Konzertbericht

Itchy Who? Itchy Poopzkid!

Die Punkrocker Itchy Poopzkid waren am Mittwoch im Werk 2 im Leipziger Süden zu Gast. Wir waren dabei und berichten, was das Trio live so auf Lager hat.
Itchy Poopzkid verausgaben sich auf der Bühne
Itchy Poopzkid verausgaben sich auf der Bühne

Erwartungen

Itchy Poopzkid zieht mal wieder durchs Lande. Die drei Punkrocker aus dem Schwabenland machen dabei natürlich auch wieder in Leipzig Halt. Mit ihrem neuen Album "Six" im Gepäck scheint die Tour ziemlich ordentlich zu laufen. Fast alle Konzerte sind ausverkauft und die "Itchys" posten nahezu jeden Tag Fotos von überfüllten Clubs und ausrastenden Menschenmassen. Die Band ist bekannt dafür, Spaß zu haben und extrem sympathisch und bodenständig zu sein. Das lässt sich vor allem aus ihren eigenen Konzertberichten auf der Website erkennen. Die kleine Halle D im Werk 2 meldet im Voraus aber kein "Ausverkauft". Trotzdem können Fans mit einem schwitzigen, spaßigen Abend rechnen.

Erster Eindruck

Das politische Engagement der Band zeigt sich schon am Eingang. In ihrem Video zu "Dancing In The Sun" haben Itchy Poopzkid mit verschiedenen NGOs zusammengearbeitet und präsentieren krasse Bilder über alles, was auf diesem Planeten schief läuft. Auch in Leipzig kann man am Eingang für die NGO "Sea Shepherd" spenden. Gemacht! Im Werk 2 ist irgendwie gar nicht so viel los. Die Location ist vielleicht knapp zwei Drittel voll und die Bühne wirkt riesig. Als Itchy Poopzkid nach einem epischen Intro die Bühne betreten, ist der Jubel groß. Die Tanzstimmung ist jedoch erstmal verhalten. Sind vielleicht einfach zu wenig Leute da?

Musik

Mit dem zweiten Song "Why Still Bother" sind alle Zweifel beseitigt. Das Publikum tanzt und pogt. Es folgt eine abwechslungsreiche Setlist, die sich jedoch etwas auf die aktuelleren Alben konzentriert. Alte und neue Hits werden gleichermaßen abgefeiert. Wer gedacht hat, dass Itchy Poopzkid seine beste und bekannteste Periode mit "Silence Is Killing Me" hatte, der irrt sich. Viele junge Leute singen die neuen Lieder wie "Kings & Queens" textsicher mit. Ansonsten spielen die drei in knapp 90 Minuten viele Hits wie "Drogenfrau" oder "We Say So" - aber auch nicht alle. Songs wie "The Living" oder "Lyrically Happy" werden schon auch vermisst. Dafür überzeugen Itchy Poopzkid musikalisch und soundmäßig auf voller Linie. Natürlich ist die Musik nicht die aller anspruchsvollste, aber Sibbi, Panzer und Max wirken sehr eingespielt und produzieren einen klaren Sound. Selbst der meist zweistimmige Gesang kommt gut zur Geltung.

 

Panzer sorgt für einen intimen Moment und spielt einen Song im Publikum
 

Show

Schon nach dem ersten Song wird klar, dass die Itchys eine für eine Punkrock-Band auffällige Lichtshow mit dabei haben. Durch viel Strobo und Blaulicht wird die Energie der Musik auch visuell unterstrichen. Ansonsten haben sich Itchy Poopzkid einiges einfallen lassen. Sibbi und Panzer rennen über die Bühne und tauschen ihre Instrumente fast genauso oft wie ihre Gesangparts. Im Mittelteil der Show stellt sich Panzer ins Publikum und singt "As Long As I Got Chords" alleine. Auch wenn das inzwischen ein sehr beliebtes Show-Element ist, ist es immer wieder schön, die Musiker aus nächster Nähe zu betrachten. Zum Run DMC-Cover "It's Tricky" holen sie sich ihre Crew an die Instrumente und übernehmen die Rap-Parts. Die Stimmung im Publikum ist ausgelassen, obwohl jeder viel Platz hat. Ein Fan erlebt während "Silence Is Killing Me" einen wohl unvergesslichen Moment, da er den - zuhause geübten - Schlagzeugpart übernehmen kann. In der Zugabe lassen Itchy Poopzkid ihre Zuschauer zusammenrücken. Zu "The Weight Of The Water" nehmen sich Fans in die Arme und springen im Takt zum Song. Ein schöner, selten gesehener Moment.

Was in Erinnerung bleibt

Auch Itchy Poopzkid werden älter, was in diesem Sinne aber überhaupt nicht negativ ist. Auch wenn die Musik nicht mehr so punkrockig ist wie früher noch, versprühen sie weiterhin viel Energie und wirken sympathisch. Die besten Lieder sind dann sogar die etwas ernsteren und langsameren wie der Oldie "You Don't Bring Me Down" oder die Single "Dancing In The Sun". Hier überzeugen Itchy Poopzkid mit einem astreinen Sound und bringen das Publikum zum Singen und Tanzen. Panzer erzählt im Interview vor dem Konzert, dass sein Gänsehaut-Moment der Show eigentlich immer der letzte Refrain vom letzten Lied "Down Down Down" ist. Und auch im Werk 2 wird "Down Down Down" vom vierten Album "Lights Out London" überzeugend vorgetragen. Am Ende hat das Publikum auf jeden Fall einen unterhaltsamen, spaßigen Abend gehabt. Wäre es ein bisschen voller gewesen, würden sich die Zuschauer womöglich in den Armen liegen.

 

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Till Bärwaldt
05.11.2015 - 15:03
  Kultur

Itchy Poopzkid im Web 2.0:

Das Tour-Tagebuch von Itchy Poopzkid kann man hier nachlesen. Ein Bericht vom Konzert in Leipzig wird dort vermutlich auch sehr bald erscheinen.