Gewässer

Lasst uns Flüsse versetzen

Die Stadt will für 15 Millionen Euro einen Fluss näher ins Zentrum verlegen. So soll Leipzigs Stadtbild verschönert werden. Kritik kommt dabei vor allem vom Verein Neue Ufer.
Baustelle am Elstermühlgraben aktuell
Immer mehr Flüsse in Leipzig werden offengelegt

Unsere Stadt soll schöner werden

Bis in die 1980er Jahre wurden in vielen Städten Deutschlands Flüsse aus praktischen Gründen verrohrt und unter die Oberfläche gelegt. Seit ein paar Jahren findet nun ein Umdenken statt. Das hat vor allem ästhetische Gründe. Durch das Offenlegen von Gewässern soll zum Beispiel das Stadtbild verschönert und mehr Grün in die Gemeinden geholt werden.

Auch in Leipzig bringt man Gewässer, dort wo es baulich und finanziell möglich ist, immer öfter ans Tageslicht. So zum Beispiel Teile des Elstermühlgrabens im vergangenen November. Nun wird darüber diskutiert, den Pleißemühlgraben hinter der Hauptfeuerwache und der IHK offenzulegen. Der Fluss verläuft dort im Moment noch unterirdisch, das könnte sich bald ändern.

Für Kranfahrzeuge muss der Fluss weichen

Laut Matthias Hasberg, Sprecher der Stadt Leipzig, gibt es insgesamt zwei Varianten den Fluss ans Tageslicht zu bringen. Zum einen könnte der momentane Flussverlauf offengelegt werden. Der Graben würde somit weiterhin hinter der Hauptfeuerwache entlang laufen. Bei der zweiten Variante würde der Fluss dagegen am Goerdelerring entlang geführt werden.

Die Stadt präferiert dabei die zweite Variante. Laut Hasberg hätten so auch Passanten mehr vom Pleißemühlgraben. Im Moment sei er für die Leipziger verborgen. Durch die Verlegung sei er leichter erreichbar und würde so auch für ein schöneres Stadtbild sorgen. Diese Variante hätte außerdem einen weiteren Vorteil: Die Hauptfeuerwache soll ab November für 19 Millionen Euro saniert werden. Im Zuge dessen sollen auch neue Hallen gebaut werden, in denen Desinfikationsanlagen und Kranfahrzeuge untergebracht werden können. Durch die Verlegung des Flusses würde so mehr Platz für die neuen Lagerräume geschaffen werden.

Die Bedürfnisse der Feuerwehr haben großes Gewicht!

Matthias Hasberg, Sprecher der Stadt Leipzig

Außerdem könnten Kosten gespart werden, wenn man die Sanierung der Feuerwehr und die Umverlegung des Flusses gleichzeitig angeht. Das Projekt würde trotzdem rund 15 Millionen Euro kosten.

Kritik vom Verein Neue Ufer

Der Verein Neue Ufer beschäftigt sich vor allem mit der Freilegung von Elster- und Pleißemühlgraben. An den Plänen der Stadt hat der Förderverein einiges auszusetzen. Anstatt den Fluss zu verlegen, sollte man den historischen Verlauf des Pleißemühlgraben beibehalten und ihn dort offenlegen. So könnte auch ein größerer Teil des Fluss beibehalten werden. 

Es ist zweifellos von größerem Gewinn, eine um mehr als 80 Meter längere Flusslandschaft in zentraler Lage zu haben.

Verein Neue Ufer

Laut Matthias Hasberg kann man beim Pleißemühlgraben aber nicht von einem historischen Verlauf sprechen. Während der Industrialisierung wurden viele Flussläufe verlegt - so auch der der Pleiße. So gut wie keiner der innerstädtischen Gewässer hätte noch einen echten historischen Verlauf.

Der Verein Neue Ufer argumentiert zudem, dass es noch alte Brückenteile und Ufermauern im Erdreich des Flusses gäbe, die bewahrt werden sollen. Außerdem könne man nach alternativen Lösungen suchen, um zusätzlichen Platz für die Feuerwehr zu schaffen. Den Fluss zu verlegen, wäre dafür laut Verein nicht nötig.

Infoveranstaltung statt Bürgerentscheid

Ab November 2017 soll die Hauptfeuerwache saniert werden. Bis Ende des Jahres will der Stadtrat dann auch die Entscheidung bezüglich der Umverlegung der Pleiße treffen. Einen Bürgerentscheid soll es nicht geben. Die Leipziger würden aber mittels Workshops und Infoveranstaltungen in die Entscheidung einbezogen werden.

mephisto 97.6 Redakteurin Sarah Bauer spricht mit Moderator Julien Reimer über die Verlegung des Pleißemühlgrabens:

Ein Studiogespräch von Sarah Bauer mit Julien Reimer
 
 

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Maria Reis
27.07.2017 - 19:23
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