Kolumne

Lappalien. Leiden. Leipzig.

Die Kolumne. Immer Freitags und immer mit den guten Fragen der Woche. Diesmal: Lisanne Surborg eine Neuerung im Fernsehprogramm.
Kolumne, Symbolbild, Redaktion
Was ist diese Woche passiert? Unsere Kolumnisten und Kolumnistinnen haben sogar Antworten, wenn sie gar nicht gefragt werden.

Die Kolumne zum Nachhören:

Lappalien. Leiden. Leipzig. - Die Kolumne von Lisanne Surborg
1307 Kolumne

Ich bin so vereinnahmt von Netflix und Co, dass ich Folgendes fast nicht mitbekommen hätte: Auch im linearen Fernsehen tut sich was. Nichts Gutes allerdings.

In der Vorabendhölle brodelt es gewaltig, als man das Trash-Kochbuch aufschlägt und ein altes Rezept studiert. Berlin – Tag und Nacht heißt es, das Rezept.

Es geht um ein paar junge Leute, die in WGs wohnen und jede Menge Alltagsprobleme und Beziehungskonflikte zu bewältigen haben. Die Schauspielenden sind dabei so schlecht, dass man sie stattdessen „Darsteller“ nennt. Die Figuren arbeiten in einem Club, einer Bar, im Nagel- oder Fitnessstudio und im Puff. Dazu kommen jede Menge Kraftausdrücke, halb improvisierte Dialoge und gelegentliche Interviews für den Reality-Soap-Style.

Kolumnistin Lisanne Surborg
Schockiert, überfordert und ein bisschen angewidert: unsere Kolumnistin Lisanne Surborg

Das ist offenbar so spannend, dass Fans auf Facebook abstimmen, welche Pizza die fiktiven Figuren bestellen sollen. Es gibt inzwischen zwei Spin-offs: Köln – irgendeine Postleitzahl und was mit Schwestern und Liebe.

Und nun zur Sensation: Das neue Spin-off wird in Leipzig spielen. Gedreht wird schon ab Ende Juli unter dem Titel: Leben. Liebe. Leipzig.

Warum Leipzig?

„Die Stadt hat ein­fach alles“, sagt die Produktionsfirma filmpool laut bild.de. „An­ge­sag­te Clubs und Re­stau­rants, hippe Läden. Ein Ma­gnet für span­nen­de, junge Leute mit gro­ßen Träu­men.“

Na dann hoffe ich, dass die Figuren auf die Eisenbahnstraße ziehen und sich das obligatorische Loft selbst renovieren. Hier und so könnten sie sich die Wohnung sogar mal realistisch leisten. Die WG könnte ein Start-up gründen, sich im Co-Working-Space selbst verwirklichen. Leipziger Themen könnten aufgegriffen werden. RB, Chemie und Lok, politische Szenen, Containern und Food-Sharing.

Spannende, junge Leute mit großen Träumen …

Nochmal im bewährten Rezept nachschlagen…äh…ja, nein. Davon steht da nichts. Privatfernsehen und Spannung schließen einander schon lange aus. Leipzig wird wohl schlicht zur dritten Stadt, in der Personal Trainer und Stripperin in irgendeinem Club ihre gestammelten Wortgefechte herunterbeten. Und wir können noch dieses Jahr auf Facebook abstimmen, welchen Cocktail sie sich zur Versöhnung bestellen. Müssen wir aber zum Glück nicht.

 

 

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Lisanne Surborg
13.07.2018 - 13:46