Kommentar

Legida, ihr nervt

Blaulichter in der Innenstadt, gesperrte Straßen – und nicht selten auch Gewalt. Seit einem Jahr demonstriert das fremdenfeindliche Bündnis regelmäßig, genauso regelmäßig gibt es Gegenproteste. Und diese sind ein wichtiges Zeichen. Ein Kommentar.
Seit einem Jahr läuft das fremdenfeindliche Bündnis Legida fast jeden Montag.

LEGIDA – ihr nervt! Ihr nervt alle in dieser Stadt. Die Anwohner der Demostrecken, die Ladenbesitzerinnen, die Polizisten und die, die mit bewundernswertem Durchhaltevermögen immer wieder gegen euch auf die Straße gehen.

Seht es ein: ihr sprecht nicht für die Mehrheit. Zum Glück! Denn das, was ihr zu sagen habt, sind keine berechtigten Sorgen. Wir haben euch schon viel zu lange viel zu ernst genommen.

LEGIDA steht für Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. LEGIDA will nicht, dass sich Muslime und Flüchtlingen anpassen. LEGIDA will, dass es diese Menschen hier nicht gibt. LEGIDA will, dass es gar keine Andersdenkenden mehr gibt. Keine Muslime, keine Flüchtlinge, keine kritischen Journalisten und keine demokratischen Politiker. Dabei tut LEGIDA so, als ginge es ihnen um Freiheit. Als wollten sie einen verkorksten und korrupten Staat bekämpfen. Und neuerdings auch noch Frauen vor sexuellem Missbrauch schützen. Doch das sind verdrehte Worte. LEGIDA geht es nicht um Freiheit. Denn die Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden – und die möchte LEGIDA mundtot machen, einsperren, ausweisen oder Schlimmeres.

Die heute Abend für LEGIDA auf die Straße gehen, das sind die Unbelehrbaren. Die, die glauben, dass sie alles wüssten und nichts mehr lernen brauchen. Die Neonazis, Reichsbürger, Verschwörungstheoretiker und Islamhasser. Solche Menschen wird es immer geben – aber ernst nehmen müssen wir sie nicht. Wer sich durch die Kommentare auf der Facebookseite von LEGIDA liest, weiß wieso. Mit einer inhaltlichen Diskussion im demokratischen Wettstreit der Meinungen hat das nichts zu tun. Stattdessen herrscht dort Kindergarten: es wird beleidigt, gelogen und gehetzt. Nun schon seit einem Jahr.

Ein harter Kern von 500 Rechtsextremen zieht fast jede Woche durch die Straßen. Weitaus mehr Menschen dulden ihre hetzerischen Parolen – und teilen sie im Internet. Zum Glück hat Leipzig auch eine engagierte Stadtgemeinschaft, die Rechtsradikalen nicht einfach so die Straße überlässt. Und gemeinsam für ein offenes und gleichberechtigtes Zusammenleben eintritt.

Das wünsche ich mir auch von der Leipziger CDU – die als einzige demokratische Partei nicht zu den Gegendemos aufruft. Und während Oberbürgermeister Jung immer wieder klar Stellung bezieht, tut Ministerpräsident Tillich weiterhin so, als gäbe es in Sachsen kein Problem mit Rechtsextremismus.

Doch ignorieren bringt nichts. Gegen LEGIDA müssen alle zusammenstehen – sonst gewinnen am Ende nur die Extremen auf beiden Seiten. Auch Rentner, Angestellte und Kleinunternehmerinnen – die sogenannte „gesellschaftliche Mitte“ – sie alle müssen klar machen, dass für Fremdenhass in dieser Stadt kein Platz ist. Andernfalls sieht Gewalt für manche LEGIDA-Gegner wie die einzige Lösung aus.

Leipzig schmückt sich selbst gerne mit dem Erbe der „friedlichen Revolution“. Und statt Steinewerfern und brennenden Mülltonnen braucht die Stadt auch heute Menschen, die ohne Gewalt, aber fest entschlossen gegen Rechtsextreme auf die Straße gehen.

"LEGIDA nervt" - ein Kommentar von mephisto 97.6 Chefredakteur Alexander Moritz.
"LEGIDA nervt" - ein Kommentar von mephisto 97.6 Chefredakteur Alexander Moritz.
 

Kommentare

ihr habt doch noch keinen cent in die staatskasse eingezahlt. in 10 jahren werdet ihr heulen wenn es pegida nicht schaffen sollte deutschland zu retten.ihr betreibt propaganda mit steuermittel und arbeitet gegen 80% der bevölkerung.lächerlich seit ihr

@weber Hallo Weber, alleine heute habe ich laut Quittung 4,93€ Mehrwertsteuer in die Staatskasse gezahlt. Ich denke nicht, dass PEGIDA Deutschland "retten" will. Deswegen werde ich auch nicht weinen.

Objektive Berichterstattung geht anders... Wegen genau solch tendenziösen Berichten wird die Presse mittlerweile als "Lügenpresse" beschimpft. Ich bin auch eine Studentin und mich stört es nicht. Die "Unbelehrbaren" und diejenigen, die "Andersdenkende" diskreditieren sind Leute wie Sie, Alexander Moritz. Denkt ihr wirklich, dass ihr einem Flüchtling mit Demos wie "Leipzig ist bunt", "Leipzig bleibt helle", „Refugees Welcome“ helft?! Nein, das tut ihr nicht. Ihr sorgt dafür, dass sich durch die Bilder in den Medien noch mehr Leute auf den Weg hierher machen, sich Gefahren auf der Reise aussetzen oder sogar sterben, um dann in ein Land zu kommen, das absolut nix mit Mutti's Verheißungen gemeinsam hat!! Und: Sobald die Flüchtlinge hier sind, interessieren Sie Euch doch eh nicht mehr…
Was denkt ihr euch wie lange, dass hier noch gut geht? Woher sollen wir den Platz für mit Familiennachzug über 10 Mio. weitere Menschen nehmen? Wie sollen wir über 50 Mrd. pro Jahr finanzieren? Woher nehmen wir die Lehrer und Betreuer, um diese Massen zu integrieren? Findet Ihr es gerecht, dass durch die Flüchtlingskrise vor allem Arme und sozialschwache Menschen belastet werden sollen?
Möge Ihnen ein Licht aufgehen, Alexander Moritz!

@weber Hallo Weber. Bitte beachten! http://seitseid.de/
Nächstes mal klappt's!

@Freitag Schwierig: das obige ist zum einen kein Bericht, sondern ein Kommentar. Als solcher muss er subjektiv, ja darf gar nicht objektiv sein.

Zu den Demos: Es geht gar nicht primär darum, den Flüchtlingen zu helfen, sondern zu zeigen, dass die Haltung der meisten Legidaanhänger von den allermeisten Leipzigern nicht geteilt wird.

Das durch Kommentare wie diesen oder Berichte über brennende Mülltonnen in der Leipziger Südvorstadt Leute ermuntert werden, hierher zu kommen, wohlgemerkt Menschen, die in ihrem eigenen Land im Krieg leben, halte ich für eher unwahrscheinlich. Die Leute kommen schließlich nicht zu uns, weil sie sich die Sonne auf den Bauch scheinen lassen wollen oder weil hier alle Mercedes fahren, sondern, weil sie ihre nackte Haut retten wollen.

Die Zahlen mit dem Familiennachzug interessieren mich noch: 10 Mio.? Quellen bitte. Bei einer Verschärfung des Asylrechts (Sogar nach Afghanistan wird abgeschoben, hallo?) ist mit einem Nachzug von 10 Mio Familienmitgliedern nicht zu rechnen.

Für die Bankenrettung sind seit 2008 allein in Deutschland anstandslos 236 Milliarden Euro ausgegeben worden. Ist unser Staat daran kollabiert? Wo waren die empörten Bürger damals? Und jetzt geht Deutschland unter wegen angeblich 50 Milliarden?

Möchten Sie sich gerne eine Dusche mit 50 fremden Männern teilen? Ohne dass Sie abschließen können? Willkommen im Flüchtlingsheim!

Hallo Hans,
zu deinen Fragen:
10 Mio. : Ich beziehe mich hierbei zum einen auf unseren Entwicklungsminister Gerd Müller. Laut Müller sind "[e]rst zehn Prozent der in Syrien und im Irak ausgelösten Fluchtwelle [...] bei uns angekommen. Acht bis zehn Millionen sind noch unterwegs" (Quelle: Die Welt vom 10.01.2016). Zum anderen kannst du dir diese Zahl auch selber ausrechnen. Im Jahr 2015 sind etwa 1,1 Mio. Flüchtlinge zu uns gekommen. Laut Medien waren es im neuen Jahr (bis 07.01.2016) allein 22.000 neue Flüchtlinge. Bezogen auf das Jahr 2016 erwarten wir also mindestens wieder 1,1 Mio. Flüchtlinge. Der Familiennachzug ist hierbei noch nicht eingerechnet. 2017 dann noch einmal das gleiche... Rechnest du für jeden Flüchtling mit einer 4-köpfigen Familie, kommst du auf die Größen oder sogar noch mehr...
"hierher zu kommen, wohlgemerkt Menschen, die in ihrem eigenen Land im Krieg leben"Da steckt schon der Denkfehler. Laut dem DPolG-Chef Wendt (Quelle: Die Welt vom 21.12.2015) wurden zeitweise 90% der Einwanderer nicht kontrolliert, d.h. wir wissen gar nicht wer in unserem Land ist. Unabhängig von einem unverantwortlichen Sicherheitsrisiko, wissen wir also nicht ob es "echte" Flüchtlinge sind, die wie du schreibst vor dem Krieg geflohen sind. Dieser Eindruck scheint sich im Zuge der Vorkommnisse in Köln zu bestätigten. Von den 19 Tatverdächtigen waren 10 Asylbewerber, 7 illegal in Deutschland und 2 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (Quelle: Die Welt vom 11.01.2016). Und ja, viele der Einwanderer haben ein falsches Bild von diesem Land vermittelt bekommen. Die 236 Mrd Bankenrettung ist ein Bruchteil von dem, was uns noch erwartet... Der deutsche Haushalt umfasst derzeit etwa 300 Mrd. €. In den letzten Jahren war der Haushalt etwa +/-0. Basierend auf einer Zuwanderung von 1 Mio. pro Jahr entstünde für uns Kosten von 55 Mrd. € (Quelle: Iwf, Spiegel vom 11.12.2015). Wir wissen bereits anhand der neueren Prognosen, dass die Zahlen für die Zuwanderung mit dem Familiennachzug deutlich eine Mio. übersteigen werden, sodass die 55 Mrd noch niedrig gerechnet sind. Sie müssen zudem davon ausgehen, dass 90% der Zuwanderer zudem dauerhaft von unserem Sozialsystem abhängig bleiben werden (Quelle: "90% haben keine ausreichende Qualifikation", Die Welt vom 09.01.2016). Wer nur Zuhause ist und keinen Job hat, der ist auch schnell frustriert... Hinzu zu den jährlichen (!!, nicht einmalig) Mrd. Belastungen kommen noch die unüberschaubaren Haftungsrisiken aus ESM und Traget2.Und nein: Steuererhöhungen, um das zu finanzieren werden nicht reichen. Die Zuwanderung wird hierzulande auf Kosten derjenigen gehen, die schon das Wenigste haben. Das zusammengenommen mit einem vollkommen unterschiedlichen Kultur-, Werte- und Religionsvorstellungen, ist Dynamit für eine Gesellschaft. Die Vorfälle in Köln werden darum traurigerweise nicht die letzten gewesen sein.

@Freitag Hallo Freitag, der Beitrag ist ein Kommentar, als solcher gekennzeichnet und spiegelt meine persönliche Meinung wieder. Niemand kann genau sagen, wie viele Menschen tatsächlich hierher gekommen sind und noch kommen werden. Die meisten Menschen, die aus Kriegsgebieten im Mittleren Osten fliehen, suchen aber nicht in Deutschland, sondern in den umliegenden Staaten Zuflucht. Natürlich verändert sich unsere Gesellschaft durch die Neuankömmlinge. Aber ob diese Veränderung ein Problem wird oder eine Chance, das liegt auch daran, wie wir es schaffen, sie aufzunehmen. Und das schafft LEGIDA bestimmt nicht.

Viele Wirtschaftsforscher gehen übrigens davon aus, dass die staatlichen Mehrausgaben die Binnenwirtschaft ankurbeln werden (http://www.zeit.de/wirtschaft/2015-12/ifo-institut-fluechtlinge-konjunktur). Internationale Beobachter, wie zum Beispiel in Frankreich, halten die Aufnahme von Flüchtlingen vor allem für ein geschicktes Manöver der deutschen Regierung, um den Bevölkerungsrückgang auszugleichen. Und zu behaupten, alle Geflüchteten seien kriminell oder ein "Sicherheitsrisiko" ist in der Sache falsch und eine hetzerische Unterstellung.

@Alexander Moritz @Alexander Moritz: Hast du den Artikel, den du mir gepostet hast gründlichst gelesen UND vor allem auch verstanden? Wohl kaum. Aus deinem Artikel geht eindeutig hervor, dass:
a) es sich um einen kurzfristigen Effekt handelt ("Das ist ein temporärer konjunktureller Effekt vielleicht für zwei, drei Jahre." ). Reines staatliches Wachstum ist nicht nachhaltig.
b) Der Artikel lässt unerwähnt, wer die Steuerlast für die Qualifikation trägt. Das ist nämlich nicht die Wirtschaft, sondern der einfache Bürger. „[…]in Großteil von ihnen komme "aus Ländern mit einem nicht funktionierenden Bildungssystem". Die Integration in den Arbeitsmarkt werde "extrem schwierig sein".
c) Wenn die Massenimmigration von Flüchtlingen ein Wachstum bringen würde, würden sich die EU-Ländern nur so um die Fachkräfte reißen. Das tun sie nicht! Mir fällt ehrlich gesagt außer Deutschland + Österreich kein Land in der EU ein. Alle andere haben die Einreisebedingungen drastisch verschärft (Bsp.: Großbritannien, Norwegen, Dänemark, Schweden).
Der Artikel ist Strohfeuer.
Ich habe lediglich anhand von Quellen, Zeitungartikel und Zitaten der Polizeichef und unserer Regierungsmitglieder den politischen Kurs Deutschlands kritisch hinterfragt. Den Vorwurf der hetzerischen Unterstellung ist substanzlos. Und nein, ich werde mir deswegen von ihnen nicht den Mund verbieten lassen und mich weiterhin meine Meinung kundtun.

Abgesehen davon, dass es sich hier um einen Kommentar handelt, Subjektivität also legitim ist: zum journalistischen Handwerk gehört es, über Politik zu berichten nicht Politik machen zu wollen. Das sollten Sie und Ihre Kommilitonen als angehende Journalisten etwas mehr beherzigen.
Es fällt immer wieder auf, dass, vor allem bei politisch brisanten Themen, diese Grenze in der Mephisto 97.6 Redaktion nicht gefunden wird. Ihre Professoren sollten da ein größeres Auge auf Sie werfen. Unsere Medienlandschaft braucht mehr Qualität und kühlere Köpfe.
Die Berichterstattung über den Leipziger Moschee-Bau hat bei mir zum Abschalten über einen längeren Zeitraum geführt. Grüße aus dem Leipziger Umland!

Ich empfehle auch eine aktuelle Reportage in der Zeitschrift GEO, Ausgabe 01 2016, S. 66 - 84, Interview mit Prof. Dr. Lars Kirchhoff; Direktor des Instituts für Konfliktmanagement an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder

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Alexander Moritz
11.01.2016 - 17:55