Syrien-Trauma

Kein Grund für Bafög-Aufschub

BaföG dient der Unterstützung von Studenten. Genau diese braucht der Syrer Abdul Alali. Der Leipziger Student hat durch den Krieg in seiner Heimat die finanzielle Unterstützung seiner Eltern verloren. Trotzdem wurde sein BAföG-Antrag abgelehnt.
Abdul Alali wird das BaföG verwehrt
Im vergangenen Jahr hat etwa ein Viertel der Studierenden in Leipzig Bafög beantragt.

Studierende, die ihren Unterhalt nicht selbst oder über die Eltern bezahlen können, unterstützt der Bund über das BAföG mit bis zu 670 Euro monatlich. „Nie zuvor konnten so viele davon profitieren“, preist Bundesbildungsministerin Johanna Wanka das Gesetz auf der Webseite ihres Ministeriums an. „Diese Flexibilität steht auch heute und in Zukunft ganz oben auf der politischen Agenda“, heißt es weiter. Allerdings war das Gesetzt im Fall von Abdul Alali keineswegs flexibel. 

Der Syrer kam 2008 nach Deutschland. Er lernte Deutsch und begann ein Medizin-Studium in Leipzig. Sein Vater war wohlhabend, ein Immobilienhändler in Aleppo. Jeden Monat schickte er seinem Sohn 700 Euro. Das Studium lief gut.

Die Assad-Milizen überfielen das Haus meiner Eltern und raubten alles was wir hatten

Abdul Alali, Medizinstudent

Doch dann brach in Syrien der Bürgerkrieg aus. „Die Assad-Milizen überfielen das Haus meiner Eltern und raubten alles was wir hatten“, erzählt Abdul Alili. Das bedeutete auch, dass die Eltern ihm kein Geld mehr überweisen konnten - sie hatten selbst keines mehr. 

Also begann Abdul Alali zu jobben, um sich über Wasser zu halten. Mit seinem damaligen Aufenthaltstitel „zum Zwecke des Studiums“ war er nicht BAföG-berechtigt. Er arbeitete bei Amazon, Media Markt, in einer Druckerei, in der Metallveredelung und machte unzählige Studentenjobs. Im Studium geriet er dadurch in Rückstand. 

Hinzu kam die psychische Belastung. Abdul Alalis Eltern waren zunächst in die Türkei geflohen, dann in den Osten Syriens. „Wir haben seitdem fast gar keinen Kontakt“, erzählt Abdul Alali. Die Infrastruktur vor Ort sei völlig zerstört. Im Sommer 2014 hörte er über Bekannte, dass eine Bombe in das Haus seiner Eltern eingeschlagen hatte. Er reiste hin und fand seine ganze Familie verletzt im Krankenhaus und das Land im totalen Kriegschaos. „Kampfjets haben die ganze Zeit angegriffen“. 

Seit Ende 2013 hatte Abdul Alali einen neuen Aufenthaltstitel, mit der Bezeichnung „aus humanitären Gründen“. Er konnte jetzt BAföG beantragen. Doch sein Antrag wurde im Januar 2015 abgehlehnt. Der Grund: Laut Paragraf 48 des BAföG müssen Studierende ab dem fünften Semester nachweisen, dass sie mindestens auf dem Leistungsstand des vierten Semesters sind. Abdul Alali hinkte aber drei Semester hinterher. 

Wir haben hier so viel Deutsche Studierende, die unter ganz traumatischen Familienverhältnissen großwerden

Hartmut Koch, Leiter der Leipziger Bafög-Amtes

Zwar macht der Paragraf 48 „aus schwerwiegenden Gründen“ auch Ausnahmen. Aber „jobben“ zähle nicht dazu, erklärt der Leiter des Leipziger BAföG-Amtes, Hartmut Koch. Durch ein Attest könne Abdul Alali zwar zwei Semester Rückstand begründen, aber nicht drei. Für syrische Kriegserfahrungen gebe es keine Sonderregelungen. „Wir haben hier so viel Deutsche Studierende, die unter ganz traumatischen Familienverhältnissen großwerden“, sagt Koch. Es gelte das Prinzip der Gleichbehandlung. Herr Alili hätte sich aus Sich des Amtsleiters früher um seinen neuen Aufenthaltstitel kümmern müssen, anstatt zu arbeiten. Wenn Herr Alali krank sei, müsse er überlegen, ob es nicht sinnvoller sei, das Studium zu unterbrechen, um zu genesen, rät Amtsleiter Koch. 

Davon will Abdul Alali nichts wissen. Er sei gerade wegen des Medizinstudiums nach Deutschland gekommen. „Ich kann jetzt nicht deswegen mein Studium abbrechen“. Gegen die Ablehnung vom Bafög-Amt hat er zwar Widerspruch eingelegt, aber die Chancen sind gering. 

Abdul Alali will jetzt einen Studienkredit aufnehmen., aber reichen wird das nicht. Die wohl einzige Möglichkeit, die ihm bleibt ist: Weiterarbeiten. 

 

Ein Beitrag von Jonas Schreijäg.
 

 

 

Kommentare

Naja, da sind nicht Einzelfälle, die unser auf den bei Google auffindbaren Fotos ach so netten Herrn Kochs.
Auch Eltern müssen vor ihm gewarnt werden, so kürzt er gern die zustehenden Semester, die über die Förderungshöchstdauer laut Gesetz ausstehen gern zu einem Einzigen zusammen, womit man bei einer verlauteten Höchstanzahl von 5 Semestern weiß Gott nicht rechnet. Koch schlägt damit meist nicht nur in der Haushaltskasse ein wie eine Bombe. Auch das mentale Wohlsein wird durch die folgenden Verhältnisse stark beeinträchtigt, vom Kindeswohl ganz zu schweigen. Da muss man dann doch öfter mal an seine Oma oder Opa denken, die nach dem Krieg nichts mehr hatten, wenn man dann regelmäßig auf Hilfe, ähnlich wie wenn man zur Heilsarmee muss, angewiesen ist.

Und da steht es im Text, Herr Koch sagt schon selber, wir haben hier so viele Familien, di unter dramatischen Bedingungen.. u.s.w.

Da ist irgendwo was nicht dicht, der meint doch wieder mich.
Um alles schön zu dramatisieren, sind dann auch schnell mal die ärztlichen eingereichten Atteste, die eine chronische Erkrankung bestätigen aus dem Amt verschwunden.
Unterstützt vom VG Leipzig, die beim Klageweg, ein notwendiges vom Amt einzuholendes ärztliches Attest nicht anfordern. Dieses muss im Zweifelsfall eingeholt werden und wird natürlich vernachlässigt.
Schön dramatische Verhältnisse - von der Verwaltung in Leipzig hausgemacht.

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Jonas Schreijäg
19.03.2015 - 14:37