Nahverkehrsplan

Langsam, lästig, LVB?

2007 wurde der aktuelle Nahrverkehrsplan beschlossen – das liegt neun Jahre zurück. Nun ist es Zeit für eine Auswertung: Welche damals gesteckten Ziele wurden erreicht, welche nicht? Heute wurden die Ergebnisse der Evaluation vorgestellt.
Die LVB will 2017 weiter investieren.
Die LVB will 2017 weiter investieren.

Ein leistungsfähiges S- und Regionalbahnsystem, gute Verkehrsanbindungen bei Großveranstaltungen und das Straßenbahnnetz erhalten und ausbauen – das alles sah der 2007 beschlossenen Nahverkehrsplan (NVP) vor. Insgesamt sieben Ziele wurden damals gesteckt. Die heute vorgestellte Evaluation zeigt: Zwei der sieben Ziele wurden erreicht, vier sind noch eine Baustelle und eins ist noch nicht angegangen worden. 

mephisto 97.6 Redakteurin Marisa Becker im Gespräch mit Carsten Richter zur Evaluation des NVP: 

mephisto 97.6 Redakteurin Marisa Becker im Gespräch zur Evaluation des NVP
 

Eines der wichtigsten Ziele ist für Dorothee Dubrau, Bürgermeisterin und Beigeordnete der Stadt Leipzig für Stadtentwicklung und Bau, den angestrebten Modal Split von 23 Prozent zu erreichen. Das bedeutet, dass 23 Prozent aller Wege in Leipzig mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurückgelegt werden müssten. Momentan liege Leipzig bei 17,6 Prozent Modal-Split. Damit sind die Verantwortlichen noch nicht zufrieden. 

Die Bahnen werden langsamer

Ein weiteres Ergebnis der Evaluation ist, dass die Bahnen langsamer geworden sind und sich die Pünktlichkeit verschlechtert hat. Als Ursache dafür wurden unter anderen Falschparker, die die Gleise blockieren, und LVB interne Gründe genannt. Dorothee Dubrau findet das aber gar nicht so ungewöhnlich:

Es ist so, dass eine wachsende Stadt sehr viele Baustellen hat. [...] Da haben wir nur zwei Möglichkeiten: Die eine ist, wir gehen auf die grüne Wiese und bauen dort neue Bereiche und verlängern dadurch die Wege und kommen von dem Grundatz der kompakten Stadt ab. Und die andere Möglichkeit ist: Wir akzeptieren, dass es in einer Stadt einfach über einen gewissen Zeitraum relativ viel Baustelle gibt. 

Dorothee Dubrau

Sie gab außerdem an, den zweiten Weg zu präferieren, da dieser besser für die Stadtentwicklung sei. Außerdem müsse man sich in einer wachsenden Stadt als Nutzer auf solche Situationen einstellen. Ein Grund für den langsameren Verkehr auf Leipzigs Schienen sind die 11,8 Kilometer Langsamfahrstrecken, die es inzwischen gibt. 2007 waren es nur 1,5 Kilometer. Das ist eine deutliche Steigerung. Um dem Problem entgegenzuwirken will die LVB nun 26 Millionen Euro in die Hand nehmen. Damit soll rund die Hälfte der Langsamfahrstrecken abgebaut werden. 

Erneuerungen kosten Geld – deshalb, so Dubrau weiter, ist eine Fahrpreiserhöhung nicht unwahrscheinlich. 

Es ist wohl kaum möglich, die Serviceleistung zu erweitern bei gleichbleibenden Preisen.

Dorothee Dubrau

 

 

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Marisa Becker
08.07.2016 - 11:37