Offensive für Deutschland

Leipzig nach der Eskalation

Für Bilanzen bleibt kaum Zeit, auch wenn die Ausschreitungen am Wochenende Anlass gäben. Während die Zahlen der Verletzten und Festnahmen nach oben korrigiert werden, bereitet sich die Messestadt schon auf den nächsten Legida-Aufmarsch am Abend vor.
Demonstrationszug der "Offensive für Deutschland" entlang der Schillerstraße, begleitet von Protesten der Gegendemonstranten

Nazis, Böller, Barrikaden: Die Ausschreitungen um den Aufmarsch der "Offensive für Deutschland" geben reichlich Anlass zu Diskussionen. War die Stimmung im Vorfeld der fremdenfeindlichen Demonstration schon hitzig, eskalierte die Situation am Wilhelm-Leuschner-Platz. mephisto 97.6-Redakteurin Marlene Schlichtenhorst mit Eindrücken:

Nachbericht von Marlene Schichtenhorst über die Demonstration der OfD am Samstag, den 26.09.15
2609 Marlene BmE OfD

Mit 21 Polizeibeamten sind mehr Ordnungskräfte bei den gewaltsamen Krawallen am Wochenende verletzt worden als zunächst angenommen. Ulrich Bornmann, Referatsleiter für Polizeieinsätze im sächsischen Innenministerium, musste die Zahlen nach oben korrigieren. Mit einer deartigen Eskalation hatten die Leipziger Ordnungskräfte im Vorfeld der Demonstrationen nicht gerechnet und verwiesen auf einen Routineeinsatz. Am Montag nach den Demonstrationen - die Zahl der verletzten Beamten stieg im Tagesverauf - fiel die Einschätzung des Gefahrenpotenialz anders aus:

Anzeigen von verletzten Demonstranten sind zwar noch nicht eingegangen, dass kann sich aber noch ändern. Das war schon extrem gewaltätig, vor allem am Wilhelm-Leuschner-Platz. So geht es nicht.

Uwe Voigt, Polizeisprecher Leipzig 

Nicht nur Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) und Pfarrer Christian Wolff als Organisator einer Gegenkundgebung verurteilen die Gewalt. Auch die Bündnisse gegen Legida distanzieren sich, so auch "Leipzig nimmt Platz":   

 

 

Während Legida-Gegner sehr kritisch über Aktionsformen und militanten Widerstand gegen rechte Aufmärsche diskutieren, schafft Silvio Rösler - Gründungsmitglied und Vorsitzender des Legida e.V. - in den sozialen Netzwerken Tatsachen und bedankt sich bei der rechtextremen "Brigade Halle":    

 

Hallo Jungs der Brigade Halle. Ich möchte mich hier persönlich für eurer erscheinen auf unserer OFD-Demo am Samstag...

Posted by Silvio Rösler on Montag, 28. September 2015

 

Sternförmig und friedlich

Rund drei Stunden vor Ankunft der "Offensive für Deutschland" begannen die Gegendemonstrationen. Aus dem Süden, am Wiedebachplatz, starteten Demonstranten, sowie aus dem Norden, ausgehend vom Nordplatz, und aus dem Osten von der Eisenbahnstraße. Hinzu kamen Kundgebungen des Aktionsnetzwerks "Leipzig nimmt Platz". Die starke Gegenbewegung entstand vor allem nach Äußerungen Silvio Röslers, welche die "Offensive für Deutschland" deutlich rechtsextremer und nationalistischer darstellten als die "Besorgten Bürger" des Bündnisses Legida.

Die Märsche der Gegendemonstranten ins Zentrum verliefen friedlich, Kundgebungen verliefen wie geplant.
Auch nachdem sich die Demonstrationszüge am Augustusplatz gesammelt hatten und kollektiv auf die Ankunft der OfD-Demonstranten warteten, war noch nichts von den späteren Gewaltgeschehnissen zu ahnen.

Say it loud, say it clear

Die in etwa 2.000 Gegendemonstranten protestierten gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus, bekannte Slogans wie "Say it loud, say it clear, Refugees are welcome here" und "Nazis raus" erklangen, gestützt durchTrillerpfeifen und Trommeln.

Nachdem eine Spontandemonstration der Gegendemonstranten auf der Goethestraße als offizielle Versammlung genehmigt wurde, verkürzte sich die geplante Route der OfD.
Mit Ankunft der Demonstranten der OfD wurden die Gegendemonstranten, die gegenüber den run 300 bis 400 OfDlern eindeutig in der Überzahl waren, von der Polizei zurückgedrängt. Schon hier wurde schnell klar, dass beide Seiten der Demonstration durchaus extremere Geschütze auffahren würden. Schon während der ersten Kundgebung der OfD knallten Böller.

Als die "Offensive für Deutschland" ihren Demonstrationszug vom Augustusplatz vorbei an der Moritzbastei die Schillerstraße entlang startete, begannen die Auseinadersetzungen der Gegendemonstranten mit der Polizei. Menschen wurden teilweise durch Schläge und Tritte zurückgedrängt. Im Park hinter der Moritzbastei, durch den die Gegendemonstranten dem Zug der OfD folgten, kam es zu gewaltreichen Szenen, zum Einsatz von Pfefferspray und Schlagstöcken.

Abhalten ließen sich die Demonstrationsteilnehmer nicht, lautstarke Gegenproteste begleiteten den Weg der OfD, deren vergleichsweise wenigen Teilnehmer mit Polizeigeleit ihre Route passierten. Es schien, als wären sowohl Banner als auch Slogans der Gegenbewegung im Laufe der letzten demoreichen Wochen immer kreativer geworden.

Neben zunehmender Lautstärke wurde auch die Situation immer angespannter. Am Wilhelm-Leuschner Platz flogen von beiden Seiten Böller, der Polizeieinsatz wurde massiver,  Gegendemonstranten wurden in Gewahrsam genommen

Nach einer kurzen Ansprachen trat die OfD den Rückweg über die Schillerstraße zum Augustusplatz zurück an. Weit ging ihr Demonstrationszug somit nicht.

Es lebe die Freiheit

Am Augustusplatz hatte die Polizei inzwischen bereits abgesperrt, Wasserwerfer standen bereit. Die Gegendemonstranten sammelten sich am Europahaus. Vereinzelt wurden Polizisten mit Gegenständen beworfen, es kam zu den ersten Festnahmen. Nach Eintreffen eines weiteren Einsatzkommandos wurden die Gegendemonstranten massiv zurückgedrängt, so dass in Hör- und Sichtweise der beginnenden Kundgebung Silvio Rösslers kein Protest in Hör- und Sichtweise mehr möglich war. Nach Polizeiangaben waren 800 Beamte im Einsatz.

Rösler und die Bewegung der "Offensive für Deutschland" ist eine deutlich rechtextremere Vereinigung. Neben Äußerungen auf der Kundgebung wie "Es geht um unser Land! Angela - die schreckliche Mutti Merkel - ist Geschichte", "Wir sind das Volk, die sind das Pack" kam es auch zu weit eindeutigeren Aussagen wie "Einen Okkupanten, der sich mein Haus zu eigen machen will, nehme ich nicht auf. Okkupanten, das sind keine Kriegsflüchtlinge. Ich nehme keinen auf, der in mein Wohnzimmer scheißt" oder "Es lebe die Freiheit und das heilige Deutschland". Bei Abreise der OfD entlang der Goethestraße erklang die Nationalhymne, in der Innenstadt an der Moritzbastei und um den Wilhelm Leuschner Platz wurden die Polizeisperren nach und nach aufgelöst. Trotzdem hielten die Beamten die Gegendemonstranten am Augustusplatz zurück, am Hauptbahnhof standen bereits hunderte Polizisten bereit.
Die Polizeipräsenz überwog zu diesem Zeitpunkt endgültig, Gewaltszenen wurden schnell unterbunden.

Als die Mitglieder der "Offensie für Deutschland" abmarschierten waren die beiden Parteien der Demonstration eindeutig separtiert, es kam zu keinen weiteren Zwischenfällen, Gegendemonstranten waren kaum präsent am Hauptbahnhof. 

 

 

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Paula Kittelmann, Paul Hildebrand
28.09.2015 - 17:25

Laut der Stadt hat Legida auch heute Abend eine Demonstration angemeldet.

Die detaillierten Geschehnisse während der Demonstration finden sie im Live-Ticker,

Stimmen zur Entwicklung um die OfD finden sie im Vorbericht