Zeitarbeit

"Leipzig ist ein Schwamm"

Zeitarbeit – für viele Arbeitslose eine Chance, wieder ins Berufsleben einzusteigen. In Sachsen gibt es so viele Zeitarbeitsverhältnisse, wie sonst nirgendswo in Deutschland. Nicht alle sehen das positiv. Der Deutsche Gewerkschaftsbund äußert Kritik.
Zeitarbeit bedeutet nur für einen vergleichsweise kurzen Zeitraum bei einem Unternehmen beschäftigt zu sein.

Sachsen steht bundesweit an der Spitze – zumindest wenn es um Leiharbeit geht. Rund 50.000 Sachsen sind derzeit in einem Zeitarbeitsverhältnis beschäftigt, das sind 11,2 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Der Anstieg ist in keinem anderen Bundesland so stark.

Besonders in Leipzig ist der Anteil der Leiharbeiter mit 5,9 Prozent sehr hoch. Auch Bernd Günther, zuständiger Geschäftsführer des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) für den Regierungsbezirk Leipzig, beobachtet seit Längerem, dass Leipzig eine Hochburg ist:

"Das merkt man auch an den Arbeitslosenzahlen der Agenturen aus Leipzig oder Oschatz, dass Leipzig ein Schwamm ist […] und aus den anderen Bundesländern gerade zu Porsche, BMW, Metall-/Elektroindustrie, BIO CITY Medizintechnik bis hin zur Logistikbranche die Männer und Frauen aufsaugt."

"Das kann es nicht gewesen sein."

Ob das nun gut oder schlecht ist – darüber sind die Meinungen geteilt. Während die Bundesagentur für Arbeit das System als durchaus positiv bewertet, da es Arbeitslosen den Wiedereinstieg ins Berufsleben ermöglichen und den Unternehmen Flexibilität verleihen würde, kritisiert der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) vor allem die wirtschaftliche Förderung von Zeitarbeitsplätzen. Diese sei laut Bernd Günther besonders durch die vorherige Landesregierung nicht positiv begleitet worden:

"Es wurde alles gefördert, was Arbeitsplätze schafft, nach dem Motto 'Kommen Sie zu uns, wir haben gute Arbeitsbedingungen, wir haben gute Lohnbedingungen' – für die Unternehmen wohlgemerkt. Und das kann es nicht gewesen sein. Es wurden also Unternehmen gefördert, die über 30 Prozent Leiharbeitnehmer im Unternehmen über mehrere Jahre beschäftigt haben und es wurde nicht darauf geschaut, ob denn die dementsprechende Obergrenze einzuhalten wäre."

Grundsätzlich hätte der DGB nichts gegen Zeitarbeit einzuwenden. Allerdings will er es auf "eine Kernfunktion hin orientieren" – Unternehmen sollten nur im Notfall auf Zeitarbeiter zurückgreifen. Daher schlagen die Mitglieder des DGB eine Obergrenze von 30 Prozent und eine zeitliche Begrenzung von sechs bis zwölf Monaten vor. Bestenfalls würden die Beschäftigten nach dieser Zeit von den Unternehmen übernommen und fest angestellt. 

mephisto 97.6-Redakteur Florian Zinner im Gespräch mit Bernd Günther vom Deutschen Gewerkschaftsbund.
 
 

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Was ist Zeitarbeit?

Zeitarbeiter sind bei einem Zeitarbeitsunternehmen angestellt. Dieses vermittelt sie ähnlich wie eine Agentur an Firmen, welche Arbeitskräfte brauchen. Die Zeitarbeitsunternehmen, welche die Beschäftigten entlohnen, haben Verträge mit den Kundenbetrieben, die sich die Angestellten sozusagen "ausleihen". Daher spricht man auch von "Arbeitnehmerüberlassung" oder "Leiharbeit".