Rezension

Keine Fohlen mehr

Nicht gerade gering waren die Erwartungen der Fans an das vierte Studioalbum der Foals, das im August erschien. Das Ergebnis, ihre neue Platte „What Went Down“, kann sich mehr als hören lassen.
Foals
Seit ihrem Debut haben die Indie-Rocker mittlerweile schon ihr viertes Studioalbum veröffentlicht.

Eine kleine Erfolgsgeschichte

Mit ihrer LP„Antidotes“ fing alles an. 2008 spielten sich die fünf Briten aus Oxford direkt in die Herzen ihrer Fans mit ihrem mitreißenden und eher unkonventionellen Mix aus Math-Rock, Indie und Minimal-Einflüssen. Wer sich an 'Cassius' erinnert, weiß warum die Foals damals frischen Wind in die Indie-Szene brachten. Abgehackt, experimentell und absolut tanzbar waren die Tracks des ersten Albums. Fast ein wenig funky und schon viel weniger Math-Rock-lastig kam dann 2010 der Nachfolger „Total Life Forever“  daher. Besonders 'Spanish Sahara' mauserte sich zu dem Indie-Hit des Sommers. Die dritte LP „Holy Fire“ trudelte 2013 damals sogar auf Platz 2 der UK-Charts ein und sicherte den Foals einen festen Platz in der Indie-Abteilung. Es wurde der Band also nicht gerade leicht gemacht, schließlich mussten sie mit ihrer vierten Veröffentlichung an große Erfolge anknüpfen, etwas Neues bringen, aber sich gleichzeitig treu bleiben. Mit "What Went Down" haben die Foals letztendlich zum Glück keinen Einheitsbrei, sondern eine eigenständige LP abgeliefert, die das beste ihrer drei Vorgänger vereint.

Ein bisschen Melancholie

Dass die Indie-Rocker noch nie für fröhliche Songtexte bekannt waren, beweisen sie auch dieses Mal wieder. Generell klingt das Album nicht gerade wie ein heiterer Sommertag. Oder was sucht die dunkle Gestalt auf dem Albumcover sonst mitten im Nirgendwo zusammengekauert auf dem Boden?

"I buried my heart in a hole in the ground"

"What Went Down"

Schon der erste Track 'What Went Down' handelt von Trennung und Einsamkeit. Doch wer denkt, dass sich die Foals in traurigen Lyrics vergraben, ändert spätestens seine Meinung, wenn Philippakis, der Sänger der Band, When I see a man, I see a lion“ schreit und die schweren Gitarren-Riffs und die schnellen Drums durch den Song schwirren. Doch die Foals können natürlich nicht nur traurig. 'Moutain At My Gates', der zweite Track der LP, muss sich nicht vor dem letzten großen Hit der Band 'My Number' verstecken. Der eingängige Refrain und ein Beat zum Mitwippen bieten Hymnenpotenzial.

„Dark clouds gather round / Will I run or stay my ground“ - Philippakis singt vom auf der Suche sein, hoffnungsvoll, vom Weitermachen. Auch das große Foal'sche Finale bleibt nicht aus – Rastlose Drums, mitreißende Gitarrenriffs und Philippakis, der voller Leidenschaft „Gimme my way“ verlangt, erfreuen nicht nur Fanohren.

'Snake Oil' dagegen erinnert musikalisch eher an die Arctic Monkeys, hört sich nur irgendwie schwerfälliger an. Mehr nach den Foals eben. Kein Wunder eigentlich, schließlich wurde das Album auch von James Ford produziert. Der arbeitete schon an der letzen LP der Arctic Monkeys mit. Wer auf der Platte etwas Fröhlicheres zum Mitwippen sucht, sollte in 'Birch Tree' reinhören. Auch wenn der Song von verflossenen Bekanntschaften handelt, geben sich die Gitarrenriffs hier schon deutlich lockerer und poppiger. Und wer auf der Suche nach den Indie-typischen 'Ooooh'-Chören ist, für den dürfte 'Give It All' genau das Richtige sein.

You caught the bus and i caught the train / All that remains are words in the rain

"Give it All"

Ein schöner, gefühlvoller Song, in dem Philippakis über eine zerbrochene Liebe singt. Die schwirrenden Synthesizer zusammen mit der eindringlichen Stimme Philippakis' runden das Ganze ab. 'Nightswimmers' dagegen solltet ihr euch schonmal für den nächsten Sommer vormerken - Die Hymne für den nächsten Abend am See.

„The perfect blue evening / We sit and drink and we sing
Smoke flowers rising high / Under the flaming sky „

Fazit

Vom früheren Math-Rock der Band ist zwar leider nicht mehr allzu viel zu hören, trotzdem sind sich die Foals treu geblieben und liefern ein abwechslungsreiches Indie-Album ab. Die Angst eingefleischter Fans auf eine maue Fortsetzung der vorhergegangenen drei Alben erweist sich also als unbegründet. Mit 'What Went Down" sind die Foals eindeutig erwachsen geworden. Immer noch mitreißend wie beim ersten Album, aber viel gereifter. Eine abwechslungsreiche LP, die sich mal rockig, mal entspannt, mal kraftvoll, mal sanft, mal melancholisch und mal hoffnungsvoll anhört. Und sich damit perfekt für kommende düstere Novembertage eignet. Tee aufgießen und reinhören!

 

 

Kommentare

Das kann man super lesen! Ey Sophie falls ich das hier grade richtig verstehe und du diesen Artikel verfasst hast und das auch noch der erste ist: uuuuuow!!! Geilomeilo!!!

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Sophie Boche
09.11.2015 - 17:38
  Kultur

Foals: What Went Down

Tracklist:
  1. What Went Down
  2. Mountain At My Gates*
  3. Birch Tree
  4. Give It All*
  5. Albatross
  6. Snake Oil
  7. Night Swimmers*
  8. London Thunder
  9. Lonely Hunter
  10. A Knife In The Ocean

*Anspieltipps

Erscheinungsdatum: 28.08.2015
Warner