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Jahrestag der Antibabypille

Fast drei Viertel der 20- bis 30-jährigen Frauen nutzt sie täglich: die Antibabypille. Aber woher kommt sie eigentlich und wie hat sie in ihrem Werdegang die Gesellschaft beeinflusst? Ein kurzer geschichtlicher Abriss zum 54. Jubiläum der Pille.
Pillenblister
Die umstrittene Antibabypille

Am 18. August 1960 kam die erste Antibabypille auf den Markt – ein umstrittenes Verhütungsmittel, damals wie heute. Dennoch ist es mittlerweile die beliebteste Methode um geschützten Sex zu haben. Über 200 Millionen Frauen weltweit haben sich das erste aller sogenannten "Lifestyle"-Medikamente bereits verschreiben lassen, weitere 200 Millionen wünschen sich, laut Aussage der Organisation "Women Deliver", Zugang dazu.

Einführung der Pille

Jedoch war der Erfolgszug der kleinen Pille kein einfacher. In den USA waren Verhütungsmittel vor 1960 nicht nur verpönt und deren Weitergabe sogar staatlich verboten, schon allein Werbung oder Informationen über die Pille waren als Pornografie verrufen. Das macht es umso erstaunlicher, dass die erste orale Verhütungsmethode dann tatsächlich aus den Vereinigten Staaten kam, vom Pharmakonzern Searle.

"Enovid", wie die Pille damals hieß, war jedoch nicht nur aus moralischer, sondern auch aus medizinischer Sicht umstritten. Die Pille enthielt damals fast siebenmal so viel Östrogen wie heute, was die Nebenwirkungen, wie zum Beispiel Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder Unterleibsschmerzen, deutlich dramatisierte. Auch war die Wahrscheinlichkeit, eine Schwangerschaft zu verhindern, viel geringer als heutzutage.

Massenprodukt

Interessanterweise hielt das die Frauen nicht ab, dem kleinen Medikament zumindest eine Chance zu geben. In kürzester Zeit nutzte ein Großteil der weiblichen Bevölkerung das neue Verhütungsmittel. Obwohl die Pille anfangs nur an bereits verheiratete Frauen mit mehreren Kindern verschrieben wurde (unter dem Deckmantel eines Mittels gegen Menstruationsbeschwerden), eroberte die Antibabypille bald auch die jüngeren Bevölkerungsschichten. Schon bald haben sich über die Hälfte der 18- und 19-jährigen Mädchen die Pille verschreiben lassen.

Ein Jahr nach der Markteinführung in Amerika kam die Pille auch nach Deutschland; als kleine grüne Pille mit dem Namen "Anovlar". Diese Variante der Pille war bereits deutlich sicherer und östrogenbereinigter als die Ur-Pille aus den USA und so nahm sich bald auch die DDR daran ein Beispiel und vertrieb ihre Eigenproduktion "Ovosiston". Ab 1965 wurden die Kosten für diese sogar von den Krankenkassen der DDR übernommen.

Das Ergebnis

Für die Frauenwelt änderte sich durch die Möglichkeit, ihre Sexualität selbstbestimmter regeln zu können, so Einiges. Bereits in den Sechziger Jahren zeichnete sich ein deutlicher Rückgang an Schulabbrecherinnen und eine Zunahme an Abiturientinnen und Akademikerinnen ab. Viele Mädchen, die vorher durch eine ungewollte Schwangerschaft zu einem frühzeitigen Ausstieg aus dem Berufsleben gezwungen waren,  konnten sich nun ganz auf ihre Karriere konzentrieren.

Allerdings ging auch zeitgleich mit der Einführung der Pille ein starker Einbruch der Geburtenraten einher, der bis heute fast konstant geblieben ist. In der Demografie spricht man daher oft vom Pillenknick.

 

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Franziska Lehnst
20.08.2014 - 14:05
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