Gaming

Lässt sich Spielspaß berechnen?

Ja, sagen US-Wissenschaftler. Mit einem Fragebogen wollen sie abfragen, was ein gutes Spiel ausmacht. Dabei wird offenbar erwartet, dass die Spiele sehr ausgefeilt sein sollen. Aber machen manchmal nicht gerade die simpelsten Spiele den meisten Spaß?
Eines der meistbewerteten Spiele im Rahmen des "GUESS"-Projekts ist bisher "Grand Theft Auto V" von Rockstar Games.
Eines der meistbewerteten Spiele im Rahmen des "GUESS"-Projekts ist bisher "Grand Theft Auto V" von Rockstar Games.

Spielspaß in Prozentform messen? 

In jedem größeren Zeitungs-Laden haben Computer-Magazine einen festen Platz. Vor allem jüngere Leser greifen gerne zu Spielezeitschriften mit Namen wie "GamePro", "Maniac" oder "PC Games". In den Magazinen werden in erster Linie neue Spiele getestet – und das meist mit sehr ausgefeilten Wertungssystemen. Da werden dann Prozentwertungen für die Grafik, den Umfang und den Spielspaß insgesamt vergeben. Die besten Spiele bekommen dann zum Beispiel 94 Prozent Spielspaß und zusätzlich einen "Platin-Award", weil die Wertung über 90 Prozent liegt. Die Magazine geben dadurch vor, dass ihre Spielspaß-Bewertungen irgendwie objektiv wären. Aber lässt sich die Freude an einem Videospiel wirklich messen? 

Wissenschaftliches Experiment testet Spaß-Skala

Ja, sagen jetzt Wissenschaftler aus den USA. Mit einem Experiment versuchen sie es zumindest. Mikki H. Phan und Barbara S. Chaparro von der Wichita State University arbeiten zusammen mit Joseph R. Keebler von der Embry-Riddle Aeronautical University an einem Projekt namens "GUESS", das ist die Abkürzung für "Game User Experience Satisfaction Scale". Auf deutsch heißt das in etwa: Skala, um zu messen, wie befriedigend ein Computerspiel für den Nutzer ist. Dem US-Magazin "Wired" sagte Phan: 

"GUESS" wurde entwickelt als eine umfassende Mess-Skala, die alle Schlüsselaspekte von Videospielen erfassen kann, die mit der Befriedigung im Spiel zu tun haben.  

Mikki H. Phan, Wichita State University, gegenüber dem US-Magazin "Wired"

Kreative Freiheit und Interaktion mit anderen

Diese Schlüsselaspekte teilen sich auf neun Kategorien auf, darunter die praktische Spielbarkeit, die optische Darstellung, die kreative Freiheit beim Spielen, und die Interaktion mit anderen Spielern. Aus diesen neun Kategorien folgen 55 Aussagen, darunter die folgenden: 

Ich finde, dass es einfach ist zu lernen, wie das Spiel funktioniert. 

Die Spielgeschichte hat mich von Anfang an gefesselt. 

Die Soundeffekte im Spiel hab ich genossen. 

Ich fühle mich kreativ, wenn ich das Spiel spiele. 

"Das System kann auch Entwicklern und Spielern nützen"

Diese Aussagen werden auf einer Skala von "Ich stimme vollkommen zu" bis zu "Ich stimme gar nicht zu" eingestuft. 450 Spiele hat das Wissenschaftlerteam um Mikki Phan mit diesem System schon bewerten lassen. Dafür haben sie 600 Computerspieler Fragebögen ausfüllen lassen. Das Projekt soll für jedes Spiel anwendbar sein. Sowohl Neulinge als auch erfahrene Spieler können den Fragebogen beantworten. Die Ergebnisse von "GUESS" dürften für viele hilfreich sein, sagte Phan dem Magazin "Wired"

Unser Forschungsteam ist überzeugt, dass "GUESS" von Spieleentwicklern benutzt werden kann, um zu überprüfen, ob ihr Spiel so wahrgenommen wird, wie sie es beabsichtigt haben; von Forschern kann "GUESS" genutzt werden, um herauszufinden, was ein Spiel "gut" macht; und Spieler könnten das System heranziehen, um genau die Spiele zu kaufen, die das befriedigen, was sie sich von einem Spiel wünschen. 

Mikki H. Phan, Wichita State University, gegenüber dem US-Magazin "

Was ist mit simplen Spielen, die Spaß machen? 

Gibt es also bald eine Hit-Formel, mit der sich ein Erfolgsspiel nach dem anderen produzieren lässt? Im Netz sind viele Spieler skeptisch. Denn eine Befürchtung ist, dass zum Beispiel simple Spiele durch den Test fallen könnten. Aber gerade die machen vielen Menschen besonders Spaß – man denke nur an das Ballerspiel "Doom", die "Moorhuhn"-Reihe oder das Puzzlespiel "Tetris". Das hat nun wirklich ein denkbar einfaches Spielprinzip und fesselt trotzdem bis heute Millionen Spieler an den Bildschirm. 

 

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Tobias Schmutzler
28.09.2016 - 10:28
  Games

So können Sie beim Experiment mitmachen

Den "GUESS"-Fragebogen kann jeder auf der offiziellen Website des Projekts ausfüllen. Welches Spiel man dabei bewerten möchte, ist jedem selbst überlassen. Bisher sind die meistbewerteten Spiele das Onlinerollenspiel "League of Legends", das Actiongame "Grand Theft Auto V" und das Puzzlespiel "Minecraft".