Flüchtlinge

Integration - eine Investition?

Knapp 4.000 Geflüchtete leben zur Zeit in Leipzig, Tendenz steigend. Handwerkskammer, Arbeitsagentur und Jobcenter haben nun ein Projekt initiiert, um die Flüchtlinge dauerhaft in den Arbeitsmarkt einzugliedern. Sächsische Betriebe ziehen mit.
Die Beschäftigungsquote für Menschen mit Behinderung wurde in Sachsen nicht eingehalten.
Die Beschäftigungsquote für Menschen mit Behinderung wurde in Sachsen nicht eingehalten.

Im vergangenen Jahr sind mehr als eine Millionen Geflüchtete nach Deutschland gekommen, knapp eine halbe Millionen Asylanträge wurden gestellt. In Leipzig lebt bislang nur knapp die Hälfte der Flüchtlinge, die die Stadt laut dem Königssteiner Schlüssel aufnehmen muss. Viele Menschen kommen aus unsicheren Herkunftsländern, weshalb eine Bleibewahrscheinlichkeit gegeben ist. Um die Geflüchteten aber dauerhaft in unsere Gesellschaft zu integrieren, ist es notwendig, dass sie Arbeit finden. In Borsdorf lief heute ein Projekt zur Eingliederungen von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt an.

Redakteurin Nina Ulke informiert in ihrem Beitrag über die Vermittlungsbörse für Flüchtlinge:

mephisto97.6 Redakteurin Nina Ulke zur Vermittlungsbörse der Agentur für Arbeit, des Jobcenters und der Handwerkskammer in Leipzig
0504 BmE Flüchtlingsintegration

Die richtige Mischung aus Theorie und Praxis

83 Geflüchtete haben heute die Chance bekommen, sich bei zehn sächsischen Handwerksbetrieben vorzustellen und sich für einen Arbeitsplatz zu qualifizieren. Die Flüchtlinge wurden im Vorhinein sorgfältig durch die Initiatoren ausgewählt, Kriterien waren unter anderem die Eignung für die Baubranche, die Bleibewahrscheinlichkeit und die Deutschkenntnisse des jeweiligen Bewerbers. Ziel der Veranstaltung war es, einen Kontakt zwischen den Unternehmen und potentiellen Arbeitnehmern herzustellen, sich über Wünsche und Erwartungen auszutauschen. Durch das Kennenlernen erhoffen sich Jobcenter, Handwerkskammer und Arbeitsagentur Feedback von den Unternehmen im Bezug auf die Eignung der Geflüchteten und die Vermittlungshemmnisse zwischen den Parteien. Auf dieser Grundlage soll dann ein Lehrplan entstehen, nach welchem die Geflüchteten im Borsdorfer Bildungszentrum unterrichtet und fit für den Arbeitsmarkt gemacht werden. Dieser sehe aber keinen reinen Frontalunterricht vor, wie Volker Lux, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer zu Leipzig, verrät. Vielmehr ginge es darum,  Theorie und Praxis zu mischen und so gute Ergebnisse zu erzielen.

Persönliche Erfolge

Einige Geflüchtete konnten heute bereits kleine Erfolge verzeichnen. So auch Farouk Chenaoui (26). Er war 2014 aus Marokko nach Deutschland gekommen und hoffte darauf, hier schnell eine Ausbildungsmöglichkeit zu finden. Dieser Wunsch erfüllte sich aber nicht. Nach zwei absolvierten Sprachkursen und einem Praktikum bekam er heute die Chance, sich den Unternehmen vorzustellen.  Und ging mit einem Termin zur Probearbeit nach Hause.

Projekte wie diese, bei denen man versucht, einer kleinen Gruppe von Geflüchteten  Berufe näher zu bringen und mehr über ihre Neigungen und Erfahrungen rauszufinden, sind teuer, gesteht Volker Lux. Darüber hinaus seien die Finanzierungsmöglichkeiten momentan noch sehr begrenzt.

Hoffnungsträger

Trotzdem investiert die Leipziger Bundesagentur für Arbeit in Projekte zur Eingliederung von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt. Reinhilde Willems, Chefin der Bundesagentur für Arbeit in Leipzig, sieht in Geflüchteten eine Chance für die Wirtschaft. In neun Jahren gäbe es rund 3500 Erwerbstätige weniger in Leipzig, dem könnten die Geflüchteten entgegenwirken. Diese sind meist jung und die Unternehmen sind bereit, in sie zu investieren. Dem pflichtet auch Hermann Leistner, Pressesprecher der Agentur für Arbeit, bei und fügt hinzu, dass allen geholfen sei, wenn ein Flüchtling eine Anstellung finde. Schließlich gäbe es einen Arbeitslosen weniger, das Unternehmen habe eine Fachkraft und der Staat einen Steuerzahler mehr.

 

Kommentieren