Naturschutzbund Deutschland

Kein Zuhause für die Mauersegler

Mauersegler sind besonders in großen Städten vertreten. Allerdings machen sich Vogelschützer vom Naturschutzbund Deutschland, kurz NABU, Sorgen um diese Vogelart. Die Mauersegler finden nämlich immer weniger Nistplätze- auch in Leipzig.
Der Mauersegler

Der NABU Leipzig veranstaltet am 07.Juli einen Aktionstag für den Mauersegler. Er findet immer weniger Nistplätze in der Stadt. René Sievert, der Vorsitzende der Leipziger Regionalgruppe, war im Interview bei mephisto 97.6 zu Gast:

mephisto 97.6: Herr Sievert, was genau ist denn das Problem mit den Nistplätzen der Mauersegler?

René Sievert: Sie nutzen Nischen an Gebäuden, in denen sie Unterschlupfmöglichkeiten suchen und ihre Nester reinbauen. Oft sind das ganz unscheinbare, kleine Ritzen. Durch Sanierungsarbeiten gehen solche Nischen aber mehr und mehr verloren, manchmal werden sie sogar absichtlich beseitigt. Das ist ein Verstoß gegen Naturschutzgesetze, was viele nicht wissen. Deshalb versuchen wir jedes Jahr am 07.07. darauf aufmerksam zu machen, um diese Nistplätze erhalten zu können.

mephisto 97.6: Wie ist die Situation der Mauersegler in Leipzig?

René Sievert: In Leipzig hat der Mauersegler eigentlich noch ideale Bedingungen. Er ist ein Vogel, der in größeren Städten zu Hause ist und in hohen Gebäuden seine Nischen sucht. Diese gibt es ja in Leipzig zurzeit noch reichlich, was allerdings mehr und mehr verloren geht. Das stellt nichr nur hier, sondern in ganz Deutschland ein Problem dar. Es hängt vor allem damit zusammen, dass Gebäude modernisiert werden, um Energiekosten zu sparen. Dann wird die Fassade isoliert und dabei gehen natürlich Ritzen verloren. Man muss dann aus naturschutzrechtlichen Gründen einen Ausgleich schaffen, zum Beispiel, indem man Nistkästen anbaut.

mephisto 97.6: Der Mauersegler steht sogar auf der Vorwarnliste der „Roten Liste“. Was bedeutet das?

René Sievert: Dass er durch die Veränderungen, die wir in unserer Zeit erleben, potenziell bedroht ist, und der Bestand zusammenbrechen könnte. Neben dem Nistplatzverlust geht es auch um seine Nahrung, Insekten, die natürlich ebenfalls Lebensräume brauchen. In diesem Fall wären das feuchte Biotope und Gebüsche. Auch diese müssen wir somit schützen und in unseren Gärten auf Insektengifte verzichten. Gerade hier ist die industrielle Landwirtschaft ein großes Problem.

mephisto 97.6: Was kann ich tun, um den Mauerseglern zu helfen?

René Sievert: Nun, wir rufen ja konkret am 07.07. dazu auf, Mauersegler-Beobachtungen zu melden. Das hilft uns, den Bestand von Jahr zu Jahr einzuschätzen. Außerdem hilft es, uns Nistplätze zu melden, damit wir dann bei anstehenden Sanierungsarbeiten darauf hinweisen können. Das ist ein sehr wichtiger Punkt, da wir oft erst benachrichtigt werden, wenn es zu spät ist. 

mephisto 97.6: Was genau umfasst der Aktionstag alles?

René Sievert: Der 07.07. ist erstmal gewählt wurden, weil man ihn sich zum Einen gut merken kann und die meisten Mauersegler dort aktiv sind. Somit kann man den Bestand gut einschätzen. An diesem Aktionstag wollen wir den Leuten den Mauersegler ein wenig näher bringen. Wir rufen also am Abend stadtweit dazu auf, die Mauersegler zu zählen und uns das mitzuteilen. Wir bieten ebenfalls an, sich einmal eine Brutkolonie anzuschauen, da der NABU einige Nisthilfen betreut. Das ist sehr beeindruckend, wenn man dann auf einen engen Dachboden klettern kann und sich anschaut, wie so ein Nistkasten aussieht. Außerdem kann man unsere Pflegestation besuchen, weil manche Mauersegler sich auch einmal verletzen. Da jedes Lebewesen wertvoll ist, päppeln wir dort gerade die Jungtiere auf, die manchmal aus den Nestern fallen.

Das gesamte Interview mit Moderator Carsten Richter gibt es hier noch einmal zum Nachhören:

Das komplette Interview mit René Sievert
 

 

 

 

 

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Sarah Bötscher
06.07.2016 - 23:17
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