Kiasmos, FM Belfast und viel, viel mehr

Island, eine musikalische Reise

Islandpferde, ausbrechende Vulkane und eine unfassbar vielfältige Musikszene – das ist Island. Doch wo kommen all die Künstler her? Und was gibt es abseits von Björk und Sigur Rós zu hören? Eine Spurensuche.
Islands Landschaft
Die Landschaft Islands.

Wer an isländische Musik denkt, der wird vor allem an Sigur Rós und Björk denken. Doch damit würde der musikalischen Szene auf der skandinavischen Insel unrecht getan. Denn es gibt eine ganze Reihe an unterschiedlichen Musikern der verschiedensten Genres, die großartige Musik machen.

Da wäre zum Beispiel der Isländer Olafur Arnalds, der als Komponist klassische Musik modern interpretiert. Sein neustes Album wurde von den Kritikern gefeiert und ist in der Tat äußerst hörenswert. Dabei vermischt er gerne mal klassische Elemente mit Pop-Einflüssen. 

Als Nebenprojekt hat er sich mit Färinger Janus Rasmussen zusammengetan und das Techno-Projekt "Kiasmos" gegründet. Ende Oktober erschien deren erstes Album. Es ist kein reines Club-Album geworden, sondern überzeugt vielmehr durch seine sphärischen Synthies kombiniert mit minimalistischen Beats. 

FM Belfast bedienen da schon mehr die Party-Ecke. Bei ihren Konzerten geht die Stimmung meistens durch die Decke. Ihr bekanntester Song heißt "Underwear". Wenn sie ihn live spielen, ziehen sich die Bandmitglieder gerne mal die Hosen aus und spielen eben in "Underwear". 

Das sind nur drei Beispiele, die in unserer Themensendung "Island" behandelt wurden. Doch woher kommt die ganze Vielfalt? Wie erklärt sich die große musikalische Vielfalt? Darüber hat mephisto 97.6-Redakteur Javan Wenz mit Sophie van Treeck gesprochen, die am Leipziger Spracheninstitut Isländisch gelehrt hat und längere Zeit auf der Insel lebte. 

mephisto 97.6-Redakteur Javan Wenz im Gespräch mit Sophie van Treeck
Audio Sophie van Treek Island

Im Festivalsommer 2013 war ein Song nicht wegzudenken: "Little Talks" von der isländischen Band Of Monsters and Men. International in den Charts vertreten steht das Sextett aber für mehr, als nur einen Sommer-Ohrwurm. Ihr 2012 erschienenes Album "My Head is an Animal" ist es wert, komplett gehört zu werden. Wer auf den Sound der India-Band steht, sollte unbedingt mal auf ihrem SoundCloud-Profil vorbeischauen. Dort gibt es eine Menge spannender Remixes bekannter Titel – leider aber auch 08/15-EDM-Versionen. Ein Highlight: die "Little Talks"-Version von Bombay Bicycle Club.

Für unsere Sendung haben wir viel in der isländischen Musik-Szene recherchiert und sind dabei auf deutlich mehr Bands gestoßen, als jemals in unsere Sendung gepasst hätten. Deshalb hier nun noch eine kleine Auswahl an großartigen Künstlern, die es leider nicht mehr in die Sendungs-Playlist geschafft haben!

Mammút

Super abwechslungsreich, glasklare Stimme und ein geiler Sound – das macht die Rock Band „Mammút“ aus. Die Isländer singen teilweise noch in ihrer Landessprache, wie auch im Song „Salt“. Dieser stammt vom Album – Achtung – „Komdu til mín svarta systir“. Das bedeutet so viel wie „Komm zu meiner schwarzen Schwester“. Und auch das Album klingt unglaublich düster. Vielleicht passend zum Winter in Island. Die Platte sollten sich alle Fans von Rock-Musik mit weiblichen Stimmen unbedingt mal anhören – klasse Musik.

 

múm

Die Band múm ist etwas anders. So auch ihr Name: Der soll angeblich keine Bedeutung haben ,sondern einfach nur zwei Elefanten symbolisieren, die mit ihrem Rüssel winken. Nicht nur der Name der Band ist anders, auch ihre Musik ist sehr verspielt und experimentell, mit vielen elektronischen und akustischen Akzenten. Im vergangenen Jahr erschien das Album "Smilewound", das zwar etwas sperrig, aber durchaus sehr interessant anzuhören ist. Wie bei vielen anderen isländischen Bands rotieren die Bandmitglieder von múm regelmäßig. Übrig geblieben sind in der fast zwanzigjährigen Bandgeschichte Örvar Þóreyjarson Smárason und Gunnar Örn Tynes.

Samaris

Kalt wie Island und gleichzeitig genauso faszinierend wie die Natur der Insel; so klingt Samaris, ein Electronica Projekt aus der Hauptstadt Reykjavik. Das besondere am Trio ist: Sie setzen auf eine Klarinetten-Spielerin. Das gibt dem Sound eine Einmaligkeit. Auch Live auf der Bühne sieht das spannend aus. Nachdem wir uns das aktuelle Album (ist komplett auf SoundCloud zu finden) angehört hatten, haben wir uns gefragt, warum eigentlich nicht viel öfter auf den wunderbaren Klang der Klarinette gesetzt wird. Unbedingt mal reinhören!

Sin Fang

Isländische Namen kann sich kein Mensch merken, das ist schlecht für Musiker, die bekannt werden wollen. Das dachte sich wohl auch der Isländer Sindri Már Sigfússon. Also nannte er sich einfach in Sin Fang um. Das ist jetzt der Name für sein Soloprojekt, mit dem er letztes Jahr die Platte "Flowers" veröffentlichte. Von besagter Platte ist vor allem der Song "Young Boys" bekannt geworden. Kleiner Tipp noch: Sin Fang ist auch Gründer der Band Seabear, die sehr traurigen, aber auch sehr, sehr schönen Indiefolk machen. Mitglieder in dieser Band Seabear ist außerdem auch noch Soley, die Sie vielleicht auch in unserer Tonleiter-Sendung entdeckt haben. Sie sehen, irgendwie hängt die ganze isländische Musikszene zusammen.

Asgeier

Als Letztes noch einen Musik-Tipp unserer Interview-Partnerin Sophia von Treeck. Ásgeir ist ein isländischer Singer-Songwriter. Seine aktuelle Platte war die erfolgreichste in der isländischen Geschichte. Etwa jeder zehnte Haushalt besitzt es. Allerdings war es für den internationalen Durchbruch nicht geeignet – denn er sang auf Isländisch. Das war 2012. Ein Jahr später erschien die Platte erneut unter dem Titel "In the Silence". Er hat alle Songs auf Englisch neu aufgenommen. Die Lyrics stammen im Original übrigens mehrheitlich von seinem Vater.

Ásgeir - King and Cross from One Little Indian Records on Vimeo.

Wer jetzt immer noch nicht genug isländische Musik hat, dem sei zum Abschluss noch die Dokumentation "Iceland: Beyond Sigur Ros" ans Herz gelegt. Das Indie-Projekt gibt einen kleinen Einblick in die isländische Musik-Szene. Zwar ist die Dokumentation schon etwa drei Jahre alt, vermittelt aber dennoch gut das Gefühl für das Treiben auf der Vulkaninsel.

 

Kommentare

@martin Das lag an technischen Problemen unserer Seite. Danke für den Hinweis, Martin.

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Keyfacts Island

Einwohner: 325.000

Größe: etwa so groß wie die ehemalige DDR

Einwohnerdichte: 3,1 pro Quadratkilometer

Hauptstadt: Reykjavik (hat etwa ein Fünftel der Einwohner von Leipzig)

Staatsform: Parlamentarische Republik

Währung: Isländische Krone

19. reichstes Land der Erde, gemessen am BIP pro Kopf

13. am Besten entwickeltes Land der Erde, gemessen am Human Development Index der UN

Vulkanausbrüche seit dem Jahr 1900: 37