Moscheebau in Gohlis

Keine Diskussionskultur?

Anfeindungen über E-Mails und soziale Netzwerke, NPD-Kundgebung und Gegendemonstrationen - der geplante Moschee-Bau in Gohlis sorgt gegenwärtig für viel Diskussionsstoff in Leipzig.
Florian Illerhaus vom NIR und mephisto 97.6-Moderatorin Jessica Brautzsch.

In sozialen Netzwerken wie Facebook gründen sich Seiten für und gegen den Bau der Moschee in Gohlis. Die Meinungen und Kommentare auf diesen Seiten sind unzählbar und oft von einem aggressiven Tonfall bestimmt. Auch Anfeindungen und Drohungen finden sich dort. In der Anonymität des Internets werden jedoch auch einzelne Personen, die öffentlich Stellung zum Thema nehmen, bedroht. Thomaspfarrer Wolff erhält Drohbriefe, seitdem er sich öffentlich für den Moscheebau geäußert hat. Ähnlich klagt Katrin Viola Hartung, Initiatorin der Petition "Gohlis sagt Nein", über Anfeindungen. Sie fühle sich inzwischen in die rechte Ecke gedrängt.

Das Phänomen Islamophobie breitet sich aus

Auch vor Ort wird Abneigung demonstiert. Letzte Woche haben Unbekannte mit fünf aufgespießten Schweineköpfen auf dem Baugrundstück ihre Ablehnung gegen die Ahmadiyya-Gemeinde zum Ausdruck gebracht. Diese Aktion symbolisiert Islamfeindlichkeit, ein Phänomen, das es mittlerweile schon eine Weile gibt. Nachdem im Jahr 2009 in einem Dresdner Gericht die Muslimin Marwa El-Sherbini ermordet wurde, hat sich das Netzwerk gegen Islamophobie und Rassismus Leipzig (NIR) gegründet. Das Netzwerk ist überkonfessionell und überparteilich. Sie dokumentieren Diskriminierung und klären mit Workshops und Vorträgen auf. Das Netzwerk positioniert sich klar für den Bau der Moschee in Gohlis und hat auf der Gegendemonstration Anfang November einen Redebeitrag gehalten. Darin hieß es unter anderem: "Es sind nicht die Minarette, die sich fremd im Leipziger Stadtbild ausnehmen. Sondern es ist die islamfeindliche Hetze der NPD, die die Freiheit in unserer Gesellschaft stört."

 

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