Stadt teilen: Stötteritz

Kunst in Stötteritz

Kunst in Stötteritz? Ist das nicht eher so Plagwitz? Dieser Frage sind wir auf den Grund gegangen und haben dabei einige interessante Kunstschaffende getroffen.

Da wären wir also, im höchstgelegenen Stadtteil Leipzigs. Mit dem Fahrrad. In tropischer Hitze. Auf der Suche nach Kunst, oder der Frage, ob es sie denn überhaupt hier gibt. Verschwitzt orientieren wir uns und finden zum Mischhaus.

Das Mischhaus ist ein Vereinshaus, das KünstlerInnen einen Raum bietet. Dieser wird als Büro, Gästezimmer  und Ausstellungsraum genutzt. Geleitet wird das Mischhaus von Steffen Birnbaum. Er ist Autor und Vorsitzender des Kulturwerks deutscher Schriftsteller. Mit ihm sitzen wir nun im Garten des Mischhauses, der bestückt ist mit allerlei Skulpturen. Diese stammen von verschiedenen Künstlern aus Leipzig und ganz Deutschland. Der Springbrunnen plätschert leise vor sich hin als er erzählt.

Dadurch, dass hier viel saniert wird, seien viele Leute nach Stötteritz gezogen. Darunter auch junge Menschen. Oft mit Kindern. Das liege sicherlich auch an den vielen Grünflächen und Parks. Aber alles in allem sei Stötteritz eher ruhig. Und doch finde die Künstlerszene mehr und mehr Beachtung. Zum Schluss  gibt er uns die Adressen anderer Galerien und wir machen uns wieder auf den Weg.

 

 

Steffen Birnbaum

Es lag an den leerstehenden Läden, weil man die anmieten konnte. Preiswerter als zum Beispiel in Plagwitz.

Steffen Birnbaum, Gründer des Mischhauses

Unser nächster Halt ist die Diele. Die heißt so, weil der kleine Laden einmal tatsächlich eine Eisdiele gewesen ist. Danach stand das Haus einige Jahre leer bis Doris Wutzler es im Mai renoviert hat. Sie nutzt den Raum seitdem als Atelier. Gleichzeitig möchte sie in naher Zukunft verschiedene Kurse anbieten.  Dabei plant sie Malerei mit Photographie verbinden. Mit anderen Worten „vom Foto malen“, was wohl lange Zeit so gar nicht en vogue war. Dies entspreche aber viel mehr der heutigen Wahrnehmung. Sie sei aber noch völlig am Anfang ihrer Pläne. Stötteritz blüht für sie gerade erst so richtig auf.

Ich habe noch nie das Bedürfnis gehabt in die Hotspots zu ziehen und warum sollten die Menschen das nicht hier auch wollen? Deswegen biete ich das hier an.Doris Wutzer, Malerin

 

 

Doris Wutzler

Unser Weg führt uns weiter, diesmal geht es ausnahmsweise bergab. In der Stritz-Galerie treffen wir Karl Anton. Er ist Maler und seit zwölf Jahren in Stötteritz. Neben der Liebe haben ihn die günstigen Mieten hierher gelockt. Und Günstig, das ist Stötteritz wirklich. Im ehemaligen Lampenladen arbeitet der Künstler an seinen Malereien ganz in der Nähe seines Wohnhauses. Das mache auch die Qualität von Stötteritz für ihn aus. Wohnen und Arbeiten ließe sich hier sehr gut verbinden. Dafür müsse man nicht nach Plagwitz fahren.

 

 

Karl Anton

Ich wohne 10 Minuten zu Fuß von hier und möchte auch abends zu Fuß zum Atelier gehen können. Karl Anton, Maler

Der letzte Stopp unserer Reise führt uns zu Günther Huniat. Er ist Maler, Bildhauer und Grafiker. Und scheinbar ein regelrechtes Urgestein der Stötteritzer Kunstszene. Er empfängt uns im Garten seines Ateliers. Es liegt auf dem ehemaligen Gelände der Freiluftgalerie. Das Grundstück wurde letztes Jahr verkauft, zum Leidwesen von Huniat. Ein Stück Garten hat er jedoch behalten. Und was für einen. Überall, wo wir hin blicken, stehen Skulpturen. Überall versteckt sich Kunst. Es ist ein bisschen wie der Garten, von dem wir als Kinder geträumt haben. In allen Ecken gibt es etwas zu entdecken. Sein Atelier ist ein genau so großes Abenteuer. Unzählige Gemälde stapeln sich, es gibt keine freie Stelle auf dem knarzigen Dielenboden.

Karl Anton

 

Ich war auf der Suche nach einem Raum für meine Kunst und das fand man am ehesten in Abbruchhäusern und in Stötteritz gab es eben noch so alte Bauernhäuschen und da bin ich fündig geworden mit einem Kollegen von mir.

 

Günther Huniat, Maler und Bildhauer

 

 

Günther Huniat

Heute leitet Huniat zusammen mit einem Kollegen den Gletscherstein - art club-, als Reaktion darauf, dass ihm ein großer Teil der Freiluftgalerie genommen wurde. Vielleicht auch deswegen sieht er die Entwicklungen der Kunstszene in Stötteritz kritischer. Er erzählt, dass sich die Art der Menschen Kunst zu konsumieren verändert habe. Es habe stark abgenommen und das merke er. Und doch merkt auch er, dass Stötteritz in letzter Zeit wächst. Genau wie das Interesse wächst. Zum Beispiel beim alljährigen Tag des offenen Ateliers. Der findet in ganz Leipzig statt und Stötteritz ist mit dabei. Eine der Situationen, in der die Leute raus aus ihrem Alltag, rein in die Ateliers kommen.

 

Wir machen uns mit vollen Köpfen (und Mikrophonen!) auf den Weg zurück. Ja, es gibt sie. Es gibt Kunst in Stötteritz. Sie ist im Wandel. Es könnte mehr sein. Aber sie ist da und who knows, vielleicht geht der Hype in ein paar Jahren nach Stötteritz.

 

Zur Veranschaulichung, hier eine interaktive Karte:

 

 

KunstKarteStötteritz
 

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Lisa Tuttlies, Alina Al-Athamneh
15.10.2015 - 13:05
  Kultur