Bildung

Interreligiöses Lernen in Leipzig

Eine Gemeinschaft sein – trotz unterschiedlicher kultureller und religiöser Hintergründe. Das geht. Zum Beispiel an der Wilhelm-Busch-Grundschule in Leipzig-Reudnitz.
Grundschulfenster
Fenster der Grundschule

Die Grenze zwischen ‚wir‘ und ‚den Anderen‘ verblasst zunehmend. Dadurch stellt sich die Frage nach kultureller Identität neu. Wer wir sind – das definieren wir zu einem großen Teil über die Kultur, in der wir heranwachsen. Dabei spielt religiöse Orientierung eine große Rolle. Die Schule ist ein Ort, der diese neue Lebenswirklichkeit spiegelt. Hier treffen die verschiedenen Kulturen und Religionen aufeinander.

Wie in der Wilhelm-Busch-Grundschule in Leipzig-Reudnitz. In der Klasse von Anne Micklich haben von fünfundzwanzig Kindern dreiundzwanzig einen Migrationshintergrund. Kinder aus 14 verschiedenen Ländern lernen hier gemeinsam. Interkulturelles und interreligiöses Lernen gehört für die Kinder der Wilhelm-Busch-Grundschule zum normalen Schulalltag dazu. Unterschiedlich und trotzdem eine Gemeinschaft zu sein – dass das geht, möchte Klassenleiterin Anne Micklich ihren Kindern vermitteln:

Als wir zum Beispiel ein gemeinsames Frühstück hatten, haben die gleich schon für andere Kinder gefragt, darf die und die das überhaupt essen, da darf doch überhaupt kein Schweinefleisch drin sein. Ich denke nicht, dass viele jetzt wissen, warum die das nicht essen dürfen, aber sie wissen, die darf es nicht essen und das ist in Ordnung und da müssen wir auch mit drauf achten.

Anne Micklich, Lehrerin an der Wilhelm-Busch-Grundschule

Einbeziehung der Eltern

Bei diesen Bildungskonzepten geht es aber nicht nur um Kinder. Auch die Eltern müssen mit einbezogen werden. Sie sollten dazu angehalten werden, eigene Vorurteile zu prüfen und zu hinterfragen. Auf diese Weise können sie mit ihren Kindern gemeinsam lernen. Dazu Anatoli Rakhkochkine, Professor für international und interkulturell vergleichende Bildungswissenschaft:

Es reicht nicht, dass man nur im abgeschlossenen Klassenraum über etwas doziert, dass die Schüler da bestimmtes Wissen erlernen. Es geht auch darum, dass man die Gelegenheit bekommt, diese Kenntnisse anzuwenden, vielleicht mal zu hinterfragen, auszubauen. Aber auch, sich seiner eigenen Identität bewusst zu werden.

Anatoli Rakhkochkine, Professor für international und interkulturell vergleichende Bildungswissenschaft

Ausblick

Eine Förderung der interkulturellen Kompetenz ist grundsätzlicher Bestandteil der Lehrpläne aller Schulformen in Sachsen und wichtiges Thema im Religions- und Ethikunterricht. Ein einheitliches Modell gibt es nicht. Auch nicht den interreligiösen Unterricht als Schulfach. Neue und bewährte pädagogische Konzepte müssen an Schulen etabliert werden.

Ein Dialog kann nur dann erfolgreich sein, wenn er gewollt wird. Wenn eine breite gesellschaftliche Akzeptanz vorhanden ist für eine Gemeinschaft, die alle einschließt.  

 

Interreligigöses Lernen in Leipzig von Frances Rohde
 
 

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