Stadt teilen: Schönefeld

Kulturell ist anderswo

Auf den ersten Blick ist wenig los in Schönefeld. Junge Leute, alternative Szene – Fehlanzeige! Das ist aber eben nur der erste Blick.
Die Gorkistraße
Gorkistraße in Schönefeld

 

Kulturell ist anderswo – ein Beitrag von Friederieke Rohmann und Julia Gollan
 

Die meisten Bewohner Schönefelds sind sich einig, das kulturelle Angebot im Stadtteil ist begrenzt, die Parks sind verdreckt und auch eine junge Mutter beklagt sich über fehlende Angebote für Familie, Freizeit und Kultur. Sie hätte sich nicht für Schönefeld entschieden, wäre ihr das vorher bewusst gewesen.

Mit Mietpreisen von 5,42 Euro pro Quadratmeter zählt Schönefeld, neben Grünau, zu den preiswertesten Wohngegenden Leipzigs. Bei steigenden Mieten und dem spürbaren Wachstum der Stadt dürfte es nicht mehr lange dauern, bis auch hier mehr Studierende herziehen.

Schönefelder Tim Liebermann ist einer der Wenigen, die sich bewusst für den Stadtteil entschieden haben. Zusammen mit weiteren Kulturschaffenden versucht er die Szene in Schönefeld und das eintönige Kulturangebot zu verändern und mehr Vielfalt zu schaffen. Ihm ist bewusst, dass junge Leute noch nicht viel nach Schönefeld zieht und die Eisenbahnstraße, bei weitem mehr Anziehungskraft hat.

Wenn man etwas Alternativeres will, muss man eigentlich bis auf die Eisenbahnstraße fahren.

Der Weg über die Brücke nach Schönefeld ist zwar nicht mehr weit, dennoch spürt man den deutlichen Unterschied: Auf der Eisenbahnstraße haben schon einige Hausbauprojekte und Kulturvereine ihren Platz gefunden und sich einen Namen gemacht. In Schönefeld ist es noch nicht soweit. Tim Liebermann ist aber optimistisch, dass auch Schönefeld sich verändern und kulturell entwickeln wird:

Also ich persönlich gehe davon aus, dass es vielleicht zehn Jahre dauert und dann ist die Gorkistraße gentrifiziert.

Die Aufwertung eines Stadtteils wie Schönefeld ist ein langer Prozess, der kostenaufwendig ist und viel Mühe erfordert. Trotzdem hat sich neben Tim Liebermann auch das Künstlerprojekt Krudebude für Schönefeld entschieden und trägt einen großen Teil zur Stadtteilentwicklung bei. Seit Dezember 2014 belebt die drei-Raum-Wohnung den Nordosten der Stadt kulturell neu. Von Ausstellungen über Konzerte bis hin zu Aktionskunst. Künstler finden hier Platz, sich auszuprobieren, treten in den Dialog mit anderen Kulturschaffenden und ihren Konsumenten. So haben auch Nachbarn und Besucher die Möglichkeit in Schönefeld Kultur zu erleben.

Ein Kristallisationspunkt für die neue alternative Szene wird Schönefeld wahrscheinlich trotzdem nicht. Dennoch verändert sich der Leipziger Nordosten und die ersten Steine sind gelegt.

 

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