Kulturtipps trotz Corona

Kulturtipps zum Montag

Die Kulturinstitutionen nehmen ihren Betrieb langsam wieder auf, an einen Alltag wie zu prä-Corona-Zeiten ist aber noch lange nicht zu denken. Dennoch: Man trotzt der Situation mit kreativen Formaten. Was es sich anzuschauen lohnt, lest ihr hier.
Jeden Montag drei Tipps von unserem Kultstatus

Ein (un)endlicher Prozess

Dokumentation: „Loveparade – Die Verhandlung“

Musik, Tanz, Liebe. Die Loveparade war ein Event, das Menschen unabhängig von Altersklassen, sexueller Orientierung und Status miteinander verbunden und zum gemeinsamen Feiern auf die Straße gelockt hat. Dieses weltweit bekannte Straßenfest führte 2010 in Duisburg zu einer der unbegreiflichsten Katastrophen Deutschlands.

Mit dem neuen Film von Regisseur Dominik Wessely und Produzentin Antje Boehmert wird das komplexe Strafverfahren verarbeitet. Drei Jahre lang dauerte der Prozess, bis er 2020 nun sein Ende gefunden hat. Dabei füllte er nicht nur den Gerichtssaal mit bedrückenden Emotionen. Auch die Zuschauer*innen werden in der Langzeitdokumentation gefühlsintensiv in den Prozess miteinbezogen. Die Kamera sucht die Nähe zu den beteiligten Personen, dabei schafft Wessely es die Ereignisse nicht zu werten, sondern dokumentarisch die verschiedenen Standpunkte darzustellen.

Die Frage nach Schuld wird in den Verhandlungen zwar immer wieder aufgeworfen, dahinter steckt jedoch vielmehr: Es geht um Gerechtigkeit, um Trauer und darum, die Fehler, die gemacht wurden zu verstehen, um die Dinge in Zukunft besser zu machen.

Eine Dokumentation, die bewegt und erinnert. Am Mittwoch, den 15. Juli gibt es um 22:00 Uhr die Erstausstrahlung bei arte. Wer an diesem Tag keine Zeit hat, für den folgt eine Woche später, am 22. Juli um 22:45 Uhr in der ARD die Wiederholung.

Fotografie im Leipziger Osten

Kunstspaziergang: „Was danach kommt…“ - Fotoausstellung von interaction Leipzig e.V.

„Was danach kommt…“  ist eine Kunstaustellung, genauer gesagt ein Kunstspaziergang, mit social distancing Charakter. Die Initiatoren des interaction Leipzig e.V. haben ihre Ausstellung in die Schaufenster des Leipziger Ostens verlegt und verbinden mit der Schau von Kunst ein Stadterlebnis. Künstler*innen wurden aufgerufen, ihren persönlichen Blick durchs Objektiv zum Thema „Was danach kommt…/ What comes after…“ festzuhalten. Gezeigt werden verschiedene Perspektiven auf Transformationsprozesse, die wiederum Fragen zu Utopien und anderen Zukunftsszenarien aufwerfen. Ab dem 17.Juli um 18 Uhr kann die Vernissage in Form eines Spaziergangs nahe der Eisenbahnstraße angeschaut werden.

Was: Kunstspaziergang „Was danach kommt…“

Wann: 17. Juli bis 12.August

Wo: Treffpunkt am Pöge-Haus (Hedwigstraße 20)

Weitere Infos: www.interaction-leipzig.de oder www.facebook.com/interaction.leipzig

Auf Tauchgang mit einer Wassernymphe

Film: Undine - von Christian Petzold

Wir mussten uns lange gedulden, doch seit gut zwei Wochen haben nun die meisten Kinos wieder geöffnet und die der Durst nach spannenden und schönen Streifen kann endlich gestillt werden.

Alte Mythen in die Gegenwart zu holen, ist wahrhaftig keine neue Idee. Doch wenn Christian Petzold es tut, dann lohnt es sich meist etwas genauer hinzuschauen. Der Regisseur von Jerichow (2008), Barbara (2012), oder Transit (2018) widmet sich in seinem neuesten Film der mythologischen Figur der Undine, einem halbgottähnlichen Elementargeist. Doch die ist mit einem Fluch belegt: Wird sie von einem Mann verlassen, so ereilt ihn ein trauriges Schicksal… Petzolds Undine (Paula Beer) ist eine Berliner Stadthistorikerin, die sich gegen den Fluch wehrt und sich prompt in einen Industrietaucher (wunderbar gespielt von Franz Rogowski!) verliebt. In fantastisch traumwandlerischen Bildern folgen wir den zwei Verliebten hinab ins kühle Nass - Kitschgefahr nicht ganz ausgeschlossen. Nebenbei wird auch die Geschichte Berlins angerissen, inklusive der Debatte um die Rekonstruktion des Berliner Stadtschlosses, aber auch die Gentrifizierung des Stadtteils Mitte. Klingt zusammenhangslos? Fehlanzeige! Denn hier verbindet sich die Mythologie der Undine mit der sich wiederholenden Geschichte von Aufbau und Zerstörung. Ein Film, der viele Ebenen aufmacht und zwischen surrealen Atmosphären und klarer Erzählung changiert. Für einen Wiedereinstieg in das schöne Hobby des Filmschauens also genau das Richtige!

Undine, Regie: Christian Petzold, mit Paula Beer und Franz Rogowski, 92 min., täglich in der Kinobar Prager Frühling und in den Passage Kinos, Spielzeiten online.

 

 

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Leile Renn; Josephine Kanditt; Wiebke Drescher
12.07.2020 - 23:28
  Kultur