Konzertbericht

Konfetti statt Acid

Die Electro-Punk Band Frittenbude gibt es mittlerweile schon zehn Jahre. Das vorletzte Konzert ihrer Küken des Orion-Tour gaben sie im Leipziger Täubchenthal. Acid hat es während ihres Auftritts zwar nicht geregnet, dafür aber eine Menge Konfetti.
Frittenbude auf der Bühne im Täubchenthal
Frittenbude auf der Bühne im Täubchenthal

Erwartungen

Wegen ihres ersten Albums Nachtigall wurde die Band aus Bayern noch mit Gruppen wie Deichkind und Mediengruppe Telekommander verglichen. Das lag vor allem daran, dass die Bands Electro-Punk mit Hip Hop-Elementen mixen. Müde Vergleiche haben sie allerdings schon lange nicht mehr nötig. Nach vier Alben und Auftritten auf zahlreichen Festivals hat die Band längst bewiesen, dass sie ihren ganz eigenen Stil hat. Frittenbude habe sich musikalisch weiterentwickelt. Das erste Album klang vergleichsweise hart, da nur Beats, Gitarre und Gesang zu hören waren. Die aktuelle LP Küken des Orion hört sich anders an. Der Sound klingt runder, was vor allem daran liegt, dass die Band heute im Studio mit mehr technischen Möglichkeiten aufnimmt. Auch die Texte sind tiefgründiger als am Anfang, aber nach wie vor muss niemand die sozialkritische Note in den Songs vermissen. Für ihre aktuelle Tour haben sie sich jetzt noch einen Keyboarder und den Drummer der Band Bonaparte ins Boot geholt. Ich bin also sehr gespannt wie der Sound live auf dem Konzert klingen wird. Da ich die Frittenbude schon lange höre, hoffe ich natürlich, dass sie ihre Klassiker wie Hildegard und Mindestens in 1000 Jahren spielen werden. Ich bin aber vor allem gespannt auf die Songs des neuen Albums. 

Erster Eindruck

Pünktlich um 20 Uhr steht der Support-Act Bird Berlin auf der Bühne - In einem bis zum Bauch aufgeknöpften Maleranzug. Er schließt seinen Ipod an, Synthies hallen durch den Saal und Bird Berlin fängt an, ausladend zu tanzen. Dabei bewegt er eine geballte Ladung Body-Positivity mit seinem Körper und schüttelt alles, was man schütteln kann. Nach dem ersten Song steht das Publikum noch ziemlich verhalten da. Das ändert sich auch nicht, als Bird Berlin sich mit dem nächsten Song wild hüpfend aus seinem Maleranzug schält. Wir alle bestaunen ihn nun in voller Pracht, nur mit sportlichen Slip und rosa Trainingsstulpen bekleidet. Dazu hören wir Songs, die Titel wie Dein wildes Haar und Geilio tragen. Passenderweise wirft sich Bird während der nächsten Songs Glitzer in sein volles Brusthaar. Langsam ändert sich die Stimmung im Publikum und die Begeisterung steigt mit jedem Song. Viele werden angesteckt von Birds wilden Bühnentänzen. Spätestens bei „Oh Calypso Boy“ hat er sein Publikumsecho und es hallt zurück: „Wir singen alle mit dir“. Als er geht, sind alle schon längst begeistert und fordern laut eine Zugabe. Trotz oder gerade weil Bird so gut ankam, steigt die Spannung auf Frittenbude umso mehr. Die Nebelmaschine wird angeworfen und pünktlich um neun läuft der harte Kern der Band samt Live-Musikern auf die Bühne. Ohne viel Umschweife klingt Dies Das Riesenlöve an, die Arme gehen hoch und das Publikum ist sofort voll dabei.

Show

Bass wummert, Synthies hallen durch den Raum und die Bühne leuchtet in bunten Farben. Die Nebelmaschine taucht die Bandmitglieder immer wieder in dichten Rauch und Konfetti regnet von der Decke. Der Sound klingt merkbar vielfältiger als auf alten Alben durch die neuen Mitglieder an Drums und Keyboard. Aber auch die ursprüngliche Besetzung haut ordentlich rein. In dem ganzen Soundgewirr verliert sich zwar manchmal die Stimme von Sänger Johannes aka Striezi, aber das ist nicht weiter schlimm. Kann ja gefühlt eh jeder hier mitsingen. Gleich als zweiter Song wird Hildegard gespielt. Das Publikum rastet aus und ein „Acid acid acid“-Echo hallt durch den Konzertsaal. Alle springen, tanzen und stimmen bei den Songs ein. Die vorderen Reihen werden immer wieder gegen die Absperrung gedrückt und die Security verteilt fleißig Wasser, weil wir alle schon nach den ersten Songs ziemlich verschwitzt sind. Nach ein paar Songs steht keiner mehr da, wo er war, weil uns der Moshpit in alle mögliche Richtungen zieht. Gleichzeitig schaffen die Jungs es aber auch mit ruhigeren, nachdenklichen Songs wie Wings und Zeitmaschinen aus Müll die Menge zum Stillstehen zu bringen. Was auffällt ist, dass sich auf der Setlist nur vier Songs vom neuen Album ‚Küken des Orion‘ finden. Da habe ich mir ehrlich gesagt ein paar mehr erhofft. Dafür hört man einen ziemlich ausgewogenen Mix aus Songs aller vier LPs und der EPs. Die älteren Klassiker von Frittenbude vermisst also niemand. Von Hildegard bis Pandabär sind alle Abriss-Partysongs der Band dabei. Man merkt, dass viele im Publikum stehen, die die Band schon lange hören, denn bei den Songs der ersten LP ‚Nachtigall‘ ist das Echo besonders laut.

Was in Erinnerung bleibt

Konfetti, Bass und bunte Lichter. Neben all der Partystimmung liefert die Band aber auch klare Aussagen gegen fremdenfeindliche, rassistische Haltungen. Dass das Publikum die politische Meinung der Band klar teilt, zeigt der „Alerta, alerta“-Chor, der daraufhin einstimmt. Ein klares Zeichen setzt auch der Rage Against The Machine-Song Killing In The Name, den die Band mitten in einem Track aufgreift. Mit der Zugabe spielen die Jungs am Ende sogar noch Bilder mit Katze und haben alle Mädchenherzen auf ihrer Seite. Aber auch der Support-Act Bird Berlin mit seiner verrückten Ein-Mann-Bühnenshow bleibt wahrscheinlich nicht nur mir lange in Erinnerung. Nach dem Konzert zeigen sich Johannes, Martin und Jakob noch auf ein Bier am Merch-Stand, unterhalten sich und machen Fotos mit ihren Fans. Und zeigen damit, dass sie nicht nur mit ihrer Show den ganzen Saal begeistern können, sondern auch noch ziemlich sympathisch sind.

 

 

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