Kulturveranstaltungen trotz Corona

Kulturtipps zum Montag

Die Corona-Krise legte zuletzt nahezu den gesamten Kulturbetrieb lahm. Doch durch die Lockerungen der Isolierungsmaßnahmen ist schon wieder Einiges los in der Welt des Theaters, der Literatur und des Kinos. Hier drei besonders lohnenswerte Tipps.
Jeden Montag drei Tipps von unserem Kultstatus

Die Skrupellose

Theater: „Medea“ am Schauspiel Leipzig

Freudige Nachrichten für alle Fans der darstellenden Künste: Das Schauspiel Leipzig nimmt seinen Spielbetrieb wieder auf! Unter Einhaltung diverser Schutzmaßnahmen und eines speziellen Konzepts für den Publikumsverkehr finden einige der bereits abgesagten Produktionen doch noch ihren Weg auf die Bühne. Den Auftakt macht Euripides antikes Drama „Medea“.

Medea gilt als eine der ambivalentesten Frauenfiguren der Weltliteratur und ihr Mythos fasziniert die Menschen bis heute. Die Geschichte um die zauberkundige Königstochter, die Heimat und Familie um ihres Geliebten Willen opfert und ihm ins ferne Griechenland folgt, nimmt rasch eine tragische Wende. Nachdem sie alles ihr Bekannte aufgegeben hat, muss sie feststellen, dass sie trotz des Mannes an ihrer Seite eine Fremde bleibt. Als auch dieser Medea verlässt und man sie ihrer Rechte beraubt greift sie zu drastischen Mitteln und ermordet ihre eigenen Söhne. Diese grausame Tat, Medeas Motive und Selbstreflexion sind seit Jahrhunderten ein beliebter Stoff für die Neuinterpretation und künstlerische Auseinandersetzung mit dem Epos.

Auch die Leipziger Inszenierung von Markus Bothe beschäftigt sich mit Schuldgefühlen, menschlichen Abgründen und dem Aufbegehren, gesellschaftlichen Strukturen radikal entgegenzuwirken. Premiere ist am 12. Juni, an den beiden darauffolgenden Tagen sowie am 11. und 12. Juli kommt das Stück ebenfalls zur Aufführung.

Gesellschaftliche Dissonanzen

Literatur/Musik: Lesung von Jenz Balzers „Pop und Populismus. Über Verantwortung in der Musik“

In seinen besten Momenten ist Pop immer ein Medium der Utopie einer grenzenlosen Geschwisterlichkeit gewesen (...).

Jens Balzer

Mit diesem Satz schwelgt Jens Balzer in Erinnerung an das Potenzial eines Genres, das heute oft nicht mehr so weit vom Populismus entfernt zu sein scheint.  In seinem 2019 erschienenen Buch reflektiert er darüber.

Der Ton werde auch im Pop immer rauer, aggressiver und hasserfüllter. Balzer sieht darin eine klare Parallele zur politischen Debatten-Kultur. Die Frage nach der Verantwortung in der Musik beantwortet er unter anderem wie folgt: Musiker*innen haben die Pflicht, sich auch mit den politischen Aspekten ihrer Musik auseinanderzusetzen. Außerdem - und das gehe an alle – brauche es dringend eine Verständigung über rote Linien in der Musik.
Wie also damit umgehen, dass man beim Anhören der Klick-Champions in Streamingdiensten häufig aus dem Kopfschütteln nicht mehr rauskommt? Stichworte: Kulturelle Aneignung, Verherrlichung sexualisierter Übergriffe oder die ganz andere Richtung: Alles wird gut, irgendwo, irgendwann. Und welche Verantwortung hat hier die Kulturpolitik?

Über diese Fragen sprechen Jens Balzer und Sebastian Krumbiegel (Die Prinzen) am Donnerstag, den 11.06.2020 im Literaturhaus Leipzig. Bei gutem Wetter findet die Veranstaltung draußen, bei schlechtem Wetter im Literaturcafé statt. So oder so gilt: Bitte einen Mund-Nasen-Schutz und eigene Getränke mitbringen. Der Eintrittpreis liegt bei 5€/3€. 

Link zur Facebookveranstaltung: https://www.facebook.com/events/617462432535314/

Aus gegebenem Anlass

Film: „Do the right thing“ (1989) von Spike Lee

Seit der Ermordung des Afro-Amerikaners George Floyd sind die Stimmen gegen rassistisch motivierte Polizeigewalt in den USA besonders laut. Weltweit protestieren seitdem die Menschen sowohl aus Solidarität als auch um sich gegen den Rassismus im eigenen Land stark zu machen.
Die schwarze Community bittet darum, den derzeitigen Aufruhr zum Anlass zu nehmen, sich der eigenen Privilegien bewusst zu werden und rassismuskritisch denken zu lernen.

Spike Lees „Do the right thing“ nähert sich der Thematik auf eine ironisch-heitere, aber dennoch nicht weniger dringliche Art und Weise. 1989 hielt der Film erstmals in den Kinosälen der Vereinigten Staaten Einzug und ist auch dreißig Jahre später noch erschreckend aktuell. Der Streifen kommt zunächst mit der für viele Produktionen der achtziger Jahre typischen Coolness daher – bunt, groovy, humorvoll. In Bedford-Stuyvesant, Brooklyn, erscheint Pizzalieferant Mookie am heißesten Tag des Jahres verschwitzt bei der Arbeit. „Sal‘s Pizzeria“ ist eine Institution in dem zum Großteil von Afro-Amerikaner*innen bewohnten New Yorker Stadtviertel. So friedlich die dort beheimaten Menschen sich zu Anfang noch Luft zufächeln während HipHop aus der Boombox dröhnt, im weiteren Verlauf des Films spitzt sich die Situation dramatisch zu.

Mit „Do the right thing“ gelang den Filmemacher*innen eine stilistisch erfrischende, nie subtile und sehr authentische Studie zu Alltagsrassismus und der Entstehung von Gewalt. Ein wichtiger Film der New Black Cinema Ära, der sich nur wärmstens empfehlen lässt.

 

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Anna Luckow, Annalena Gebauer
08.06.2020 - 18:48
  Kultur