Cannabis

Leipziger Neuroanatom erklärt Heißhunger

So unterschiedlich Cannabis bei Konsumenten auch wirkt, eins steht fest: Nach dem Rauchen kommt der Hunger. Der Leipziger Neurowissenschaftler Marco Koch fand eine Erklärung für den berüchtigten Effekt. Zur Überraschung von Fachwelt und Konsumenten.
Gehirn
Warum der Konsum von Cannabis Heißhunger verursacht konnte jetzt herausgefunden werden.

Derzeit werden in Deutschland rund 400 Patienten mit Cannabis therapiert. Die meisten Betroffenen kämpfen mit chronischen Schmerzen oder Essstörungen. Das therapeutische Potenzial von Marihuana ist belegt. Die neurologischen Abläufe hingegen waren bisher die große Unbekannte:

Es ist ja seit Längerem bekannt, dass Konsumenten von Marihuana Heißhunger entwickeln. Noch nicht ganz klar ist jedoch, welche Mechanismen für den Heißhunger tatsächlich verantwortlich sind, das wird nach wie vor kontrovers diskutiert.

Dr. Marco Koch, Neurowissenschaftler am Leipziger Institut für Anatomie

Als Teil eines deutsch-amerikanischen Teams untersuchte Marco Koch die Hirnaktivität von Mäusen nach der Verabreichung von Cannabinoiden. Die Wirkung war offensichtlich und vom menschlichen Konsumenten bekannt. Entgegen ihrer Gewohnheit fanden die nachtaktiven Nagetiere auch tagsüber keine Ruhe und fraßen besinnungslos weiter. „Da komplett gesättigte Mäuse, nach einer Injektion von Cannabinoiden weiter fraßen, gingen wir zunächst selbstverständlich davon aus, dass dadurch die appetitzügelnden Hormone ausgeschaltet wurden“, so Koch. Was tatsächlich nach dem Konsum im Gehirn vorgeht, erstaunte die Wissenschaftler. Die sonst für das Sättigungsgefühl verantwortlichen Nervenzellen wurden aktiv, sie setzten jedoch ein hungrig machendes Hormon frei. Das ausgeschüttete Beta-Endorphin den Beweis: Canabinoide polen die für das Sättigungsgefühl verantwortlichen Nervenzellen um.

 

mephisto 97.6-Redakteur Paul Hildebrand mit einem Beitrag zu Cannabinoiden und Heißhunger
 
 

Kommentieren