Die Kolumne

Leipzig – Stadt der Zukunft

Lars-Hendrik Setz über LEGIDA am Glühweinstand, die Zukunft Leipzigs und einen ganz besonderen Geburtstag.
Die Kolumne. Immer freitags bei mephisto 97.6, immer im Netz und immer mit den guten Fragen der Woche.
Was ist in dieser Woche passiert? Unsere Kolumnisten haben wie immer eine Antwort auf die wichtigsten Fragen.

Redakteur Lars-Hendrick Setz beantwortet diese Woche in der Kolumne die wichtigsten Fragen der Woche:

Kolumnist Lars-Hendrick Setz zu den bedeutendsten Fragen der Woche
0412 Kolumne

Eine LEGIDA-freie Woche liegt hinter uns! Wegen der Verlegung auf den Bayerischen Platz entschied LEGIDA: Dann laufen wir eben nicht und trinken stattdessen Glühwein. Ist das nicht ein zukunftsträchtiges Modell für die besorgten Bürger? 

Also ehrlich gesagt wäre es mir lieber, die arbeitslosen Freizeitgegner spielen Wettnörgeln auf dem Bayrischen Platz, als dass sie jeden Montag den Weihnachtsmarkt okkupieren. Wenn LEGIDA ab jetzt jede Woche einer gesellschaftlichen Aktivität nachgeht, ist Weihnachten dann überhaupt noch tragbar? Das wäre wohl der Untergang des Glühweinstandes. Nein, die sollen mal schön unter Aufsicht der Polizei und Gegendemonstranten ihre wirren Runden drehen, während sich die Gutbürger und Lügenjournalisten auf Weihnachtsschnäpse und Christstollen treffen.

Heiß oder kalt? Runter oder Rausch? Kolumnist Lars-Hendrik Setz ist das alles egal. Für ihn zählen Worte mehr als Taten.

Im Neuen Rathaus hängt ein übergroßes Bild von unserer Zukunft: "Leipzig 2030" zeigt, wie sich Leipziger die Stadt in 15 Jahren wünschen. Welche Vision hast Du für Leipzig?

Gut, dass du fragst, ich hätte da nämlich ein paar Ideen: Wie wäre es mit mehr Parkplätzen und weniger Parks, mehr Schnellstraßen und weniger Radwegen, mehr Mama-Papa-Kind-Wohnungen mit ruhiger Lage und weniger Freiraum? In 15 Jahren werden auch die Letzten gemerkt haben, dass die dickste Sau, die es derzeit zu schlachten gibt, in Leipzig sitzt. Immer mehr Menschen kommen in die Stadt, immer mehr wollen hier ihre Zukunft bestreiten. Und mit ihnen kommen die Investoren, die Altes einreißen und Neues rausscheißen. Und wo die hinkommen, da steigen die Mieten ins Lächerliche. Das Ganze hat aber auch was Gutes: Leipzig hat viel zu viele Theater, zu viele Clubs und Konzerthäuser. Da verliert man schnell den Überblick. Das hat dann hoffentlich ein Ende. Und dann sieht Leipzig endlich aus wie jede andere Perle der deutschen Großststadtlandschaft. Juhu.

Die Uni Leipzig hat Geburtstag gefeiert. Willst Du nachträglich Glückwünsche bestellen?

Liebe Universität Leipzig. Herzlichen Glückwunsch! Glückwunsch dafür, dass Du Dich seit Jahren Stück für Stück abschaffst. Einst gelobte Disziplinen wie die Theaterwissenschaft, die Archäologie und so ziemlich jede andere Geisteswissenschaft lässt Du elendig verkümmern. Stattdessen züchtest Du lieber kleine Anwälte, Wirtschaftswissenschaftler und Mediziner in riesigen Monokulturen. Mit diesem Profil fällst Du unter all den anderen Universitäten in Deutschland ja gar nicht auf! Wie schön! Ach ja, und danke für den vorlesungsfreien Tag.

Und nächste Woche?

Da will ich endlich auf den Weihnachtsmarkt. Vorausgesetzt, dass man dann dort wieder sicher ist.

 

Kommentare

Naja, Thema fast getroffen, würde ich sagen. Nur schön, dass die Studenten (fast) alle auch nicht arbeiten gehen, sonst würde es gar keine Gegendemonstranten mehr geben und es wäre in Leipzig so langweilig wie zukünftig in jeder anderen Großstadt hierzulande, wie treffend vorhergesagt. Der normale Bürger hat sich von diesen Spielchen schon lange abgewendet und geht wichtigeren Dingen nach. - also aufwachen unter deiner Käseglocke, und rein ins Weltgeschehen, kann ich da nur abschliessend feststellen. Der Konsumterror auf dem Weihnachtsmarkt ist da nur schnöder Ersatz. oder besteht beim Autor die Absicht, sich die Welt beim Glühwein schön zu trinken?

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Lars-Hendrik Setz
04.12.2015 - 09:55