CD der Woche

Klangrausch unter der Silbersonne

"Shoegaze" steht für epische Gitarrenklangwände, die den Hörer wegblasen wie eine Riesenwelle. In diesen Sound-Fluten geht bei vielen Bands der Song verloren. Die Silversun Pickups beweisen mit "Better Naturee, dass es auch anders geht.
Nach getaner kreativer Arbeit lassen es die Silversun Pickups gemütlich angehen.
Nach getaner kreativer Arbeit lassen es die Silversun Pickups gemütlich angehen.

Gute Bands sind wie Freunde. Man hat sie in ihren goldenen Jahren liebgewonnen, hat mitgefiebert bis zum nächsten Meisterstreich, oder in dieser Analogie, bis zum nächsten Album. Und genauso wie sich lange Freundschaften ändern, verändern sich auch Bands, bzw. deren Sound. Vor allem wenn man schon seit 13 Jahren zusammen spielt, wie die Silversun Pickups.

 

The House of the Silversun

Die Silversun Pickups, das sind drei Jungs und ein Mädel aus dem sonnigen Kalifornien, die schon seit 2002 in aktueller Besetzung unterwegs sind. Vorher spielten Leadgitarrist und Sänger Brian Aubert zusammen mit Bassistin Nikki Moninger zusammen als „A Couple of Couples“. Der Name kam daher, dass die beiden in der Band mit ihren jeweiligen Partnern zusammen gespielt haben. Nach dem Ausstieg der besseren Hälften, fanden sie mit Schlagzeuger Christopher Guanlao und Keyborder Joe Lester Ersatz und nannten sich fortan „Silversun Pickups“. Namesgeber ist ein Schnapsladens im Los Angeleser Stadtteil Silver Lake, wo die vier häufiger zusammen aufgetreten sind. Das ist zumindest die offizielle Version.

 

Musik zum Träumen

Wer jetzt allerdings glaubt, sich mit dem Kauf von „Better Nature“ eine Saufkapelle a la Bloodhound Gang ins Haus zu holen, liegt schwer daneben. Vielmehr wissen „Silversun Pickups“ durch melodiöse Klangwände, gepaart mit eingängigen Indieriffs, zu überzeugen. Dabei laufen viele ihrer Songs auf einen klaren Höhepunkt hin. Das sind dann immer die Stellen, bei denen man seinen Freunden in die Rippen stößt und immer wieder murmelt: "gleich kommt’s, gleich kommt’s". Aber wer die Band richtig genießen will, schickt die Freunde weg, nehme ein Paar Kopfhörer und eine Stunde Zeit und lässt sich in traumhaft sphärische Songweiten entführen.

 

 

„Better Nature“, natürlich besser?

 

Jetzt haben „Silversun Pickups“ ihre Fans beinahe unerträglich lange auf die Folter gespannt. 2012 kam das letzte Album „Neck oft the Woods“ in die Plattenläden. In der Zwischenzeit wurden die Fans noch mit einem Best of Album abgespeist, bis dann dieses Jahr das neue Album „Better Nature“ erschien.

Das Album ist im Vergleich zu den Vorgängern deutlich elektronischer geraten. Auch wirkt der Sound durchgeplanter, irgendwie erwachsener. Man merkt auf jeden Fall, dass dem Ganzen ein gewisses Konzept zugrunde liegt - dieses Album möchte am Stück gehört werden. Ebenso hört man Bassistin Nikki Moninger häufiger singen. Was auf Vorgängeralben teilweise noch ein wenig unbeholfen geklungen hat, fügt sich auf „Better Nature“ geradezu wunderbar in einem Wechselspiel zwischen ihr und Aubert.

Was der eine allerdings als reif bezeichnet, klingt für den anderen allerdings stellenweise bieder. Klar wird jetzt mehr mit elektronischen Sounds rumprobiert, allerdings fehlt vielen Songs auf dem Album irgendwie der Kick. Und gerade das, wofür man die „Silversun Pickups“ kennen und lieben gelernt hat, dass jedes Lied eine spannende Hook oder einen besonders intensiven Zwischenteil zu bieten hatte, vermisst man auf „Better Nature“ bei einigen Liedern. Stellenweise kommt es einem so vor, als hätte man einige der Lieder schon mal gehört. Zum Beispiel erinnern die Refrains der ersten Single „Nightlight“ sehr an das Stück „Simmer“ auf „Neck oft he Woods“.

 

Fazit

„Better Nature“ ist ein Album, das seine Höhen und Tiefen hat. Gerade in der ersten Hälfte weiß man häufig nicht so recht, wohin die Songs einen führen wollen, bevor sie dann vorbei sind, ohne einen so richtig abgeholt zu haben. Natürlich liefern die „Silversun Pickups“ mit ihrem neuen Album Qualitätsware, anderes ist man von ihnen auch nicht gewohnt, aber richtige Kracher hat „Better Nature“ leider, verglichen mit den Alben davor, relativ wenige.

Das Album hört sich so an wie mit seinen Freunden von damals am Lagerfeuer zu sitzen und über alte Zeiten zu quatschen. Es sind vielleicht nicht mehr die rauschende Feste, die man früher gefeiert hat, jedoch kann man einer gediegeneren Soiree doch auch ab und an etwas abgewinnen.

 

Kommentare

Beim hören hab ich das genauso empfunden wie hier in der Rezession.
Es fehlt den Liedern der letzte dynamische Kick und doch kann man beim Joggen oder Lagerfeuer träumen und genießen...swoon war eindeutig grandioser. Punkt.

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Silversun Pickups: Better Nature

Tracklist:

Tracklist:

  1. Cradle (Better Nature)
  2. Connection
  3. Pins and Needles
  4. Friendly Fires
  5. Nightlight
  6. Circadian Rhythm (Last Dance)*
  7. Tapedeck
  8. Latchkey Kids
  9. Ragamuffin*
  10. The Wild Kind

*Anspieltipps

Erscheinungsdatum: 02.10.2015
Rykodisc (Warner)