Berlinale 2014

"Kinder gehen ganz leicht mal verloren"

Der zehnjährige Jack ist im gleichnamigen Film ziemlich auf sich allein gestellt und kann sich auf seine Mutter nicht verlassen. "Jack" ist aber kein Sozialdrama, sondern konzentriert sich ganz auf die Lebenskraft des Jungen.
Berlinale-Palast 2014

Jack ist zehn Jahre alt und lebt in Berlin. Da seine sehr junge Mutter viel unterwegs ist, muss er sich oft um seinen kleinen Bruder und sich selbst kümmern. Ihn stört das nicht, und seine Mutter ist stolz auf ihn. Eines Tages verschwindet sie aber für mehrere Tage. Jack und sein kleiner Bruder suchen sie, und ziehen dabei durch die Nebenschauplätze der Großstadt.

Der Film nimmt alle seine Figuren sehr ernst und steckt niemanden in irgendeine Schublade. Jacks Familie ist nicht verwahrlost – das Heim, in dem Jack für eine Zeit untergebracht wird, ist nicht schrecklich, die Mutter liebt ihre Kinder und die beiden Brüder einander. Aber doch zieht sich durch den ganzen Film eine Traurigkeit, die von diesem ernsten, viel zu erwachsenen Kind ausgeht. Obwohl Jack selbst nie die Zuversicht verliert, dass bald wieder alles in Ordnung sein wird.

Dem Regisseur Edward Berger war es wichtig, keinen klischeehaften Sozialfall zu zeigen, sondern das Grundvertrauen des kleinen Jack zu vermitteln. Dem Film gelingt es, die Geschichte ohne Kompromisse aus dem Blickwinkel des Zehnjährigen zu erzählen - was er nicht weiß oder versteht, versteht auch der Zuschauer nicht, und der Fokus liegt auf ganz anderen Aspekten, als Erwachsene das sehen würden.

 

Der Regisseur Edward Berger im Interview mit Miranda Schiller
 

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Miranda Schiller
12.02.2014 - 15:15
  Kultur