Kulturveranstaltungen trotz Corona

Kulturtipps zum Montag

Falls ihr mal Lust aufs Museum habt, ein wenig über Klassenunterschiede diskutieren möchtet oder euch von einem spannenden Film mitreißen lassen wollt, dann gibt's hier wieder passende Inspiration für euch.
Jeden Montag gibts 3 Kulturtipps vom Kultstatus!

#1 Immer Ich. Faszination Selfie

Kunstausstellung des Zeitgeschichtlichen Forums Leipzig 

Selfie
Generation Selfie?   

Unter dem Hashtag #selfie findet man bei Instagram über 445 Millionen Beiträge und täglich kommen noch etliche dazu. 2002 tauchte das Wort “Selfie” zum ersten Mal auf und etablierte sich schnell weltweit, sodass es sogar 2013 zum “Wort des Jahres” gekürt wurde. Für viele sind die Bildchen nichts weiter als Spaß, aber Kritiker sehen in dieser Selbstinszenierung auch ein Indiz für Narzissmus. Das wohl berühmteste Selfie ist das Oscar-Selfie von 2014 mit Hollywood-Stars wie Bradley Cooper, Jennifer Lawrence, Ellen DeGeneres und noch weiteren Promis. Selfies können aber auch für viel Unruhe sorgen, wie das von Angela Merkel und einem syrischen Asylsuchenden mitten in der Flüchtlingsdiskussion 2015/2016. 

Im Zeitgeschichtlichen Forum wird nun die Ausstellung "Immer Ich. Faszination Selfie" präsentiert. Dabei sind mehr als 600 Objekte, Fotos und Filme zu sehen und es wird der Frage nachgegangen, welche Rolle Seflies für uns spielen. Die Ausstellung wid voraussichtlich bis Januar 2022 zu besuchen sein. 

#2 Klasse.Kampf.Kultur

Lesung und Gesprächsrunde

Eine klassenlose Gesellschaft in der alle Menschen gleich und frei sind – Der Traum von Marx und Engels. Aber leben wir noch in einer Klassengesellschaft? Und wenn ja, wie werden die Klassenunterschiede in der Kunst und Kultur widergespiegelt? Bei der Zoom-Veranstaltung soll es nämlich genau um diese Fragen gehen.

Der Schriftsteller Clemens Meyer wird zum Thema „Klasse und Kampf“ einen Text vorlesen und im Anschluss wird die Autorin Deniz Ohde ihren ausgezeichneten Roman „Streulicht“ vorstellen. Der autobiographische Bildungsroman zeigt wie die eigene Herkunft zur Ausgrenzung führen kann und beschreibt das Aufwachsen in Armut und mit Rassismus. Hinterher findet ein Gespräch zwischen den beiden Autoren statt, indem es um die Präsenz und Ausprägung der aktuellen Klassenunterschiede gehen soll, was sich ändern muss und welche Rolle dabei die Kulturbetriebe spielen. Die Diskussionsansätze sollen dann in dem Theaterstück „Ein Mann seiner Klasse“ verarbeitet werden, was dieses Jahr im Oktober aufgeführt werden soll.

Die Gesprächsrunde wird vom Werk 2 präsentiert und findet am 30. März um 20 Uhr statt. Mehr Infos hier.

#3 Filmtipp: Berlin Alexanderplatz

„Berlin Alexanderplatz“ ist ein 1929 erschienener Roman von Alfred Döblin und gehört zu den Klassikern der deutschen Literatur.  Darin versucht der Protagonist Franz, ein ganz normales Leben im Berlin der Weimarer Republik aufzubauen. 

Mit dem gleichnamigen Film erschien im letzten Sommer eine Neuinterpretation des Buchs. Regisseur Burhan Qurbani projiziert die Geschichte auf das Berlin unserer heutigen Zeit. Statt dem Arbeiter Franz kreiert der Film den aus Guinea-Bissau geflüchteten Francis, der in fünf Teilen versucht, einfach nur gut zu sein. Das Leben meint es allerdings anders mit dem armen Francis. Es schickt ihn zum neurotischen Psychopathen Reinhold, der ihn immer tiefer in die Abgründe der Großstadt zieht. 

Berlin Alexanderplatz zeichnet das unbeschönigte und brutale Bild unserer Welt. Die kalte Realität beinhaltet dabei aber auch die verschiedensten Emotionen der Charaktere. Intimste Liebe, rohe Gewalt und ästhetische Nachtlichter wechseln sich ab und befördern die Zuschauer:innen in unsere eigene Welt: dorthin, wo es auf komplexe Zusammenhänge keine einfachen Antworten gibt. 

Hervorzuheben sind besonders die Schauspielleistungen von Welket Bungué und Albrecht Schuch, welche sich ihrer Rolle in beeindruckendem Maße hingeben und aufopfern. Mit unglaublicher Intensität verkörpern die beiden das Gute, das Böse und all die verschiedenen Grautönen dazwischen. Die toxische Beziehung der beiden Rollen ist im Film ebenso spannend wie die eigentliche Handlung an sich.

Klar ist aber auch: der Film ist nicht nur rein zeitlich mit drei Stunden Länge erschlagend. Auch inhaltlich wird das Publikum gefordert, die flimmernden Rückblicke, Szenen der Extase und der Gewalt aufzunehmen und in einen Zusammenhang zu setzen. Das Ergebnis ist aber definitiv einen Kinoabend wert - vor allem, weil der Film uns mit vielen offenen Fragen und Gedanken zurück lässt.

Hier gibt es den Trailer: 

 

 

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Alexia Lautenschläger, Jan Arne Friedrich
29.03.2021 - 13:30
  Kultur