Frauen im Film

Lara Croft, Hermine Granger und Trinity

Wie viele weibliche Filmhelden kennen Sie? Und wie viele weibliche Filmbösewichte? Vermutlich nicht so viele. Denn vor allem in erfolgreichen Filmen sind Frauen unterrepräsentiert, sagt die Medienwissenschaftlerin Alice Fleischmann.
Medienwissenschaftlerin Dr. Alice Fleischmann forscht zu Frauen im Mainstreamfilm
Medienwissenschaftlerin Dr. Alice Fleischmann forscht zu Frauen im Mainstreamfilm

Die Medienwissenschaftlerin Dr. Alice Fleischmann erzählt, was sie über Frauen in Mainstreamfilmen herausgefunden hat: 

Alice Fleischmann im Gespräch mit mephisto97.6-Redakteurin Lara Lorenz

Wie die meisten von uns schaut sich Alice Fleischmann gerne mal einen Film an. Dabei fiel ihr jedoch etwas auf: Auf Fernsehbildschirmen und Kinoleinwänden sind relativ selten Frauen zu sehen. Fleischmann begann, das Thema wissenschaftlich zu untersuchen. „Frauenfiguren des zeitgenössischen Mainstreamfilms“ heißt das Buch, in dem sie ihre Forschungsergebnisse zusammenfasst.

Über 150 Filme

Fleischmann wollte sich nicht auf ein Genre festlegen, sondern Mainstreamfilme untersuchen – also finanziell erfolgreiche Filme. Deswegen befasste sie sich überwiegend mit US-amerikanischen Filmen, denn die erfolgreichsten Filme stammen meist aus Hollywood. Sie konzentrierte sich auf den Zeitraum von 2000 bis 2011 und untersuchte insgesamt über 150 Filme, unter anderem die Twilight-Serie, Tomb Raider, Matrix, einige Harry-Potter-Filme und Gladiator.

Fleischmann analysierte den Inhalt der Filme und führte eine Zuschauerbefragung zum Thema Wahrnehmung von und Identifikation mit Filmen. Die Medienwissenschaftlerin griff auch auf den bekannten Bechdel-Test zurück. Für eine Vorauswahl findet sie ihn durchaus hilfreich. Insgesamt greife der Test jedoch zu kurz, da er nichts über den Inhalt des Films aussage.

Zwei Frauen im Film, die tatsächlich Namen haben – dass man das so betonen muss, ist ja schon bedenklich genug – und dann noch über etwas anderes als einen Mann sprechen, sagt ja noch nicht viel über die Darstellung der Personen aus oder die Qualität, dessen, was sie sonst noch sagen. Es ist ja auch möglich, dass sie sich drei Stunden über Schuhe unterhalten und damit jedes erdenkliche Klischee erfüllen, das in den Köpfen der Leute rumgeistert.

Alice Fleischmann über den Bechdel-Test

„Frauen sind massiv unterrepräsentiert“

Fleischmanns Forschungen ergaben, dass Frauen in finanziell erfolgreichen Filmen stark unterrepräsentiert sind. Außerdem werden sie häufig klischeehaft und abwertend dargestellt. Woran liegt das? Über die Ursachen kann sie nur mutmaßen, sagt Fleischmann. Letzten Endes liege die Darstellung von Frauen in Mainstreamfilmen wohl vor allem daran, dass Hollywood immer noch von Männern dominiert wird. Drehbuchautoren und Regisseure sind überwiegend männlich.

Es ist einfach so, wenn man ein unausgewogenes Verhältnis hinter der Kamera hat, dass dann die Wahrscheinlichkeit, dass das auch vor der Kamera so ausfällt, sehr hoch ist.

Alice Fleischmann

Der muskelbepackte Macho im Actionfilm, das naive Blondchen in der Romantischen Komödie. Diese Klischees und Rollenmuster, die in vielen Mainstreamfilmen gezeigt werden, sind altbekannt. Und eigentlich wissen wir alle, dass das nur Klischees sind, oder? Fleischmann ist sich da nicht so sicher. Sie befürchtet, dass wir anfangen, genau diese Klischees wieder als normal wahrzunehmen. Schließlich werden sie uns im Film als ganz normal präsentiert – immer und immer wieder.

Wir sind da, glaub ich, an einem schmalen Grad: Wir könnten uns langsam in eine Richtung entwickeln, wo es wirklich ein bisschen fairer zugeht und solche Klischees nicht mehr vorherrschen, wo es aber auch möglich ist, dass viele Leute wieder zurückfallen.

Alice Fleischmann

 

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Lara Lorenz
19.05.2016 - 11:05
  Kultur

Der Bechdel-Test

1985 erfindet Alison Bechdel in ihrer Comic-Reihe „Dykes To Watch Out For“ drei Kriterien um das Rollenverständnis von Frauen in Spielfilmen zu bewerten:

  1. Im Film kommen mindestens zwei Frauen vor. (Manchmal: Beide haben einen Namen.)
  2. Sie sprechen miteinander.
  3. Sie sprechen miteinander über ein anderes Thema als einen Mann.

Sehr viele Filme erfüllen diese Kriterien nicht, zum Beispiel die Herr-der-Ringe-Filme, Avatar, The Big Short, Forrest Gump, A Beautiful Mind oder Harry Potter und der Feuerkelch).