Kulturveranstaltungen trotz Corona

Kulturtipps zum Montag

Keine Woche ohne kultige Tipps von eurer Kultstatus-Redaktion! Dieses Mal wird's etwas kritischer, ob während einer Lektüre oder eines Stadtrundgangs. Und zu guter Letzt gibt es wieder einen handverlesenen Film-Liebling aus der Redaktion.
Jeden Montag gibts 3 Kulturtipps vom Kultstatus!

#1 Buchtipp: Der weiße Fleck

Mohamed Amjahid drückte in einem Interview sehr treffend aus, dass es in einer kapitalistischen Gesellschaft schwer sein kann, zusätzlich zu allen Herausforderungen auch noch rassistische Hausaufgaben zu erledigen. Eine Möglichkeit dafür wäre aber das zweite und kürzlich neu erschienene Buch des Journalisten.

„Der weiße Fleck“ richtet sich vor allem an die (weißen) Menschen, die das Weißsein in Deutschland und ihre Rolle in einem System mit tief verwurzelten, rassistischen Strukturen hinterfragen wollen. Werke von Alice Hasters, Max Czollek oder Tupoka Ogette konnten in den vergangenen Jahren vermehrt Aufmerksamkeit auf Diskriminierungsstrukturen von BPoC's lenken.  Sobald die Buchhandlungen wieder vollständig öffnen, wird wohl auch das neue Buch Amjahids zur antirassistischen Standardliteratur gehören. Dabei ist klar: gute Laune macht das Hinterfragen von Privilegien nicht - im Gegenteil. Das Buch legt den Finger in die weiße Wunde und hinterlässt im besten Fall eine metaphorische Narbe, die zu einer Sichtbarmachung und Selbstreflexion führt.

Ganz konkret führt der Autor am Ende von „Der weiße Fleck“ 50 konkrete Vorschläge an, die aus einer ignoranten Kartoffel zumindest eine Süßkartoffel machen können. Warum geht es gar nicht um Schnitzelsaucen? Und was hat ein rechtsradikaler Anschlag mit sensibler Sprache zu tun? Wer seinen und ihren Platz in der „Generation Woke“ Debatte finden möchte, darf die nüchterne und unbeschönigte Darstellung des betroffenen Mohamed Amjahid nicht auslassen.

Der weiße Fleck. Eine Anleitung zu antirassistischem Denken von Mohamed Amjahid, 2021, Piper Verlag, 224 Seiten. Kosten: 16€.

#2 Postkolonialer Stadtrundgang

Im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus findet diesen Samstag, am 27. März, in Leipzig ein postkolonialer Stadtrundgang der AG Postkolonial statt. Anhand von Beispielen wird Leipzigs koloniale Geschichte veranschaulicht, und es wird erklärt, wie sich die Geschichte des Kolonialismus bis in die Gegenwart auswirkt.

Der Rundgang beginnt am Samstag um 15:00 Uhr und Treffpunkt ist der Wilhelm-Leuschner-Platz gegenüber der Stadtbibliothek. Die Teilnahme ist kostenlos, allerdings freuen sich die Veranstalter:innen über eine Spende.

Wer am Samstag keine Zeit hat, kann auch auf der Internetseite von Leipzig Postkolonial einen digitalen Stadtrundgang mit Informationen zu Orten mit kolonialer Vergangenheit machen.
Hier geht's zur Seite der AG Postkolonial.

#3 Filmtipp der Woche – Der Mohnblumenberg 

Hayao Miyazaki hat uns schon oft in eine magische und farbenfrohe Welt entführt. Mit „Chihiros Reise ins Zauberland“, „Das Wandelnde Schloss“ und „Mein Nachbar Totoro“ schuf der Japaner schon einige der schönsten Anime-Filme aller Zeiten. Doch auch sein Sohn, Gorô Miyazaki, übt sich in der Kunst des Filmemachens. „Der Mohnblumenberg“ ist wohl eines der besten Beispiele für sein Talent.

In dem Film von 2011 geht es um das Japan der 1960er Jahre. Umi ist eine 16-jährige Schülerin aus Yokohama und eine starke junge Frau. Eines Tages trifft sie in der Schule auf Shun, einen Redakteur der Schulzeitschrift. Er begeistert sie für die Arbeit an der Zeitung und im Klubhaus der Schule,  in dem Quartier Latin arbeiten sie beide zusammen an den neuen Ausgaben. Doch das alte Haus soll bald abgerissen werden und Umi, Shun und ihre Freunde setzen sich in den Kopf das zu verhindern.

Der Trailer: 

Der Film ist, wie viele der besten Filme vom Studio Ghibli, eine Hommage an eine vergangene Zeit. Es ist selten spannend oder nervenkitzelnd, dafür aber umso emotionaler, nicht zuletzt durch die wundervolle Musik von Satoshi Takebe. Der Film ist fabelhaft animiert und in Szene gesetzt. Am besten sieht man das, als Umi in einer Szene zu Beginn Gemüse schneidet. Das sieht so echt und detailliert aus, dass man das Gericht danach wohl selbst zubereiten könnte. Die Bilder aus dem Hafen von Yokohama machen nostalgisch für etwas, was man selbst nie erlebt hat.

Die Geschichte ist zwar sehr emotional, aber nie wirklich belastend oder schwerwiegend. Das Genre „Slice of Life“ beschreibt das Feeling des Films wohl am besten. Wir sehen nur einen kleinen Ausschnitt, eine „Slice“, aus dem Leben von Umi. Und doch ist es ein so wichtiges Stück ihres Lebens, dass wir nach dem Film meinen könnten, sie gut zu kennen.

Der Film geht neben den anderen Werken von Studio Ghibli meist etwas unter, dennoch ist er nicht minder schön. Wer die anderen Filme von Miyazaki und Ghibli gut fand, oder Zeit für einen neunzigminütigen unbeschwerten Filmabend hat, der sollte sich „Der Mohnblumenberg“ auf jeden Fall ansehen. Zu Streamen gibt es den Film auf Netflix.

Der Mohnblumenberg, Regie: Gorô Miyazaki, Japan 2011.
 

Kommentieren

Jan Arne Friedrich, Rosa Budde, Julian Rybacki
22.03.2021 - 11:42
  Kultur

#1 BUCH

Der weiße Fleck 

#2 STADTRUNDGANG

postkolonialer Stadtrundgang der AG Leipzig Postkolonial

#3 FILM

Der Mohnblumenberg