Rocken am Brocken

Klein aber fein

Das Rocken am Brocken wartet mit Bühnennamen wie "Brockenbühne", "Jägerzirkus", "Zauberwald" und "Hexenhütte" auf sich. Was an dem Festival im Harz sonst noch besonders ist und welche Acts in dem Naturschutzgebiet aufgetreten sind.
Moop Mama auf der Hauptbühne
Eine Bühne mitten in der Idylle

Große Party mit kurzen Wegen

Ein kleines Dorf namens Elend. In der Nähe von Sorge. Da müssen wir doch ein Festival veranstalten. Das dachten sich vor knapp zehn Jahren wohl Studenten der Hochschule in Wernigerode, der nächsten größeren Stadt im Harz. Neun Jahre später hat sich das Rocken am Brocken etabliert – und ist am Morgen des ersten Festivaltags ausverkauft. 4000 Leute finden sich auf einer großen Wiese am Ortsausgang von Elend ein, nur unweit vom Beginn des Nationalparks Harz. Die Location hat es in sich. Doch am ersten Tag wird bereits klar, dass die Lage im Naturschutzgebiet auch seine Schattenseiten hat – im wahrsten Sinne des Wortes. Während in Leipzig die Welt schwitzt, hat es am Donnerstag auf dem Festivalgelände höchstens 12 Grad gegeben. Dazu gibt es vereinzelt Nieselregen. Da freut es umso mehr, dass die Wege naturgemäß klein sind. Parkplatz, Campingplatz und Festivalgelände befinden sich alle nebeneinander.

Straßenschild des Orteingangs Elend
 

Eine königliche Dampfmaschine

Pünktlich zur Geländeöffnung kommt dann auch die Sonne noch für ein paar Minuten hinter den Wolken herausgekrochen. Und dann gibt es Musik! Auf der Hauptbühne machen OK Kid mit ihrem deutschen Pop den Anfang. Danach folgt mit Royal Republic der Headliner des Eröffnungsabends. Die vier Schweden präsentieren ein gewohnt energisches Rock-Programm und sorgen für wildes Getanze. Highlights sind neben Klassikern wie „Full Steam Spacemachine“ auch einige neue Songs vom dritten Album der Schweden, das Ende des Jahres erscheinen soll.

Vor dem Konzert reden Royal Republic im Interview unter anderem auch über das neue Album und darüber, wie sie es schaffen die Energie ihrer Live-Shows auf CD zu übertragen.

Ein Beitrag über Royal Republic von Till Bärwaldt

Royal Republic, Till Bärwaldt

Royal Republic über ihren Sound und ihr neues Album

 

Royal Republic werden backstage interviewt.
 

Party mit Dauergästen

Bevor auf den kleineren Bühnen weitergetanzt wird, liefern die Stammgäste Schluck den Druck den Abschluss auf der großen Bühne ab. Da eines der beiden Masterminds der Band, Locke, selbst im Organisationsteam des Festivals ist, hat die Elektroband bis jetzt jedes Mal auf dem Rocken am Brocken gespielt. In Sachen Energie steht Schluck den Druck den Schweden von Royal Republic in Nichts nach. Ein weiterer Stammgast ist dj !mauf aus Dresden, der auf der Zeltbühne, dem „Jägerzirkus“, bis spät in die Nacht Indie-Rock auflegt. Die Stimmung beim Publikum ist sehr gut und es wird ausgelassen getanzt.

Der Eingang der Zeltbühne
 

Wie eine Familie

Wenn man sich unter den Besuchern umhört, versteht man schnell, was 4.000 Leute in den Harz treibt. Fast alle Besucher scheinen von der schönen Kulisse beeindruckt. Außerdem wird oft gelobt, wie familiär das Festival ist. Dazu passend gibt es sogar zwei Zeltplatzkonzerte. Die Weimarer Band Princes Of Provinces spielt ein Konzert, obwohl sie nur als Besucher vor Ort sind. Doch auch eine gebuchte Band nutzt die Persönlichkeit des kleinen Festivals aus. Am Freitag spielen die Stuttgarter Punkrocker Schmutzki einen kurzen Gig zwischen Zelten und Dixi-Klos. Mit im Gepäck haben sie T-Shirts, Sticker und vor allem Freibier. Die Aktion kommt erwartungsgemäß sehr gut an. Auch bei ihrem regulären Konzert ist der Andrang groß. Im Jägerzirkus muss der Einlass gestoppt werden. Daraufhin sammelt sich eine Menschentraube vorm Zelteingang, die trotz eingeschränkter Sicht nach einigen Minuten einen Moshpit startet. Die Security ist in diesem Moment zwar ein bisschen überfordert, nimmt das aber ganz gelassen. So wie ohnehin das ganze Wochenende. Gleich mehrere Künstler bedanken sich bei der freundlichen Security, die das Publikum immer wieder anheizt.

Die Jungs von Schmutz geben ein Campingplatzkonzert
 

Tanzen in der Kälte

Doch auch musikalisch gibt es am Freitag einiges zu sehen. Obwohl mehrere Besucher angeben fast gar keine Band zu kennen und nur wegen des Feelings da zu sein, ist die Stimmung vor der Bühne ausgelassen. Die Ska-Rocker von Budzillus heizen gut ein, bevor viele Besucher die ruhigen Töne der Folkband Honig dazu nutzen, ein kleines Vorabendschläfchen zu halten. Zu Feine Sahne Fischfilet tanzt dann gefühlt das ganze Festival Pogo in der Abendsonne. Dazu werden mehrere Bengalos gezündet. Ein schönes Bild.

Auch für die Freunde der elektronischen Musik ist gesorgt. Bis in die tiefe Nacht werden zwei wunderschöne Floors bespielt, die auf die Namen „Zauberwald“ und „Hexenhütte“ hören. Diese sind mit viel Liebe zum Detail in die umliegende Natur eingebaut. Auf der Hauptbühne schaffen die Urban-Brass Band Moop Mama und die dänischen Electro-Rocker von WhoMadeWho das Publikum trotz einstelliger Temperaturen zum Tanzen zu bringen.

WhoMadeWho im Rotlicht
 

Bunte Mischung

Der letzte Tag startet mit einer positiven Überraschung: Zum ersten Mal ist es möglich, im kurzärmligen T-Shirt zu frühstücken. Die gute Laune der Festivalbesucher wird auch von der kurzfristigen Absage von Sizarr nicht getrübt. Alle freuen sich auf den Abschluss mit den AnnenMayKantereit und Turbostaat. Außerdem zeigt das Rocken am Brocken noch einmal, wie vielseitig ihr Booking auch dieses Jahr ist. Die dänischen Rocker LSD on CIA, die ihren Stil als „Hedonistic Thrash Rock“ bezeichnen, rocken in der Tat ohne Kompromisse. Ein weiteres Highlight ist der Auftritt der jungen Indie-Rocker von Razz. Zum dritten Mal in Folge treten die Jungs in Elend bei Sorge auf. Obwohl sie immer noch kein Album veröffentlicht haben, kann nahezu das ganze Zelt ihren Hit „Youth And Enjoyment“ mitsingen. 

Sterni und Kaufland im Harz
 

Zum Abschluss des Festivals überzeugen die Überflieger AnnenMayKantereit mit einem relativ kurzen Set. Die Kölner sind sichtlich angetan von der guten Stimmung und freuen sich über ein Geburtstagsständchen für ihren Schlagzeuger Severin. Nach ihrem Auftritt feiern die Jungs dann zusammen mit dem Publikum zu Turbostaat in den nächsten Geburtstag rein – und zwar den von Gitarrist Christopher Annen. Den endgültigen Abschluss setzt das Acrobatic Colours DJ-Team im Zelt mit einer dreistündigen Show irgendwo zwischen Balkan und Pop.

Fazit

Das Rocken am Brocken überzeugt den Besucher mit viel Liebe zum Detail, einer schönen Location und einem tollen musikalischen Programm bei einem unschlagbaren Preis. Dafür lohnt es sich definitiv die Anreise in den Harz auf sich zu nehmen und der Kälte zu trotzen. Man darf gespannt sein, was sich das Organisationsteam für das zehnjährige Jubiläum überlegt.

 

Kommentare

Ohne Übertreibung: selten hört man im Bereich der Moderatoren des TV oder der Berichterstattung eine solche klare, wohltuende Stimme, solche Kompetenz, was die angeschnittenen, vorwiegend musikrelevanten Themen anbelangt. Ganz nebenbei sehr informativ, unterhaltsam und wenn ich vom Harz lese oder höre, kommen alte Erinnerungen auf aus Wehrpflichtzeiten in Bad Harzburg und Goslar, kalt, nass, Schnee...ein wahres Elend, wie dieser Ort - den Till dann doch irgendwie liebenswert beschrieben hat. Der Bericht ha tmich motiviert, demnächst dem Harz nach 48 Jahren Abstinenz wieder einen Besuch abzustatten. Danke Till!

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