Musikhighlights: KW-34

Kind of Retro

Ob Beatles-Sound, 80'er Italobeats oder Punkrock der letzten zwei Dekaden: unsere Musikredaktion hat mal wieder die Ohren gespitzt und für euch die spannensten Releses dieser Woche zusammen getragen. Und die sind so was von retro.
Musikhighlights der Woche KW 34
Musikhighlights der Woche KW 34

Frisch gepresst: Unser Musiktipp der Woche ist das Album "Sturm und Drang" des Künstlers Crack Ignaz. Eine ausführliche Rezension gibt es hier.

The Lemon Twigs - "Songs for the General Public"

Album-VÖ: 21.08.2020

Wer vorher noch nie von The Lemon Twigs gehört hat, war vermutlich etwas verwundert, als sie vor zwei Jahren ihr Album „go to school“ veröffentlichten. Das behandelt nämlich in 16 Songs das Leben von Shane, einem von Menschenhand aufgezogenen Schimpansen – ganz normal halt.

Die komplett im Elternhaus komponierte Rock-Oper der beiden Jungs kam allerdings ausgesprochen gut in der Musikwelt an – so gut, dass die Arctic Monkeys sie 2018 direkt mal mit auf Tour nahmen. Jetzt veröffentlichen die D’addario Brüder ihr drittes Album „Songs for the General Public“, diesmal ganz professionell im Studio aufgenommen. Und das kann sich hören lassen. Dabei klingt keiner der 12 Tracks, wie ein Stück aus dem Jahr 2020, jedoch allesamt brilliant.

Auch auf „Songs for the General Public” kommt der Musicaleinfluss der beiden Brüder deutlich zum Vorschein, ob auf schnelleren Rockstücken wie „the one“ oder langsamen Balladen wie „Somebody loving you“ oder „ashamed“. Egal ob Musical-, Rock oder Balladenfan, auf „Songs for the General Public” ist für jeden etwas dabei.

Emma Lübbert

Kid Simius - "Andalucía" feat. Ana Sola

EP-VÖ: 20.08.2020

Wer Kid Simius noch aus seiner Zeit als DJ und Beatmaker für Rapper Materia kennt, dürfte überrascht sein. Denn schon seit dem 2014 erschienen Solo-Album „Wet Sounds“ verfolgt der 32 jährige Produzent einen ganz eigenen Stil. Statt verspulter Hip Hop-Beats geben wilde Gitarren, die an Simius Heimat Spanien denken lassen und experimentelle Stilbrüche den Ton an. Das 2018 erschienene Album „Planet of the Simius“ führt diese Tradition fort. Egal ob breakiger House, wie in „La Hacienda“ oder flippiger Disko wie in „Diskoteca Basica,“ immer wieder klingt Simius malerische Sehnsucht nach seinem Heimatland Spanien durch. Mit seiner neuen EP „Andalucía“ rundet Simius diese Hommage jetzt ab.

Der Original Mix von „Andalucía“ besticht durch seinen rollenden Bass und die knackigen Toms, die den Track immer wieder Fahrt aufnehmen lassen. Poppige Melodien laden zum mitwippen ein und geben dem Track genau den 80'er Jahre Italodisko-Sound, der an Größen wie Italove denken lässt. Trotzdem hat Kid Simius einen Track für den modernen Dancefloor von heute geschaffen. Fetziger Electronic Disco, den sicher auch Georgio Moroder gefeiert hätte führt uns schließlich zur kraftvollen Stimme der Opernsägerin Ana Sola. Sie bildet in Kombination mit den flippigen Diskosynths das perfekte Finale des Tracks. Die zwei Remixes, die ebenfalls auf der EP zu finden sind machen die „Andalucía“ EP auch für Fans von dunkleren Sounds und Industrial Techno absolut hörbar.

Hannan El Mikdam-Lasslop

Die Ärzte - "Morgens Pauken"

Single-VÖ: 21.08.2020

Die Frage, was Punk ist, beschäftigt Die Ärzte schon sehr lange. Bereits ihr 1998 erschienenes Album “13” eröffneten sie mit dem Track “Punk ist...” und der Opener für “auch”, das letzte Album der Band von 2012, stellte die Frage “Ist das noch Punkrock?”. Überraschen tut das nicht, kommt die Band doch ursprünglich aus der Berliner Punkszene der 80er und wurde wegen ihrer Kommerzialisierung ausgestoßen. Nun gibt es eine neue Single, die sich ebenfalls diesem Thema widmet. Im Grunde ist „MORGENS PAUKEN“ eine direkte Antwort auf „Ist das noch Punkrock?“ Denn der Song besteht darauf, dass alles Punk ist – reiche Golfer*innen, CDU-Wähler*innen, Drogenabhängige, Trap-Hörer*innen, alle sind sie Punk. Um hier jetzt mal den Disney-Film „Die Unglaublichen“ zu paraphrasieren: Aber wenn alle Punk sind, dann ist doch niemand mehr Punk. Und genau das ist der Punkt. Die selbstbetitelte Beste Band der Welt scheint zu dem Schluss gekommen zu sein, dass Punk offenbar doch tot ist. Oder sich zumindest damit abgefunden zu haben, dass der wahre Punk nicht mehr existiert. Musikalisch untermalt wird diese Erkenntnis von einem klassischen Ärzte-Gitarren-Brett, das an vergangene Alben wie „Geräusch“ aus dem Jahr 2003 erinnert und vielen Fans Hoffnung auf eine Rückkehr zum härteren Sound der Band gibt. Ob die berechtigt ist, wird sich zeigen, denn für den 23.10. ist nun endlich das neue Album „Hell“ angekündigt worden. Und auch das wird sicherlich irgendwie Punk sein.

Charlotte Peters

 

Kommentieren

Hannan El Mikdam-Lasslop
21.08.2020 - 17:26
  Kultur

Gleich auf Spotify reinhören:

The Lemon Twigs

Kid Simius

Die Ärzte