Kultur trotz Corona

Kulturtipps zum Montag

Der Sommer ist da, aber die Corona-Pandemie dennoch nur scheinbar vorüber. Erste vorsichtige Veranstaltungen unter freiem Himmel und unter Hygiene-Auflagen geöffnete Kulturinstitutionen gibt es jedoch schon. Hier drei Tipps für eure Woche.
Jeden Montag drei Tipps von unserem Kultstatus

„Ein Spaziergang bis sich das Gras unter den Füßen wie Asphalt anfühlt“

Theatraler Audiowalk:  „Über Morgen“ von DIE SOZIALE FIKTION

Es wird einmal, inmitten einer Großstadt gelegen, hinter einem Bahnhof, eine neue Stadtstadt entstehen. Die brach liegende Fläche hinter dem Bayrischen Bahnhof ist nämlich Ort eines geplanten Großbauprojekts. Bisher ist sie dennoch Ausflugsziel für Hundebestitzer*innen, Spaziergänger*innen und am Dienstag auch für ein Theaterpublikum. Das Kollektiv DIE SOZIALE FIKTION inszeniert auf dieser Fläche einen theatralen Audiowalk unter dem Namen „Über Morgen“ und thematisiert die Nutzung der Fläche in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Mit Kopfhörern erkundet das Publikum die 36 Hektar große Fläche und bekommt eine fiktive Tour durch eine vergangene zukünftige Stadt ins Ohr geflüstert. Am 29.09.2020 um 18:30 Uhr feiert die auditive Performance ihre Permiere. Weitere Audiowalks finden dann am 01.10.2020 und 02.10.2020 um jeweils 18:30 Uhr statt. Tickets gibt’s unter www.tixforgigs.com, im Werk 2 oder Restkarten an der Abendkasse. Der Preis ist zwischen 8€ und 15€

Weitere Infos: https://www.cammerspiele.de/stueck/ueber-morgen/

 

Eine Reise in die Identität der Stadt Leipzig

Kulturfestival: Uwe Johnson Festivalwoche

Verlorenes Land, verlorene Heimat und verlorene Identität – diese Entfremdung wird in den Werken des deutschen Schriftstellers Uwe Johnson thematisiert. Als „Dichter beider Deutschland“ spielt Johnson eine zentrale Rolle im Festivalprogramm, das anlässlich 30 Jahre deutscher Wiedervereinigung vom Kollektiv WEGWOHIN ins Leben gerufen wurde.

Das Kollektiv widmet sich Projekten, die sich mit ostdeutscher Identität und den Transformationsprozessen der Nachwendezeit beschäftigen. In Kooperation mit den gängigen Stadt- und Kulturinstitutionen Leipzigs unternimmt das Festival unter dem Motto „Eine Reise WEGWOHIN“ eine Suche nach deutschen Geschichten, verlorener Zeugenschaft und der unklaren Identität Leipzigs. Dabei lässt uns Johnson das Verhältnis zwischen Ost und West besser verstehen.

Von 28. September bis 4. Oktober 2020 findet das Festival verteilt im Stadtraum Leipzig statt und bildet eine Brücke zwischen Vergangenheit, Wiedervereinigung und Heute. Durch unterschiedliche künstlerische Formate, wie einen Theaterparcours, eine Screening-Lesung und einen Hörspaziergang werden die Teilnehmenden mit all ihren Sinnen in die Geschichte Deutschlands miteinbezogen. Das volle Programm und Tickets gibt’s auf: https://www.wegwohinfestival.de.

 

Die Skrupellose

Theater: „Medea“ am Schauspiel Leipzig

Aufgrund der Corona-Krise fanden einige Produktionen des Schauspiel Leipzig in den vergangenen Monaten nur selten oder gar überhaupt nicht ihren Weg auf die Bühne. Deshalb finden sie sich jetzt aber im Spielplan der neuen Theatersaison wieder. Den Auftakt macht Euripides antikes Drama „Medea“.

Medea gilt als eine der ambivalentesten Frauenfiguren der Weltliteratur und ihr Mythos fasziniert die Menschen bis heute. Die Geschichte um die zauberkundige Königstochter, die Heimat und Familie um ihres Geliebten Willen opfert und ihm ins ferne Griechenland folgt, nimmt rasch eine tragische Wende. Nachdem sie alles ihr Bekannte aufgegeben hat, muss sie feststellen, dass sie trotz des Mannes an ihrer Seite eine Fremde bleibt. Als auch dieser Medea verlässt und man sie ihrer Rechte beraubt, greift sie zu drastischen Mitteln und ermordet ihre eigenen Söhne. Diese grausame Tat, Medeas Motive und Selbstreflexion sind seit Jahrhunderten ein beliebter Stoff für die Neuinterpretation und künstlerische Auseinandersetzung mit dem Epos.

Auch die Leipziger Inszenierung von Markus Bothe beschäftigt sich mit Schuldgefühlen, menschlichen Abgründen und dem Aufbegehren, gesellschaftlichen Strukturen radikal entgegenzuwirken. Erste Vorstellung der Wiederaufnahme ist am 29. September, an den beiden darauffolgenden Tagen sowie am 10. und 11. Oktober kommt das Stück ebenfalls zur Aufführung.

 

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Wiebke Drescher; Leila Renn; Annalena Gebauer
29.09.2020 - 15:04
  Kultur

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