Anschlag auf "Charlie Hebdo"

#JeSuisCharlie

In Paris gab es am Mittwoch einen fürchterlichen Terroranschlag. In die Redaktion der Satire-Zeitung „Charlie Hebdo“ stürmten zwei Vermummte mit Kalaschnikows und töteten zwölf Menschen. Ein Kommentar von Ludwig Bundscherer.
Lachmesse Leipzig

Der US-Amerikaner Patrick Bryan Knight wurde im Juni 2007 hingerichtet. Mit seinen letzten Worten wollte der Doppelmörder den lustigsten Witz der Welt erzählen. Dafür bekam er vorab 1.300 Zuschriften mit Lachern frei Haus in seine Zelle. Am 6. Juni, dem Tag der tödlichen Spritze, entschied sich Knight anders. Seine letzten Worte galten seinen Freunden – einen Witz hat er nicht mehr erzählt. Denn der Tod ist nicht lustig.

Dass jemand wegen eines Witzes sterben muss, ist allerdings nicht nur unlustig, sondern eine Schande.

Der tödliche Fehler liegt nicht bei den französischen Satirikern von Charlie Hebdo. Sie haben alles richtig gemacht. Sie provozieren mutig seit 1992, immer mit dem Finger in der Wunde. Der Grund für ihren Tod war möglicherweise das Sonderheft „La Vie de Mahomet“, Cartoons über das Leben des Propheten. Ein Heft, das die iranische Regierung derart verstimmte, dass sie von einer "zionistischen islamophoben Kampagne" sprach. Was für ein Kompliment für die Redaktion!

Vielleicht mag man eine solche Veröffentlichung pietätlos oder doof finden. Unbedingt aber, ist sie richtig! Ich erinnere da gerne an eine Ausgabe des deutschen Satiremagazins Titanic, das den vollgepissten und vollgeschissenen Papst zeigte. Auch ganz ohne Bilderverbot für Katholiken fand das mancher pietätlos. Falsch war es nicht. Selbst der Vatikan hat seine Klage gegen die Abbildung zurückgezogen. Und folgte damit dem unheiligen Tucholsky, der schon vor fast 100 Jahren schrieb: Satire darf alles. Und vor allem darf sie sich über Religion lustig machen. Und sei es nur, weil sich als Reaktion die Fanatiker selbst ihre Maske vom Gesicht reißen.

Der gestern erschossene Karikaturist Cabu zeichnete zum Beispiel, wie sich der Prophet Mohammed an den Kopf fasst und ausruft: Es ist furchtbar, wenn man von Idioten geliebt wird. Für Derartiges hatte Cabu seit Jahren Polizeischutz benötigt. Es hilft aber nicht darüber zu reden, ob die Polizei versagt hat. Es hilft auch nicht, den französischen Staat für die Tat von Fanatikern verantwortlich zu machen.

Der wichtige Punkt ist, jetzt keinesfalls klein beizugeben. Der englische Zeitungsriese Telegraph traute sich gestern nicht mehr, das Cover des französischen Mohammad-Heftes unverpixelt zu zeigen. Das war ein Schritt in die falsche Richtung. Denn so wird Islam-Satire zum Flüsterwitz.

 

Kommentar von Ludwig Bundscherer
charlie hebdo neu

 

 

 

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Ludwig Bundscherer
08.01.2015 - 11:17