die Situation der Pressefreiheit in der Türkei hat sich nicht verbessert, eher im Gegenteil. Das war der ausschlaggebende Grund der Jury zu sagen, wir werden in diesem Jahr noch einmal zwei türkische Journalisten mit dem Preis auszeichnen, um auf diese Situation aufmerksam zu machen und den Finger erneut in diese Wunde zu legen

Der Preis ist mit 30.000 Euro dotiert. Der Betrag wird zwischen den Preisträgern aufgeteilt und soll diese unterstützen. Von dem Geld könnten zum Beispiel Anwalts- und Verhandlungskosten gezahlt werden, so Fiedler. 

Bedeutung

Nach Lutz Kinkel, Geschäftsführer des Europäischen Zentrums für Presse- und Medienfreiheit hat der Preis eine wichtige Bedeutung:

Der Leipziger Medienpreis ist ein renommierter, angesehener Preis. So eine Preisvergabe stellt Öffentlichkeit auch her (...) und natürlich kann so ein Preis dafür sorgen, dass die Menschen weiter über die Situation in der Türkei reden und Geld in die richtigen Kanäle fließt.

Die Perspektive für Deniz Yücel, Asli Erdoğan und weitere Betroffene sehe aktuell nicht gut aus. Da sind sich Kinkel und Fiedler einig. Damit sich bald etwas ändert, wünscht sich Kinkel, dass die EU die europäische Charta für Medien-und Pressefreiheit noch stärker beachtet, als sie das bisher getan habe. Die Charta sollte zur Bedingung für den Eintritt und das Verbleiben von Ländern in der EU werden.

Preisverleihung im Oktober

Der Preis wird im Oktober 2017 in Leipzig vergeben. Da die Preisträger voraussichtlich nicht anwesend sein können, werden wohl Familienmitglieder die Ehrungen stellvertretend entgegennehmen.

mephisto97.6 Redakteur David Seeberg über die Auszeichnung von Deniz Yücel und Asli Erdoğan: 

Ein Beitrag von David Seeberg über den Preis für Freiheit und Zukunft der Medien
 
 

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