Gespräche auf dem Roten Sofa

Jan Wagner: Regentonnenvariationen

Bereits die Nominierung war eine Überraschung, aber immerhin zählt Jan Wagner mit seinen tönenden Dinggedichten zu den besten Lyrikern. Für viele war der Preis der Leipziger Buchmesse nurmehr die logische Konsequenz.
Jan Wagner auf dem Roten Sofa
Jan Wagner auf dem Roten Sofa
Jan Wagner im Interview mit mephisto 97.6-Redakteur Thilo Körting
Jan Wagner im Interview mit mephisto 97.6-Redakteur Thilo Körting

Der Lyriker Jan Wagner versteht es, die Natur zu beobachten, sich zu wundern, auch über das Alltägliche. Er ruft im Leser eine Art Heimatgefühl hervor. Wer erinnert sich nicht an Tafelschwamm und Kreide, an den Geografie-Unterricht und den Globus als Anschauungsobjekt?

eine perfekte welt: mit farben, zonen

und einem herz aus vierzig watt im mittelpunkt;

keine kriege, keine sezessionen,

nur der dezente duft von lösungsmittel

Jan Wagner, Regentonnenvariationen

 

Wagner ist ein Dichter der Anlässe und Gelegenheiten, der in Pflanzen und Tieren, Gegenständen und Gemälden einen szenischen Wert erkennt. Dennoch ist er kein Cowboy, kein Wilder. Jede Zeile, jeder Zeilenumbruch ist perfide geplant, folgt einem Ziel. Hier und da ein paar Schrammen täten seinen wohltemperierten Versen ganz gut. Sein ausgeprägtes Interesse an Dingen, seien es Servietten, Seife oder Tennisbälle beschwören eine Skurrilität hervor. Vor allem weil er sie zum leben erweckt, wunderbare Bilder entwirft und sie in wunderbare Sprache gießt. Grade diese macht den Gedichtband einfach lesenswert. Seine Wendungen bleiben haften. Seine Sätze verfangen. Seine Gedichte möchte man abschreiben und immer wieder aus der Tasche ziehen.

 

 

 

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Sophie Herwig
13.02.2015 - 11:54
  Kultur

Jan Wagners "Regentonnenvariationen" erschien im Carl Hanser Verlag, haben 104 Seiten, und kosten schlappe 15,90 Euro.