Konzertbericht

Keine Croissants

Das verrückte Kollektiv Bonaparte um Sänger Tobias Jundt machte bei seiner Mini-Club-Tour auch im Felsenkeller in Leipzig halt. Wir waren vor Ort und beschreiben unsere Eindrücke.
Tobias Jundt und seine Band
Die verrückten Musiker und Tänzer auf der Bühne

Erwartungen

Wo bei den meisten Bands der Konfettiregen der Höhepunkt der Bühnenshow ist, geht bei Bonaparte der Spaß eigentlich erst so richtig los. Das international besetzte Kollektiv um den Schweizer Tobias Jundt steht für verrückte Live-Performances mit zalhreichen Tänzern - irgendwo zwischen Zirkus, Rocky Horror Picture Show und Punk-Konzert. Eine schwitzige, abgefahrene Pogo-Kostüm-Party, in der auch hin und wieder einfach mal Croissants ans Publikum verfüttert werden. Das erwarten wohl auch die meisten Leute, die sich am Donnerstag Abend im Felsenkeller einfinden.

Erster Eindruck

Um 22 Uhr soll das Konzert im schönen Felsenkeller losgehen. Eine große Menschentraube versammelt sich am Eingang und wartet auf den verspäteten Einlass. Der Grund: Die vorher stattfindende Lesung von Michael Nast, der den Felsenkeller bis auf den letzten Platz füllt. So weit so gut. Als die Musik kurz nach Einlass schon anfängt, wirkt ein Großteil des Publikums erstmal verwirrt. Verbergen sich hinter den drei großen Spiegeln auf der Bühne wirklich Bonaparte? Ohne Support-Act braucht es erst mal zwei Lieder, bis alle Leute ihren Platz gefunden haben. Der Saal ist nur zur Hälfte gefüllt. Das fällt auf, denn alles ist sehr hell erleuchtet. Spätestens als die Band an dritter Stelle den Hit "Anti Anti" anstimmt, startet jedoch auch vor der Bühne die Party.

Fans warten auf den Einlass
 

Musik

Dass Bonaparte keine feste Besetzung hat, zeigt sich auch wieder an diesem Abend. Mastermind Tobias Jundt hat diesmal drei Frauen und einen Mann mitgebracht, die fröhlich die Instrumente wechseln und ordentlich abrocken. Bonaparte spielen sich in knapp 80 Minuten durch ihre mittlerweile fünf Alben. Die alten Hits wie "Too Much" werden dabei naturgemäß am meisten abgefeiert. Hin und wieder gibt es kleine Elektro-Einspieler zwischen den Songs, bei denen sich die Musiker eine kleine Verschnaufpause gönnen. Insgesamt wirkt die Band gut eingespielt, geht gut ab und präsentiert ein sehr abwechslungsreiches Programm.

Show

Ein kleiner Schock tritt ein, als Bonaparte die Bühne betritt. Da sind ja nur Musiker und die haben gar keine Masken auf. Selbst Tobias Jundt verzichtet auf seine Tiermütze und Gesichtsbemalung. Und wo sind überhaupt die Tänzer? Machen Bonaparte jetzt etwa "nur noch" Musik? Kein Grund zur Sorge, wenig später tauchen die zwei obligatorischen Damen in verrückten Kostümen dann doch noch auf. Diese wechseln ihr Outfit mehrmals und posieren während "Computer in Love" im Morphsuit mit LED-Lichtern. Abgefahren ist das allemal, jedoch nicht ganz so verrückt und provokant wie noch vor einigen Jahren. Keine Pferdeköpfe auf halbnackten Körpern. Die Musik steht mehr im Mittelpunkt und Tobias Jundt gibt wirklich alles. Mehrmals schmeißt er sein Mikroständer um und das Stage-Diving durfte natürlich auch nicht fehlen.

Was in Erinnerung bleibt

Nach einer Dreiviertel-Stunde erklimmen zwei Männer mit Pelzmützen die Bühne, um ihren Teil zur Bonaparte-Show beizutragen. Womöglich haben auch sie bemerkt, dass das Kollektiv irgendwie sein Interesse an "tierischen Shows" verloren hat. Tobias Jundt findet das aber gar nicht so witzig und schiebt einen der beiden mit seinem Rücken von der Bühne. Am Ende des Konzerts kommen jedoch auch die beiden Pelzmützen-Männer auf ihre Kosten. Ab "Too Much" herrscht wieder der normale Bonaparte-Wahnsinn. Die Tänzerinnen entblößen sich, duschen das Publikum mit Champagner und zünden Konfetti-Kanonen. So kennt man die provokante Bonaparte-Show. In der Zugabe wird dann auch wieder das Publikum mit Essen versorgt. Die zwei Tänzerinnen werfen oder geben liebevoll Fruchtstückchen und rohe Eier ins Publikum. Nur Croissants gibt es dieses Mal nicht.

 

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