Die Kolumne

Lack of Leuschner

Die Kolumne. Immer freitags und immer mit den guten Fragen der Woche. Diesmal: Florian Zinner über Hallorenkugelzweitverwertung und Geschirrspülergentrifizierung.
Die Kolumne wird nicht auf der Schreibmaschine geschrieben. Aber so ein Retro-Symbolbild hat doch was, oder!?

Immer freitags: Unsere vier Kolumnisten beantworten die guten Fragen der Woche. Die kommen aus der Redaktion. Diesmal: Florian Zinner über Hallorenkugelzweitverwertung und Geschirrspülergentrifizierung.

"Lack of Leuschner" - die Kolumne von Florian Zinner
 

Der Wilhelm-Leuschner-Platz wird zur Veranstaltungsfläche. Was würdest du dort in Zukunft veranstalten?

 
Kolumnist Florian Zinner

Am liebsten irgendwelche Freiluft-Ideenwettbewerbe und zwar ganz schnell, denn für eine Stadt, deren gefühlte Lebensqualität derart rastlos gefeiert wird wie die Leipziger, ist dieser Platz ein Armutszeugnis, das nur noch auf dem Burgplatz ein vergleichbares Pendant findet. Und ein Beleg dafür, dass die Messestadt ihrem Hype erlegen ist. Vielleicht würde ich auch einen temporären Abenteuerspielplatz eröffnen. Heiteres Klettern auf hunterten Paletten Hallorenkugel. Die Süßwarenexperten von der Saale scheinen mit ihrem Mozartkugel-Verschnitt nicht mehr so ganz den Zeitgeist zu treffen, sprich, das Zeug will keiner mehr kaufen. Genügend Rohbausubstanz für den Leuschnerplatz ist also vorhanden.

In Sachsen gibt es bundesweit die wenigsten Scheidungen. Wird hier die LIEBE noch groß geschrieben?

Ja. Zumindest schenkt man sich aus Zeichen der Zuneigung keine Hallorenkugeln, auch das ist förderlich für frohe Zweisamkeit. Balsam für Sachsens Paare dürfte auch Folgendes sein: Es gibt immer genug Gesprächsstoff beim Kerzenlichtdinner. Etwa, was zur Hölle wird eigentlich aus … dem Wilhelm-Leuschner-Platz?

In Leipzig gab es am Donnerstag ein Erdbeben. Hast du noch alle Tassen im Schrank?

Nein. Liegt aber nicht am Erdbeben. Sondern an der Gentrifizierung und der Leipzig-Hyperei. Aus diesem Grund kann ich mir keine eigene Wohnung leisten und bin auf eine Wohngemeinschaft angewiesen. In der ist Abwasch ein Problem, das es von einem Geschirrspüler zu lösen gilt. Und der dringend durch ein zeitgemäßes Modell ausgetauscht werden muss. Nur, so lange man sich den lieben langen Tag den Kopp darüber zerbricht, was nun aus dem Wilhelm-Leuschner-Platz wird, hat man keine Zeit mehr, sich zu überlegen, wie man einen neuen Geschirrspüler finanzieren könnte. Solange bleiben die Tassen eben drecksch, oder kommen gar nicht mehr heile raus, aus der Apparatur.

Und nächste Woche?

Ärgert sich die AfD-Stadtratfraktion wahrscheinlich immer noch, dass es keine zweite Bismarck-Straße in Leipzig geben wird. Oder man den Leuschner- nicht in einen Bismarck-Platz umbenennt. Eisern wie der Reichskanzler würde ja vollkommen zutreffen.
Ach ja. Legida will wohl wieder marschieren. Am Geburtstag von Adolf Hitler. Na sooo ein Zufall aber auch.

 

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