Konzertbericht

Klingt Wie Fernweh

Am 09.07 spielten Beirut in der Zitadelle in Spandau (Berlin). Da die Band auf dieser Tour keinen Zwischenstopp in Leipzig macht, haben wir die Gelegenheit für einen Ausflug genutzt.
mit Instrument in der Hand
Zach Condon auf der Bühne

Erwartungen

Beirut sind eine dieser Bands, die ich schon lange sehr gerne mag, aber nie live gesehen habe. Vor der Veröffentlichung von "No No No" (September 2015) hatte die Band eine Tour kurzfristig abbrechen müssen, da es Sänger Zach Cordon gesundheitlich nicht gut genug ging, um die Tour fortsetzen zu können. Einige Zeit musste der Musiker Pause machen und sich schonen, bevor er mit dem bereits erwähnten Album das Erlebte verarbeiten konnte. Dadurch bekommt das Album natürlich eine besondere Bedeutung für die Band und ich gehe davon aus, dass sie viele Songs davon spielen werden. Trotzdem hoffe ich natürlich darauf, dass die Band auch alte Songs spielt. Besonders möchte ich die Songs "Postcards from Italy" und "Port of Call" hören. Das Konzert soll Open Air stattfinden, in der Zitadelle in Spandau. Dort war ich bisher noch bei keiner Show dabei. Der Wetterbericht sieht zumindest gut aus.

Beirut live
 

Erster Eindruck

Um zur Bühne zu gelangen muss man zunächst über eine Brücke, die ein bisschen so aussieht als würde man ein Schloss betreten. Szenisch ist es also schon mal. Das Gelände selbst ist sehr viel größer als ich erwartet hatte – es sind auch viel mehr Menschen da, als ich erwartet hatte. Leider ist es sehr ebenerdig, sodass man weit hinten nicht erhöht stehen kann. Von diesem kleinen Manko abgesehen, ist das Gelände eindrucksvoll und es kommt fast ein wenig Festival-Flair auf, da so viele Essens- und Getränkestände zur Verfügung stehen. Das Konzert beginnt allerdings ungewohnt früh. Um 19 Uhr ist Dominique Dumont (Support) dran und bereits um 20:15 fangen Beirut an zu spielen. Es ist also noch hell, wodurch leider ein bisschen Open-Air-Atmosphäre eingebüßt wird. Anfangs ist die Musik auch fast etwas zu leise, vor allem im Kontrast zu den Unterhaltungen, die im Publikum geführt werden.

Musik

Schon die ersten vier Songs bieten ein buntes Gemisch aus neu und alt, instrumental Tracks und Songs mit Gesang. Ohne viele Worte spielt die Band ihre Songs mit beeindruckender Präzision. Die Blechinstrumente harmonieren wunderbar mit der unverkennbaren Stimme von Zach Cordon. Die gesamte Setliste geht so gut gemischt weiter. Es sind bekannte alte Hits wie "Santa Fe" und "The Rip Tide", aber natürlich auch die beliebten Songs des neuen Albums, wie zum Beispiel die Single "No No No", dabei. Durch die Show hindurch variiert Beirut zwischen langsameren, melancholischen Songs und solchen, die tanzbar und stimmungsvoll sind. Das Publikum lässt sich nach und nach immer mehr mitreißen, auch wenn eher verhalten getanzt wird. Ein besonderer Highlight-Moment ist für mich, dass "Postcards of Italy" tatsächlich gespielt wird. Doch auch sonst bestechen Beirut mit den für sie typischen Instrumental-Klängen, die einen direkt zum verreisen einladen. Insgesamt spielt die Band etwas über eine Stunde, bevor sie das erste Mal die Bühne verlässt. Langsam wird es um die Bühne herum dunkel, sodass zu Beginn der Zugaben auch die Lichtshow zur Geltung kommt. Die Zugaben sind auch ganz klar das Highlight der Show. Beginnend mit einem Cover von "Serbian Cocek" (A Hawk and Hacksaw) spielen Beirut weitere 5 Songs und beenden ihre Show dann mit insgesamt 23 Songs.

Beirut auf der Bühne
 

Fazit

Insgesamt ist die Atmosphäre sehr angenehm, auch wenn zu Beginn eher langsam Stimmung aufkommt. Die Musik passt gut zur szenischen Umgebung der Zitadelle - würde aber vermutlich noch besser im kleinen Club-Setting wirken, aber dafür sind Beirut wohl inzwischen einfach zu bekannt. Die Setliste lässt kaum Wünsche offen, da sie sowohl für Fans, die seit Beginn dabei sind, als auch für diejenigen, die durch "No No No" auf die Band aufmerksam geworden sind, ausreichend Favoriten liefert. 

 

 

 

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Gesa Koy
11.07.2016 - 12:06
  Kultur

Setliste:

  1. Scenic World
  2. As Needed
  3. Perth
  4. Elephant Gun
  5. East Harlem
  6. Santa Fe
  7. The Akara
  8. No No No
  9. Postcards From Italy
  10. The Peacock
  11. After the Curtain
  12. Fener
  13. The Rip Tide
  14. The Shrew
  15. My Night with the Prostitute from Marseille
  16. So Allowed
  17. Mount Wroclai (Idle Days)
  18. Nantes
  19. Serbian Cocek
  20. Pacheco
  21. In the Mausoleum
  22. The Flying Club Cup
  23. The Gulag Orkestar

 

Eine Rezension zum Album "No No No" findet sich hier.