Gewalt

Kampfsport als Antiaggressionstraining?

Wer kennt das nicht: Manchmal könnte man einfach ausrasten. Aber wie geht man am besten damit um? Den Ärger herunterschlucken, oder, zum Beispiel beim Kampfsport, mal so richtig Dampf ablassen? Wir sind dieser Frage auf den Grund gegangen.
Anti-Aggressions-Training?

Die Meinungen zu diesem Thema gehen weit auseinander und es wird viel diskutiert. Für die einen ist Kampfsport ein guter Aggressionskatalysator, für die anderen werden Aggressionen dadurch noch verstärkt. Immo Fritsche, Professor für Sozialpsychologie an der Universität Leipzig, erachtet es zunächst einmal als sehr wichtig, zwischen unterschiedlichen Arten von Aggression zu unterscheiden:

Das ist so ein Punkt: Welche Art von Aggression will man dabei abbauen. Bezieht man sich auf Situationen außerhalb der Kampfsportsituation, also dass man sagt „Oh, ich wurde provoziert, durch einen rücksichtslosen Verkehrsteilnehmer oder eine unfaire Dozentin. Und damit ich am nächsten Tag diese Dozentin nicht beleidige oder den Verkehrsteilnehmer beim nächsten Mal nicht einfach vom Fahrrad schubse, gehe ich lieber ins Kampfstudio und reduziere dann diese aggressive Tendenz. Oder sprechen wir eben vom Kampfstudio selbst als die Situation, die möglicherweise aggressives Verhalten auslöst.

Immo Fritsche, Professor für Sozialpsychologie an der Universität Leipzig

Bei vielen ist aber gar nicht der Aggressionsabbau das eigentliche Ziel. Es geht oftmals viel mehr darum, einen Sport auszuüben, ein gutes Team zu finden, oder auch darum, das eigene Selbstwertgefühl zu steigern. Trotzdem gibt es aber eben auch solche, die einen Kampfsportverein aufsuchen, um ihre Aggressionen am Gegner loszuwerden. Diese seien jedoch zumindest in der Kampfsportschule Leipzig und im SC Borna an der falschen Adresse. Denn beide Kampfsporttrainer sind sich einig: Aggressionen haben im Kampf nichts zu suchen. Aron Schneider, Trainer der Kampfsportschule Leipzig, sagt, mit aggressivem Verhalten würde man zusätzlich noch seine Trainingspartner vergraulen. Hans-Peter Hofmann, Boxtrainer beim SC Borna, erklärt, dass Wut oder Aggression im Kampfsport sogar hinderlich sind, da sie einen freien Kopf verhindern:

Was die wenigsten Menschen wissen: den Schlag zu sehen, den Schlag erstmal zu meiden, dann den Konter einzuführen und hinterher die Verteidigung, das sind vier Dinge, die innerhalb von einer Sekunde im Kopf ablaufen müssen.

Hans-Peter Hofmann, Boxtrainer beim SC Borna

Also werden Aggressionen selbst von den Trainern ungern gesehen. Dass sie natürlich trotzdem immer mal wieder vorkommen, lässt sich nicht leugnen. Wichtig ist aber, wie damit umgegangen wird.

mephisto97.6-Redakteurin Theresa Seiter mit einem Beitrag zu Aggressionen im Kampfsport
2511 Kampfsport
 

Kommentare

Ja ich bin auch passiver Choleriker aber mach kein Antiaggressionstraining. Wenn mich was auf die Palme bringt, vollführe ich bestimmte Handlungen zu Hause an meinen Mitbewohnern. Aber die finden das ok.

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