Datenschutz in der Stadtverwaltung

"Irgendwann wird der Sauerstoff knapp"

Eine halbe Millionen Menschen leben in Leipzig – eine halbe Millionen gemeldete Bürger, deren Daten bei der Stadt verwaltet werden. Aber welche Daten werden eigentlich gespeichert? Und wie sicher sind sie?
Schwarze Kühlschränke - mit etwas mehr Knöpfen: Der Serverraum, in dem die Daten der Leipziger Bürger lagern.

Datenschutz ist nicht erst seit dem NSA-Skandal für viele enorm wichtig geworden: Die Sicherheit der eigenen personenbezogenen Daten sollte vorausgesetzt sein. Schließlich möchte ja niemand, dass seine privaten Daten ausspioniert werden. Private Computer lassen sich sicherlich mit verschiedenen Anti-Viren-Programmen absichern – aber wie sieht es aus, wenn eine ganze Stadt vor Datenklau geschützt werden muss?

Der Datenkeller

In Leipzig wurde die IT der Stadtverwaltung schon lange ausgegliedert – in einem unscheinbaren Gebäude in der Prager Straße sitzt die Firma Lecos GmbH. Sie kümmert sich um die gesamten Daten der Leipziger Bürger. Und zwar alle, betont Roy Bartel. Er arbeitet bei der Lecos GmbH und erklärt die Menge an Daten, die bei der Firma lagert.

"Von der Wiege bis zur Bahre, hier speichern wir alle Daten, die so ein Bürger im Lauf seines Lebens in der Stadt braucht. Von der Geburtskunde bis zur Gravur auf dem Urnendeckel, wenn die Leute auf einem städtischen Friedhof bestattet werden." Roy Barthel, Lecos GmbH

In einem Raum tief unter der Erde liegen diese Daten auf mehreren hundert Servern. Ein lautes Brummen erfüllt den Raum, man kann sich kaum unterhalten. Damit die Server nicht überhitzen, herrscht hier unten auch eine ziemliche Kälte – kein besonders schönes Arbeitsumfeld, sagt Roy Bartel, man müsse es mögen.

Hochwasser, Erdbeben - alles kein Problem

In einem weiteren Raum liegen die Backups der Daten: hinter einer dicken Tresortür. Die Wände des Raumes sind speziell verstärkt, "sie tragen das dreifache Trümmergewicht dieses Gebäudes", sagt Roy Bartel.

"Wir können hier auch eine Weile im Hochwasser schwimmen oder ein Erdbeben überstehen - nur irgendwann wird halt der Sauerstoff knapp." Roy Barthel, Lecos GmbH

Aus diesem Raum können die Backups dann entweder an die externe Sicherungsfirma überspielt werden oder direkt auf den Servern wiederhergestellt werden.

Mehrfach gesichert

Die Daten auf den Servern der Lecos GmbH sind durch mehrfache Schutzsysteme, sogenannte Firewalls, gesichert. Bis zu 10.000 Hackerangriffe täglich verzeichnet die Stadt Leipzig auf die Daten der Verwaltung und die der Bürger – dabei dreht es sich aber in der Regel nicht um große Angriffe wie etwa vonseiten der NSA. Es geht vielmehr um kleine Versuche, die Webseite der Stadt Leipzig nach Schwachstellen abzusuchen. Bisher konnten die Angriffe aber abgewehrt werden.

 

mephisto 97.6 - Reporterin Maj Schweigler aus dem Datenkeller Leipzigs.
IT Sicherheit

 

 

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Maj Schweigler, Verena Ritter
28.08.2014 - 12:31
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