Stadtratswahl: Portraits

Katharina Krefft (Grüne)

Die Stadtratswahl steht vor der Tür und von den Plakaten lächeln die Kandidaten. Doch wer sind diese Frauen und Männer und was wollen sie mit ihrer Partei erreichen?
Katharina Krefft
Katharina Krefft

mephito 97.6: Frau Krefft, kurz gesagt – wofür stehen Sie eigentlich mit Ihrer Partei?

Krefft: Wir stehen für Inhalte. Wir sind eine Konzeptpartei. Wir haben einen umfassenden Transparenz- und Mitbestimmungsanspruch. Wir stehen für mehr Grün in Leipzig. Das bedeutet für uns, wir drängen auf Klima und Umweltschutz, weil wir eine lebenswerte Zukunft heute festlegen und jetzt dafür handeln müssen.

mephito 97.6: Was muss Ihrer Meinung nach während der nächsten Legislaturperiode in Leipzig passieren?

Krefft: Wir wollen einen selbstbewussteren Stadtrat, der sich nicht hinter den Bürgermeistern oder der Stadtverwaltung weg duckt, sondern kontrolliert und auf die Umsetzung von Beschlüssen beharrt. Stichworte hier sind das Naturkundemuseum, wo wir Beschlüsse haben im Stadtrat, oder das Klimaschutzprogramm. Das sind alles Beschlüsse, die längst nicht umgesetzt sind, die auch nicht finanziell untersetzt sind. Hier muss der Stadtrat viel mehr kontrollieren. Wir wollen erreichen – das ist die primäre Aufgabe des Stadtrates - die Grundsätze der Verwaltung der Stadt zu definieren, wie sie uns die Gemeindeordnung zugesteht und wollen damit auch wirklich die Politik, die der Stadtrat beschließt, durchsetzen.

mephito 97.6: Das sind ja jede Menge Punkte. Was sind eigentlich Ihre persönlichen Wünsche dabei?

Krefft: Ich persönlich wünsche mir, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und dem Ehrenamt Stadtrat besser wird. Für den Stadtrat selbst wünsche ich mir, dass die Rahmen, innerhalb derer wir Entscheidungen treffen, anpassungsfähiger werden. Ich will nicht Häuser wegreißen, damit wir eine grundhafte Erneuerung einer Straße gefördert bekommen. Ich ärgere mich über nichtförderfähige Kosten beim Schulneubau, der nach den Vorgaben des Landes errichtet wird. Das sind Punkte, insbesondere was eine solide Finanzausstattung angeht, die den Kommunen fehlen und die uns im Stadtrat immer wieder auch daran hindern, für die Stadt am Ende die beste Politik zu machen.

mephito 97.6: Was zeichnet die Kommunalpolitik hier speziell in Leipzig aus?

Krefft: Kommunalpolitik ist eine unmittelbare Interessenvertretung der Bürgerschaft. Politik wird in Städten und Gemeinden lebendig. Hier werden die Weichen gestellt. Das ist insbesondere Aufgabe des Stadtrates, das zu organisieren. Hier wird Kultur gefördert und die Stadt entwickelt. Also die Stadträte sind die VertreterInnen der Bürgerschaft und - ich denke, das ist zu wenig bekannt - wir beschließen in großem Umfang über Ausgaben, die von Europa, vom Bund, vom Land kommen, die über den kommunalen Haushalt abgewickelt werden. Bei uns werden die Mittel vergeben, in der Jugendhilfe für die Erfüllung des Rechtsanspruches auf Besuch der Kitabetreuung ab dem ersten Lebensjahr des Kindes, auch die Unterbringung von Asylsuchenden organisieren wir. Ich kann das beliebig fortsetzen – daran hört man schon: Kommunalpolitik ist super vielfältig, fachlich sehr breit. Und hier werden eben abstrakte Gesetze zu konkreten Entscheidungen.

 

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Katharina Krefft wurde 1978 in Bad Kissingen geboren und lebt seit dem Jahr 2000 in Leipzig. Seit zehn Jahren sitzt die Ärztin für die Partei Bündnis90/Die Grünen im Stadtrat und ist sozial-, schul- und frauenpolitische Sprecherin der Fraktion. Gemeinsam mit Norman Volger hat sie seit Juli letztem Jahres den Fraktionsvorsitz der Partei in Leipzig inne.