Extremismus in Sachsen

Leipzig belegt traurigen ersten Platz

Die Opferberatung ReachOut veröffentlichte heute neue Zahlen zu rechts motivierten und rassistischen Angriffen in Ostdeutschland. Sachsen steht ganz vorne im Ranking.
Nach wie vor spielt auch Rassismus im Alltag eine große Rolle

ReachOut untersucht in Zusammenarbeit mit fünf weiteren Vereinen Gewalttaten in Ostdeutschland auf ihre hintergründigen Motivationen und wertet diese jedes Jahr aus. Sie wollen damit die Dunkelziffer der Gewalttaten verkleinern. Im Jahr 2013 gab es der Beratungsstelle zu Folge jeden Tag zwei (also insgesamt 737) Angriffe, die von der rechten Szene oder mit einem rassistischen Hintergrund verübt wurden. Das sind achtzehn Prozent mehr als im vorigen Jahr.

In Sachsen allein waren es schon 223 Fälle. Nach Robert Kusche, Geschäftsführer des Bereichs Opferberatung des RAA Sachsen e.V. (Regionale Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie Sachsen e.V.), sind das fünf Angriffe pro 100.000 Einwohner im Jahr. Und so steht Sachsen dann relativ gesehen wieder mit Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt auf einer Stufe. Auch durch das kontinuierliche Sammeln der Informationen über die Polizei und Medien gibt es immer mehr Vorfälle zu bearbeiten - somit werden auch die Zahlen größer. Dennoch sind die Werte besorgniserregend.

In Leipzig wurden 58 Gewalttaten verübt

Und damit steht Leipzig auf dem ersten Platz. Im Leipziger Umgebungsland waren es 25. Diese Diskrepanz in den Zahlen erklärt sich Robert Kusche damit, dass Initiativen in den Städten eine viel höhere Präsenz zeigen und so mehr Informationen gesammelt werden können. Auch öffentliche Diskussionen, beispielsweise die Debatten zu Leipizger Asylheime und -bewerber, können eine Rolle spielen.

Viele Opfer melden sich inzwischen auch selbst bei ReachOut oder dem RAA Sachsen e.V. Sie möchten erreichen, dass ihre Fälle dokumentiert und nicht einfach vergessen werden. Die Dunkelziffer an Gewalttaten möchte der Verein durch die Dokumentation verkleinern. Im Hinblick darauf warnt Robert Kusche vor einer Normalisierung: Viele Betroffene gehen inzwischen davon aus, dass es normal sei, aufgrund von anderem Aussehen oder Anderssein angegriffen zu werden.

Welche Fälle werden untersucht?

Die Organisation teilt den Gewalttaten verschiedenen Kategorien zu. Am häufigsten tritt Körperverletzung auf (64%), aber auch massive Bedrohung, versuchte Körperverletzung oder Nötigung (27%) werden dokumentiert. Im letzten Jahr traten sogar mehrere Fälle von schwerer Körperverletzung bis hin zu versuchtem Tötungsdelikt auf.

 

Moderatorin Lily Meyer im Gespräch mit Robert Kusche vom RAA Sachsen e.V.
RobertKusche
 

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