Hochschulgruppe GET

Ist das Kunst oder eine Demo?

Was passiert wenn man einen Wissenschaftler, einen Künstler und Kuratorin einer Galerie an einen Tisch setzt und über Kunst und Politik diskutieren lässt?
Prof. Martin Saar, Kuratorin Franciska Zolyom, Moderatorin Nil Idil Cakmak und der Leipziger Künstler Manu Washaus
Professor Martin Saar, Kuratorin Franciska Zolyom, Moderatorin Nil Idil Cakmak und der Leipziger Künstler Manu Washaus (v.l.n.r)

Diskussion zum Thema Kunst und Protest mit Professor Martin Saar, Kuratorin Franciska Zolyom und Künstler Manu Washaus moderiert von Nil Idil Cakmak hier zum nachhören:

Diskussionsrunde zum Thema Kunst und Protest
 

Als die Organisatoren der Veranstaltung mit dem Brainstorming angefangen haben, stellten sie fest, dass Protest ein sehr komplexer Bereich ist. Es ist heutzutage nicht unüblich, dass man bei verschiedenen Demos verkleidete Menschen oder lustige, bunte Accessoires sieht. Auch in der Kunst wird Politik immer stärker zum Thema. Daher entschied sich die Hochschulgruppe GET- Global and European Topics- genau die zwei Aspekte zu verbinden und sich von den Ergebnissen ihrer Arbeit überraschen zu lassen. Um eine möglichst breite Sichtweise zu garantieren, haben sie gleich drei Referenten eingeladen. Franciska Zólyom, Prof. Martin Saar und Manu Washaus haben in einer langen Diskussion nach der Antwort auf die Frage „Wann ist Protest Kunst und wann ist Kunst Protest?“ gesucht.

Reicht das Demonstrieren nicht mehr aus?

Es ist nichts Neues, dass es immer mehr Erscheinungsformen des Künstlerischen auch in der Politik gibt. Alle drei Referenten sind sich einig gewesen, dass es nicht die Kunst ist, die in diesem Fall im Vordergrund stehen muss. Es handelt sich immer um ein bestimmtes, wichtiges Thema und das sollte man nicht aus den Augen verlieren. Dafür wie man sich künstlerisch mit dem Gegenstand auseinandersetzt, gibt es keine festen Regeln. Für den Leipziger Künstler Manu Washaus ist es vor allem von Bedeutung, dass man eine Auseinandersetzung mit einem Thema nicht sofort mit Protest gleichsetzt. Die Rolle der Kunst im Protest sei vielmehr die Darstellung von Zusammenhängen, die vielleicht nicht auf den ersten Blick sichtbar seien. Sie erzwingt das Sprechen über Protest, auch in den Medien, die in ihrer Berichterstattung nicht nur die Kunstform zeigen, sondern auch erklären sollten. Dafür wird politisches Hintergrundwissen gebraucht, welches so an das Publikum weitergegeben wird und so zu einer Auseinandersetzung mit dem Protestanlass führt.

Ist politische Ästhetik ein Paradox? 

Aus der politikwissenschaftlichen Sicht sieht das natürlich ein bisschen anders aus. Auch in der Politik wird das Ästhetische immer wichtiger. In dem Fall denkt Prof. Saar jedoch vielmehr an Architektur, Gestaltung von öffentlichen Plätzen oder auch Symbole wie Münzen oder Uniformen. So werden Inhalte sinnlich gemacht.

Nicht alles was passiert ist irgendeine Kunst im interessanten Sinn.

 

Prof. Martin Saar 

Durch die Kombination aus Kunst und Protest werden alle diese Gegenstände auffälliger und bleiben länger im Kopf. Es ist kein Massenspaziergang durch die Stadt. Auch wenn wir nach einer Demo direkt nach Hause gehen, werden wir einige Bilder noch eine Weile lang nicht vergessen. 

 

 

 

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Dorota Kusiak
22.07.2015 - 22:02
  Kultur