Trend: Shooter-Spiele

Krieg im Frieden

In den Medien hören wir derzeit von Kriegen in Osteuropa und Nahen Osten. Eigentlich sollte jeder dankbar sein, der das nicht hautnah miterleben muss. Mancher fragt sich: Warum gibt es trotzdem so viele Leute, die gerne Krieg am Computer nachspielen?
Shooter-Spiele sind vor allem bei jungen Männern sehr beliebt.

Der ungebrochene Trend der Shooter-Spiele

Battlefield, Call of Duty, Grand Theft Auto - alles Spiele, bei denen es primär um Gewalt geht: Kriege, Kampfeinsätze oder das organisierte Verbrechen. Und das alles in einer hochauflösender 3D-Grafik. Sie sind bei männlichen Jugendlichen und jungen Männern angesagter als wahrscheinlich jeder neue Fantasyfilm, der in die Kinos kommt - oft knacken sie  bereits wenige Tage nach ihrem Erscheinen die Ein-Milliarden-Dollar-Marke an Umsatz.

Der Trend dieser Spiele ist seit vielen Jahren, mittlerweile sogar Jahrzehnten, ungebrochen. Viele Erwachsene, gerade auch Eltern Jugendlicher, sind empört über die äußerst brutalen Inhalte, die diese Spiele zu bieten haben. Dass die Spiele trotzdem so beliebt sind, kann viele Gründe haben.

"Das ist mehr so ein Wettbewerb"

Marco aus Leipzig spielt bereits seit seiner frühen Jugend gern Shooter-Spiele. Besonders die Battlefield-Reihe hat es ihm angetan. Inzwischen ist er 28 Jahre alt, doch eine Runde vom aktuellen Battlefield 4 darf es hin und wieder gerne mal sein. Aber so ganz alleine, nur gegen die computergesteuerten Gegner, macht es ihm wenig Spaß. Er spielt - wie die meisten Gamer - am liebsten Online im Multiplayer-Modus:

Also Spiele wie Battlefield 4 sind primär für mich und für viele, die ich kenne, eher 'ne Art Wettbewerbssituation. Also es gibt da zum Beispiel auch Spielmodi, wo es auch um mehr geht als nur dumm rumzuschießen. Eher, dass zwei Mannschaften gegeneinander ein Spiel spielen, wo es darum geht: Bin ich jetzt schneller oder besser als mein Gegner. Also eher losgelöst von diesem „Ich töte jetzt.“ Marco, leidenschaftlicher Gamer

Das Wettbewerbsbedürfnis vieler Spieler kennt auch die Spieleindustrie - und reagiert entsprechend darauf. Das weiß Jan Mohr sehr gut. Er arbeitet beim Videospielehändlers Game Station in Leipzig.

Allgemein sind die Trends schon seit Jahren immer dieselben: Dass wir besonders viele Shooter haben, die auf Multiplayer ausgelegt sind ... Eigentlich kommt kaum ein Shooter auf den Markt, der keinen Multiplayer hat und meistens sind das die, die am erfolgreichsten sind, wie zum Beispiel Call of Duty oder Battlefield. Jan Mohr, Mitarbeiter bei GameStation

Das archaische Bedürfnis, zu kämpfen

Würde man sich als Gamer einzig und allein auf das Bedürfnis nach Wettbewerb berufen, müsste man sich wahrscheinlich häufig Fragen gefallen lassen wie: Warum spielst du dann nicht Fußball oder Basketball auf der Konsole? Warum muss es ausgerechnet so ein Ballerspiel sein? Marco ist davon überzeugt, dass Shooter-Spiele einen besonderen Reiz haben, der auf die Geschichte der Menschen, aber auch jedes Einzelnen zurückzuführen ist :

Meines Glaubens ist es einfach im Menschen ein Stück weit verankert, Krieger zu sein, Soldat zu sein und um irgendetwas zu kämpfen...Jeder kleine Junge hat mal irgendwie ‘nen Stock in die Hand genommen und Schießen und Soldat gespielt. Marco

Trotzdem kritische Reflexion der Realität

Marco betrachtet Shooter-Spiele als vollkommen surreal und sieht deshalb wenig potentielle Gefahren für das Verhalten eines normal sozialisierten Menschen. Viele Eltern jugendlicher Gamer werden hier womöglich völlig gegenteiliger Meinung sein, da sie beim Anblick der brutalen Gewalt- und Kriegsszenen schlicht und einfach schockiert sind - sie haben oft Angst um die Zukunft ihres Kindes. In einem Punkt können sich beide Seiten aber dennoch einig werden: Auch Marco hält Shooter-Spiele wie Battlefield 4 für wenig geeignet, um die derzeitigen Kriegssituationen auf der Welt nachzuvollziehen und kritisch zu reflektieren. Er ist der Meinung, dass sich jeder Mensch, insbesondere jeder Gamer, außerhalb von PC und Konsole ein Bild von den Geschehnissen in der Welt machen soll - durch Zeitung, Radio und andere Medien.

 

mephisto 97.6 - Reporter Maximilian Rose über den Trend von Shooter-Spielen.
Gamer

 

 

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Maximilian Rose
22.08.2014 - 11:32