Ungenutzte Gebäude

Leerstand im Leipziger Osten

Immer mehr Leute ziehen nach Leipzig, gleichzeitig steigen aber auch die Mieten und es wird immer schwieriger eine Wohnung zu finden. Im Osten Leipzigs fallen einem allerdings immer wieder leerstehende Häuser ins Auge.
Man sieht eine große Hausruine.
Ein leerstehendes Haus im Leipziger Osten

Ganz allgemein gilt: Leerstand gibt es fast überall. Das ist bis zu einem bestimmten Grad auch gut so, denn Leute wollen auch innerhalb einer Stadt umziehen können. So können sie dann aus einem begrenzten Angebot wählen. Ein solcher Leerstand bewegt sich zwischen drei und fünf Prozent aller Wohnungen einer Stadt.

In manchen Teilen Leipzigs ist das aber nicht so. Besonders im Osten von Leipzig gibt es den sogenannten “nicht-marktaktiven” Leerstand. Das bedeutet, dass die Immobilien nicht beziehbar und stark baufällig sind.

Ursachen für den Leerstand

Dass es zu so einer Ruine kommt, hat verschiedene Gründe. Doktor Dieter Rink vom Helmholtz Umweltforschungszentrum in Leipzig ist Stadtsoziologe und erläutert diese Gründe im Interview mit mephisto 97.6.

“Das kann sein, dass es dort Probleme gibt, zum Beispiel [...] durch einen Erbfall [...]. Oder auch die Eigentümer werden sich nicht einig untereinander [...]. Wollen sie verkaufen, soll es saniert werden? Fehlendes Kapital kann ein Grund sein [...]. Es können auch Spekulationsgründe sein.”

Dr. Dieter Rink, UFZ Leipzig.

Es gibt also bei fast jedem Haus eine unterschiedliche Ursache für dessen Leerstand. Jedes hat eine eigene Geschichte, die beim Umgang mit seinem Zustand nicht vernachlässigt werden darf. Deswegen ist es auch gar nicht so einfach etwas dagegen zu tun, denn die Besitzer:innen können nicht dazu gezwungen werden, ihre Häuser zu sanieren oder zu verkaufen.

Man sieht mehrere leerstehende Häuser
Leerstehende Häuserreihen im Leipziger Osten

 

Vorgehen der Lokalpolitik

Das Land Sachsen hat beispielsweise die Kappungsgrenze zur Mieterhöhung 2020 noch einmal verlängert. Das bedeutet, dass die Miete innerhalb von drei Jahren um maximal 15% erhöht werden darf. Außerdem hat die Stadt Leipzig noch einmal Modernisierungs- und Entstandhaltungsgebote ausgesprochen. Auch das Amt für Wohnungsbau und Stadterneuerung in Leipzig appelliert regelmäßig an die Eigentümer:innen. All das hilft aber nur teilweise.

Viele Leipziger:innen sind sehr unzufrieden mit der Situation des Wohnungsmarkts. Es gibt immer wieder Demonstrationen gegen die steigenden Mieten. Anja Feichtinger, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD und Mitglied des Leipziger Stadtrats, ist sich bewusst, dass die Stadt in ihren Maßnahmen auch alternative Wohnformen berücksichtigen muss: 

"Wir haben einfach zu wenig Möglichkeiten in der Stadt, und da müssen wir dran arbeiten dass es besser wird. Dass junge Menschen oder Menschen mit anderen Wohnbedürfnissen, als es jetzt so ne ganz normale Familie ist, eben halt auch die Möglichkeit haben in unserer Stadt unterzukommen, sich vielleicht Eigentum anzuschaffen oder eben in größeren sozialen Gemeinschaften leben können. Und das müssen wir angehen."

Anja Feichtinger, stellv. Fraktionsvorsitzende SPD

Reaktionen von Aktivist:innen

Dass allerdings in Bezug auf gerechtere Wohnverhältnisse nicht alle auf die Stadt vertrauen, zeigt sich an verschiedenen Protestformen, auf die Aktivist:innen zurückgreifen. Im Sommer 2020 gab es im Leipziger Osten sogar eine Hausbesetzung. Auf ihrem Internetblog “Leipzig besetzen” schreiben die Aktivist:innen, sie würden sich von Entscheidungsprozessen ausgeschlossen fühlen. Deswegen würden sie auf diese Weise Freiräume schaffen, unter anderem auch für schutzlose Menschen, die zu Zeiten von Corona nicht zu Hause bleiben könnten. Da das allerdings nicht legal ist, ist es schwierig so strukturell etwas zu ändern.

Die Themen Wohnungsnot und steigende Mieten betreffen uns alle. Nicht nur Leute im Osten von Leipzig. Denn das Problem gibt es in vielen Städten, vor allem in den neuen Bundesländern. Deshalb lohnt es sich auch, sich damit auseinander zu setzen. 

Der Beitrag zum Nachhören:

Moderator Jonas Grethel im Gespräch mir Redakteurin Rosa Budde über den Leerstand im Leipziger Osten.

Julian Rybacki 

2402, SG, Leerstand Leipzig Ost 
 

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